Zeeland mit Katharina und Angela Hier Törnfotos

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Oefter mal wieder reinschauen

vom 3.-9.7.2004

Samstag, 3.7.2004

Das sind die schönsten Törns, wenn man nur anreisen und einsteigen braucht!

Unsere Ankatrin II wartete schon sehnsüchtig auf uns, stand sie doch schon gute 4 Wochen auf dem Parkplatz der Marina Kortgene mit stehendem Mast, was für sie bedeutete: es geht noch mal auf "Große Fahrt"!

Nach unserem Fronleichnamstörn hatte ich sie kurzerhand aus dem Wasser kranen lassen, da man für einen Liegeplatz 400 Euro haben wollte. Für das Kranen brauchte ich nur 2 x 47 Euro bezahlen, somit hatten wir eine beträchtliche Ersparnis, fast das gesamte Taschengeld für diesen einwöchigen Törn mit unseren beiden Töchtern Katharina (25) und Angela (19).

Um 8 Uhr starteten wir mit dem beladenen PKW in Oeventrop und nach einer kurzen Zwischenrast erreichten wir die Marina Kortgene gegen 12 Uhr. Da man dort gerade in die Mittagspause ging, beluden wir unser Schiff schon mal auf dem Parkplatz und gegen 14 Uhr kam auch pünktlich der Kranmeister und setzte unseren kleinen Kreuzer behutsam ins Wasser.

Da es aber an diesem Samstag wie verrückt kachelte, verlegten wir uns vom Kranplatz in die Box F 11, um hier bis zum nächsten Morgen auf besseres Wetter zu warten.

Nach unserem ersten Mittagessen aus der eigenen Pantry bummelten wir am Spätnachmittag durch den Ort und aßen uns ein großes Eis.

Auf Stadtrundgang

Anruf bei der Mama: "Wir sind gut angekommen!"

Da wir die Nacht zuvor, wie bei allen Nächten vor unseren Reisen schlecht geschlafen hatten, legten wir uns nach einem Schlaftrunk rechtzeitig in die Kojen, wo wir auf deutliche Wetterbesserung hofften.

Kathi schlief schon um 21 Uhr, Angela hielt noch bis 22 Uhr durch, um dann auch sanft zu entschlummern.

Sonntag, 4.7.2004

Da der Wind noch am frühen Sonntagmorgen deutlich in den Wanten heulte, blieben wir erst einmal ganz gemütlich liegen und überlegten, wie wir jetzt zu einem prächtigen Frühstück kämen. Da wir genügend Proviant gebunkert hatten, viel die Morgenmahlzeit recht üppig aus und gegen 11.30 Uhr legten wir ab ins Versemeer, da sich der Wind doch etwas beruhigt hatte und wir in Richtung Veere die halbe Strecke erst einmal achterlichen Wind hatten. Nur mit Genua rauschten wir mit fast 6 Knoten Richtung Westen. Nach 2 Stunden ließ der Wind immer mehr nach und dunkle Wolken brauten sich am Himmel zusammen. Plötzliche Windstille verhieß nichts Gutes; doch wir kamen besser davon als erwartet. Lediglich eine Stunde regnete es gleichmäßig dahin bevor sich dann die Sonnen wieder einen Durchblick durch die Wolken verschaffte.

Gegen 15 Uhr erreichten wir das wunderschöne Örtchen Veere, wo wir für den heutigen Tag Schluss machen wollten; schließlich hatte ich meinen Töchtern für diesen Törn versprochen, weniger zu segeln um mehr Kultur tanken zu können.

Zuerst aber wurde erst einmal gekocht. Heute gab es Rouladen mit Knödeln und Gurkensalat. Es ist nicht schlecht, wenn man 2 tüchtige Köchinnen an Bord hat!

Nach dem etwas verspäteten Mittagessen oder dem etwas vorgezogenen Abendessen machten wir einen längeren Bummel durchs Städtchen und schauten uns die herrlichen Gebäude an.

Später am Abend zog sich dann wieder eine Regefront über uns zusammen und wir gingen zum Schiff zurück, wo wir erst einmal eine Flasche Sekt aufmachten, die wir uns während der Fußballübertragung zu Gemüte führen wollten. Die erste Flasche war zu Dritt auch schnell gelehrt und als ich die zweite öffnen wollte stellte ich fest, dass meine beiden holden Töchter schon schliefen wie die Murmeltiere! (Mir erzählen sie immer, wie sie am Samstag in der Disco wieder zugelangt hätten!) Nun sehe ich diesen Besuchen auch ruhiger ins Auge!

Montag, 5.7.2004

Beim Frühstück erzählte ich den beiden verkaterten Damen dann, dass Deutschland 1:0 gewonnen hätte, was ihnen aber letztendlich völlig egal war.

Wegen der "durchzechten" Nacht hatten wir uns für heute nur ein kurzes Programm vor die Brust genommen: durch den Kanal waren es nur sieben Meilen bis nach Middelburg, eine wunderbare Stadt, die ich auch schon im Juni besucht hatte.

Um 12 Uhr legten wir an Steiger vorm Hafenmeisterbüro an und ließen uns eine Box im idyllischen Stadthafen zuweisen. Schnell bereiteten wir uns ein zünftiges Mittagessen und machten uns dann auf, um die herrliche Stadt zu besichtigen. Wir hatten einen herrlichen Sommertag erwischt und konnten so das bunte Treiben auf dem Marktplatz beobachten. Am Spätnachmittag kehrten wir mit einigen Tüten, gefüllt vom örtlichen Becker zu unserer Ankatrin II zurück und machten es uns im Cockpit gemütlich und aßen voller Appetit das mitgebrachte Gebäck.

Platz Nr. 1 in Middelburg

Dienstag, 6.7.2004

Am Dienstagmorgen erwartete uns eine große Flaute. Für heute hatten wir uns einen schönen Segeltag gewünscht, der uns durch den "Kanal von Walcheren", über das gesamte Versemeer  bis zur Osterschelde unter Windkraft gelingen sollte. Doch leider erwartete uns nach dem Frühstück um 9.30 nur ein laues Lüftchen. Notgedrungen mussten wir die Strecke bis Kortgene fast ausschließlich unter Motor abspulen. Im Heimathafen der "Delta Marina" füllten wir erst einmal unsere Benzinkanister, die fast den letzten Tropfen Benzin hergeben mussten. Voll bis an die Zähne bewaffnet motorten wir weiter bis zur Schleuse und nach kurzem Stopp konnten wir auch gleich weiter zur Ansteuerungstonne der Osterschelde weiterfahren. Hier nun frischte es Gott sei Dank etwas auf und wir konnten einen schönen Anleger zur Seelandbrücke fahren. Unterwegs kam uns ein riesiges Regattafeld unter Spinnaker entgegen; es war wunderbar anzuschauen. In den nächsten Tagen sahen wir übrigens auf der Osterschelde immer wieder Regattafelder, selbst nachts sahen wir sie über die Schelde segeln.

Wir segelten unter der riesigen Brücke durch. Zuerst wollten wir nach Zieriksee, doch da es noch so früh war, segelten wir weiter gen Westen. Ich wollte meine Töchter am anderen Tag mit einem Besuch des Vergnügungsparks überraschen. Unterwegs frischte der Wind immer stärker auf und bei guten 6 Windstärken und einer Vorhersage von 8-9 für die Nacht war mir das Übernachten an dem kurzen Steg in der kleinen Bucht einfach zu riskant und wir drehten mit halbem Wind ab in den Ramspoot Sophiahafen. Der Hafenmeister wies uns einen Platz am Gastliegersteiger zu und wir waren froh, dass wir endlich fest waren, denn der Wind nahm von Stunde zu Stunde immer mehr zu. Wie an der Schnur gezogen kam ein Schiff nach dem anderen in den Hafen, um dort Schutz vor dem drohenden Sturm zu suchen. Nach kurzer Zeit war der gesamte Gastliegersteg mit geschätzten 60 Booten voll belegt.

Im Schiff war es bei diesem pfeifenden Wind richtig gemütlich. Da links und rechts neben uns zwei 39-Fuß-Schiffe lagen waren wir gut abgedeckt und verbrachten so einen ruhigen Abend. Am Steg der Gastlieger war richtig was los. Jedes Schiff mit voller Besatzung, dass habe ich in meinem ganzen Seglerleben in dieser Form noch nicht erlebt. Überall standen Holländer und Deutsche, Belgier und Engländer zusammen; die Kommunikation klappte ganz hervorragend Fast alle wollten eigentlich über Belgien weiter nach Schottland, Frankreich, Spanien, Portugal und Irland. Die meisten hatten 4 bis 6 Wochen für ihren Urlaubstörn eingeplant. Völlig gelassen nahmen sie die schlechte Wettervorhersage in Kauf und sagten: "Dann fahren wir eben erst morgen oder übermorgen oder überübermorgen, was soll´s!"

In dieser Nacht schliefen wir ganz hervorragend; es beruhigt ungemein, wenn man sich an 4 Festmachern an einem soliden Steg gesichert weiß.

Mittwoch, 7.7.2004

Strahlender Sonnenschein fiel durch den Niedergang und weckte uns schon frühzeitig am Morgen. Mindestens 7 Windstärken schätzte ich im Hafen, draußen wahrscheinlich 8 oder 9. Kein Boot verließ an diesem Morgen den Hafen und für uns Kleinkreuzer-Segler stellte sich überhaupt nicht erst die Frage der Weiterfahrt. Im nahegelegenen Hotel konnte man frische Brötchen kaufen, das war schon mal ein guter Anfang für diesen Tag und wir genossen eine opulente Morgenmahlzeit.

Ein Schwan im Salzwasserrevier, das findet man selten. Hier nimmt er erst einmal einen kräftigen Schluck aus dem Süßwasserschlauch der "Azurro"!

Anschließend machten wir uns auf den Weg, um das Gelände um die Marina zu erkunden. Es handelt sich um ein reines Feriengebiet, dessen Häuser etwa zur Hälfte belegt waren. Am nahen Strand suchten wir Muscheln, von den wir die schönsten auswuschen um sie mit nach Haus zu nehmen.

Den Abend verbrachten wir mit Spielen wie Stadt, Land, Fluss - Mau-Mau und Knobeln. Die Zeit verging wie im Fluge und nachdem meine Damen mal wieder einen Becher Wein getrunken hatten übermannte sie die Müdigkeit, was ein frühes Abtauchen in die Kojen zur Folge hatte. Ich bin dann noch mal mit einer Dose Bier zur Mole gelaufen und habe mir dort den Abendwind noch einmal so richtig um die Ohren wehen lassen.

Donnerstag, 8.7.2004

Gott sei Dank hatte der Wind heute morgen etwas nachgelassen und nach dem ich Brötchen im Hotel geholt hatte und wir ausgiebig gefrühstückt hatten drehte Odin den Hahn immer weiter zu und schon bald machten sich auch die ersten Segler los und fuhren hinaus auf die Schelde. Allerdings wollte keiner über die Nordsee Richtung Belgien, sondern alle zogen es vor über Seelandbrücke, Versemeer und den "Kanal von Walcheren" auf geschützteren Gewässern zum Ziel zu kommen. Ich machte mir etwas Sorgen vor der Ausfahrt, da hier ein enormer Schwell drauf stand. Ich machte auf jeden Fall alle Segel klar, um notfalls mit Segelunterstützung diese Grundsee zu überwinden, falls der Motor nicht ausreichend schieben sollte. Mit Vollgas fuhr ich hinaus und ohne Probleme konnten wir die schwierigsten 50 Meter überwinden. Mit halbem Wind rauschten wir nun am Südufer Richtung Osten. Wind, mächtige Welle und zügiger Strom schoben uns im Eiltempo über die Osterschelde und wir erreichten schon nach einiger Stunden den uns unbekannten Hafen von Colijnsplaats. Da inzwischen Niedrigwasser war kamen wir, trotz unseres verhältnismäßig niedrigem Tiefgang von 1,10 m in der Hafeneinfahrt immer wieder auf Schlick. Doch unverdrossen motorten wir durch den Kanal, umsäumt von einem mindestens 6 Meter hohem Wall, der Hafenmeisterei entgegen.

Der freundliche Hafenmeister wies uns einen schönen Liegeplatz zu, an dem im Laufe des Abend noch zahlreiche Boote bis zu einer Größe von ca. 8,50 eintrafen. Als ich gegen Mitternacht noch einmal nach draußen schaute sah ich, dass die Regattasegler sich mitten in der Nacht schon wieder auf die Regattabahn begaben.

Wir besichtigten das kleine Städtchen und machten uns anschließend auf zum Fischereihafen, um dort in einem Restaurant eine schöne Fischmahlzeit einzunehmen. Anschließend besichtigten wir noch einen Fischverarbeitungsbetrieb, in dem gerade holländische Nordseekraben verarbeitet wurden. Beim weiteren Rundgang kam ich an eine kleine Brücke, auf der gerade einer der Arbeiter 13 große Kunststoffkisten voller Krabben ins Hafenbecken kippte. Als ich ihn fragte: "Warum?",  sagte er mir, dass diese alle zu klein seine. Mit blieb nur ein ungläubiges Kopfschütteln übrig.

Freitag, 8.7.2004

Am heutigen Morgen tagte der Kriegsrat auf Ankatrin II. Der Grund war wieder eine schlechte Wettervorhersage. Wir lagen im Moment nicht sehr weit von unserer Ausgangsmarina in Kortgene entfernt. Sollten wir noch ein paar Tage in Seeland, trotz der schlechten Aussicht bleiben oder sollten wir uns auf den Weg machen, um am heutigen Freitag noch kranen zu können. Nach einigem Hin und Her entschlossen wir uns (nicht gerade glücklich) zur Heimfahrt. Wir setzten die Segel und auf flottem Bug erreichten wir auch schon nach ca. 3 Stunden die Schleuse zum Versemeer. Bis Kortgene war es jetzt nur noch eine knappe Stunde. Inzwischen hatten wir schon wieder an die 6 Windstärken und ich war dann letztendlich doch froh, dass wir gemeinsam diese Entscheidung getroffen hatten.

Die freundlichen Herren in der "Delta-Marina" kranten uns sofort mit stehendem Mast aus dem Wasser, da wegen des am Wochenende stattfindenden Hafenfestes alles auf Hochtouren lief und man uns aus dem Weg haben wollte. So landeten wir ruck-zuck wieder auf unserem Parkplatz, an dem unser Törn vor einer Wochen begann.

Fazit:

Meinen Töchtern und mir hat dieser Törn, trotz der Enge mit 3 Personen auf einem 7-m-Schiff einmalig gefallen. So eine Woche ganz nah mit den Kindern ohne die Mama, das hat meinen beiden sehr gut gefallen und es war bestimmt nicht unser letzter Törn!

Die Männer der "Delta-Marina" möchte ich abschließend noch einmal loben. Ihr freundliches Verhalten, sowohl beim Fronleichnamstörn im Juni als auch jetzt hat dazu beigetragen, dass ich bei weiteren Trailer-Törns nach Zeeland immer wieder hier mein Schiff ins Wasser bringen lasse.

 

 

 

 

 

 

 

Der Papa

 

Katharina

Angela