Rund Rügen - Bodden und viel Wind  
Zurück zu Törnberichte

Oefter mal wieder reinschauen

Sommertörn vom 29. Juni bis 13. Juli

Freitag, 29. Juni 2007 - 1. Tag

Am heutigen Morgen starteten mein Segelfreund Ferdi von der Hövel und ich um 0400 h zu unserem diesjährigen Segeltörn zur Insel Rügen, von der wir uns auf den Weg nach Bornholm machen wollten. Ferdis Arbeitskollege, Toni Peters aus Wennigloh, hatte sich uns mit seiner Etap 20 angeschlossen. Vereinbarungsgemäß trafen wir uns auf dem ersten Autobahnparkplatz in der Nähe des Arnsberger Schreppenberges. Nach einem kurzen Hallo setzten wir unseren kleinen Konvoi in Bewegung und fuhren mit der gesetzlich vorgeschrieben Geschwindigkeit  unserem Ziel, der Marina Neuhof in der Nähe von Stralsund, entgegen. Die Fahrt verlief völlig störungsfrei und um 1300 h standen wir vor der Eingangsschranke der Marina. Für die 650 km hatten wir incl. Pausen 9 Stunden gebraucht, das war deutlich schneller, als wir erwartet hatten.

Schnell hatten wir unser 7-Meter-Boot gekrant und paddelten es in die uns zugewiesene Box. Toni benutzte zum Slippen die Slippbahn auf der anderen Seite des Hafens

Ratzfatz war der Mast gestellt und das Rigg vorschriftsmäßig getrimmt, da kam ein unvorhergesehenes Problem auf uns zu: mein so zuverlässiger Motor, der mich über 14 Jahre nicht ein einziges Mal im Stich gelassen hatte, streikte – er ließ sich nicht starten, da sich der Leerlauf nicht einstellen ließ. Wir bauten die Haube des Mercury ab und stellten fest, dass sich ein Kunststoffteil um 180 Grad verdreht hatte. Nachdem wir dies in Ordnung gebracht hatten, trat das nächste Problem zum Vorschein: die Kühlwasserzufuhr streikte. Mit einem Wasserschlauch spülten wir die Anlage durch, das Wasser lief wie geschmiert; also musste das Problem an der Wasserpumpe liegen. Unser Hafenmeister wusste Rat und rief einen Wassersportservice in Stralsund an. Wir vereinbarten einen Termin für Samstagmorgen. Mit der Hoffnung auf baldige Hilfe schliefen wir dann etwas unruhig gegen 2100 h ein, es war ein langer Tag für uns gewesen.

 

Samstag, 30. Juni 2007- 2. Tag

Um 0700 h waren wir schon auf den Beinen, die Reparatur des Mercury machte uns doch etwas nervös; hoffentlich ließ sich alles so schnell reparieren, wie der Monteur es am Telefon angedeutet hatte. Nach dem Frühstück fuhren Ferdi und ich mit dem Außenborder die ca. 10 km nach Stralsund. Dank der guten Wegbeschreibung durch unseren Hafenmeister fanden wir die Werkstatt auf Anhieb. Der Verkaufsraum machte einen sehr guten Eindruck. Als wir aber über den Hof zur Werkstatt gingen schwante mir Böses; das Ambiente erinnerte mich sehr stark an den Rucksack von Hermann Löns. Die Werkstatt stand voller Außenborder-Pflegefälle, sie glich fast einem Lazarett. Entschlossen packte der Monteur unseren Mercury, klemmte in auf einen Stellbock und schraubte sehr zielgerecht, das war schon vertrauenerweckend. In wenigen Minuten hatte er den prognostizierten Schaden aufgedeckt: der Impeller war defekt. 2 Zacken fehlten ganz, eine weitere war dabei sich aufzulösen, ein kleines Stückchen hatte sich vor das Wasserröhrchen gesetzt und blockierte somit den Zulauf. Er fasste in die rechte Brusttasche seiner Arbeitsjacke, hielt uns strahlend einen taufrischen Impeller hin und sagte: „Wenn Sie mal eine Inspektion hätten machen lassen, wäre dieser Schaden erst gar nicht aufgetreten, die Impeller werden nämlich alle 2 Jahre ersetzt!“

Mit 45 Euro war ich dabei und mein Motörchen brummte wieder voll einsatzfähig daher.

Um 1050 h hieß es zum ersten Mal „Leinen los!“ Unser Tagesziel hieß Lauterbach, tief im Greifswalder Bodden. Zunächst ging es in südlicher Richtung den Strelasund hinab, bis zum Beginn des Greifswalder Boddens. Dort bogen wir dann ab in nordöstliche Richtung, direkt auf Lauterbach zu. Wegen des achterlichen Windes und der herrschenden Welle setzten wir vorsichtshalber den Bullenstander und rauschen mit 5-6 Knoten unserem ersten Tagesziel entgegen. Gegen 1500 h, der Wind hatte inzwischen auf Sturmstärke zugelegt, erreichten wir die Ansteuerung von Lauterbach und begannen die Segel zu bergen. Aus den Augenwinkeln konnte wir verfolgen, dass auch Toni, etwa 50 Meter neben uns, begann die Segel einzuholen. In der Zeit des Bergens unserer Segel hatten wir nicht bemerkt, dass Toni abgelaufen war und sich somit weit von uns entfernt hatte. Der Wind nahm ständig zu und wir hatten genug mit uns selber zu tun.

Wir segelten vor der Hafeneinfahrt eine geraume Weile hin und her und hielten nach Toni Ausschau; weit und breit war aber nichts von ihm zu setzen. Wir setzten die Segel, um ihm zur Hilfe zu eilen. Als wir die Genua II ausrollten und dichtholten, brach der Block der Selbstwendefock. Ohne Vorsegel waren wir bei dem Wind aufgeschmissen, so drehten wir um und fuhren in das große Hafenbecken, um den Schaden in stillerem Wasser zu beheben. Nach der Reparatur fuhren wir wieder hinaus um Ausschau zu halten. Ferdi glaubte, in weiter Ferne ein kleines Boot direkt am Ufer gestrandet zu sehen. Über uns braute sich ein unheimliches Unwetter zusammen und ich brach deshalb zur eigenen Sicherheit unsere Suchaktion ab. Wir hätten mindestens eine Stunde gebraucht, um zu der gepeilten Stelle zu kommen, somit kämen wir auf jeden Fall zu spät, um ihm helfen zu können.

Wir machten erst einmal im großen Hafenbecken fest und wetterten hier das schwere Unwetter ab, leider kamen wir ein paar Minuten zu spät fest und wurden beide pitschenass.

Ferdi ließ Tonis Schicksal keine Ruhe; er beschloss, möglichst nah am Ufer entlang zu der vermutlichen Strandungsstelle zu laufen, die gute 3-4 Seemeilen vom Hafen entfernt lag.

Ich wartete im Hafen der Dinge die da kommen sollten. Um 1600 h ging ich zum Hafenmeister, um fragte nach, ob er von einem Boot in Schwierigkeit gehört habe. Ich erklärte ihm die Situation. Da sagte er: „Suchen sie ein kleines flaches Boot mit roten Streifen und ganz dünnem Mast?“ Ich bejahte seine Frage. Da sagte er: „Schauen Sie mal raus, das fährt da grade hinter dem Busch her in den Nachbarhafen!“ Um genau 1607 h war die Welt für mich wieder in Ordnung und ich wartete ungeduldig auf die Rückkehr meines Segelfreundes Ferdi, um ihm die gute Nachricht mitzuteilen. Dieser kehrte geknickt gegen 1700 h im strömenden Regen völlig durchnässt zurück, lebte aber sichtlich auf, als ich ihm die gute Nachricht von Tonis sicherer Heimkehr mitteilte. Dieser war beim Segelbergen Einhand in Schwierigkeiten geraten und hatte erst einmal auf Raumschotskurs Seeraum gewinnen wollen, um die gefürchtete Legerwallsituation zu vermeiden; dabei hatten wir ihn aus den Augen verloren.

Am Abend machten Ferdi und ich noch eine kleine Wanderung an der Lauterbacher Küste entlang. Als wir wieder von einem Regenschauer überrascht wurden, flüchteten wir, nicht unerwünscht, auf die überdachte Terrasse einer Dorfkneipe. Hier nahmen wir einen kleinen  Schlaftrunk zu uns und hauten uns gegen 2200 h in die Koje.

Tagesstrecke: 18 Seemeilen

 

Sonntag, 4.7.2007- 3. Tag

Nach einem kräftigen Frühstück (Ferdi hatte schon frühzeitig Brötchen organisiert) machten wir uns um 0915 h auf den Weg über den Greifswalder Bodden in Richtung „Südperd“, der südöstlichsten Ecke der Insel Rügen.

Wir hatten herrlichstes Segelwetter und kamen gut voran. Die Landschaft hier unten ist traumhaft schön; mehrfach segelten wir an kleinen Bodden vorbei, die wir uns alle noch für die nächsten 2 Wochen als lohnendes Reiseziel markierten.

Am „Südperd“ bogen wir ab in nördliche Richtung Saßnitz. Von hier aus wollten wir am nächsten Tag nach Bornholm segeln, eine Strecke von immerhin gut 55 sm, was bei guten Bedingungen immerhin gute 12 Stunden Segelzeit bedeute. Zügig mit 4-5 Knoten rauschten wir an der berühmten Kreideküste entlang, unserem heutigen Tagesziel entgegen. Wir mussten aber immer wieder umkehren, da Toni mit seiner Etap 20 schon nach kurzer Zeit, immer wieder weit zurückfiel. Er hatte das Boot noch nie gesegelt, und war natürlich entsprechend unerfahren im Umgang mit seinem erworbenen Kleinkreuzer. Mir wurde auf dieser Tagesetappe aber klar, dass wir unter diesen Bedingungen auf gar keinen Fall in dieser Konstellation nach Bornholm segeln konnten.

Am Abend im Hafen von Saßnitz haben wir über die Situation gesprochen. Toni tat es leid, dass der Bornholm-Törn, auch ein Wunschziel von ihm, nun an ihm scheitern sollte. Wir haben ihn aber beruhigt und nahmen unser neues Objekt „Rund Rügen mit allen Bodden“ in Angriff. Im Nachhinein gesehen war es ein Segen, dass wir am nächsten Tag nicht nach Bornholm segelten, sondern auf Rügen blieben, denn es folgten 5 Starkwindtage, die es in sich hatten und die uns unseren Bornholmtörn ziemlich versaut hätten.

Vorbei am herrlichen Seebad Binz erreichten wir am Nachmittag den großen Hafen von Saßnitz, den wir hoffentlich niemals wieder sehen; vom Yachthafen läuft man fast eine Viertelstunde bis zu den mäßigen Wasch- und Duschräumen auf der anderen Seite des riesigen Hafenbeckens. Ganz in unserer Nähe standen 2 Mietklos, die unter aller Sau waren – Saßnitz – nein Danke. Um uns die Zeit zu vertreiben, überprüften wir unsere Beleuchtungsanlage und reparierten die 2-Farbenlaterne am Bug.

Nach einem schmackhaften Abendessen, gezaubert in unserer kleinen Pantry, verbrachten wir den Abend in gemütliche Klönrunde.

Tagesstrecke: 22  Seemeilen
Gesamt: 40 Seemeilen

 

Montag, 2.7.2007- 4. Tag

Nachdem wir die von Ferdi besorgten Brötchen vertilgt hatten, machten wir uns um 1000 h auf den Weg Richtung Lohme. Im großen Saßnitzer Hafenbecken setzen wir die Segel und konnte so nach 5 Minuten schon den Motor ausschalten. Wir wollten zuerst wieder nach Südwesten, in die große Rügen-Bucht zurücksegeln, um uns das prominente Kurbad Binz mal von See her aus nächster Nähe zu betrachten. Außerdem hofften wir darauf, unser Clubmitglied Berni und seine Frau Angelika im Strandkorb liegend überraschen zu können. Nach einer halben Stunde sahen wir von Ferne Toni wieder zur Hafeneinfahrt Saßnitz zurückkehren. Offensichtlich hatte er wieder irgendwelche Probleme mit seinem nagelneuen Honda-4-Takter, der einfach nicht anspringen wollte.

Da inzwischen Wind und Wellen deutlich zugenommne hatten, machten wir eine Wende und segelten hoch am Wind wieder Richtung Saßnitz zurück. Auf Höhe der Hafeneinfahrt trafen wir wieder auf Toni, der noch einmal zurück gefahren war, um sich Ölzeug anzuziehen.

Gemeinsam kreuzten wir Richtung Lohme, auch hier wieder das Bild vom Vortag, die  Etap konnte uns auf Dauer einfach nicht folgen. Im Laufe der Fahrstrecke nahm der Wind ständig zu und bei strömendem Regen und guten 6 Windstärken kamen wir in den Hafen von Lohme.

Auf der rechten Hafenseite sah ich mehrere kleine Boote unserer Größe liegen und machte mir über die Boxengröße keine Gedanken. Als wir jedoch festmachen wollten stellten wir (leider zu spät) fest, dass unsere Leinen zu kurz waren. Fieberhaft versuchte ich in größter Eile schnell noch eine neue Schot, die gerade greifbar in der Nähe lag, anzuknoten. Dabei rutsche mir das eine Ende aus der Hand und die neue Schot versank in der Tiefe des Hafens. Nun noch schnelle eine andere angeknotet und wir waren erst einmal fest – dieses Hafenmanöver wollen wir ganz schnell vergessen, es war kein Ruhmesblatt. Ich hatte mir zuvor noch vom LIDL so schöne blaue Festmacherleinen gekauft, die ich aber nicht auspacken wollte, weil sie so schön klein und kompakt verschweißt waren. Dieses blöde Argument hatte uns ganz schön in Verdrückung gebracht – Gott sei Dank hatten wir helfende Hände am Steg, die uns aus der Predulje halfen.

Als Toni im Hafen festmachte verholten wir uns noch in seine Nähe und sprachen noch einmal über unsere „Bornholm-Pläne“. Er meinte, ob wir nicht zu dritt mit meiner SPRINTA  dorthin segeln sollten. Dies habe ich aber abgelehnt, da das Boot bei diesen Bedingungen für 3 Erwachsene einfach nicht genügend Raum und Sicherheit bietet – somit ließen wir es bei unseren Neugefassten Plan II: Rund Rügen mit allen Bodden.

Tagesstrecke: 12  Seemeilen
Gesamt: 52 Seemeilen

 

Dienstag, 3.7.2007- 5. Tag

Nach dem Duschen wurden die beim Hafenmeister bestellten Brötchen abgeholt und ausgiebig gefrühstückt. Anschließend gingen wir mit 2 aneinander gebundenen Bootshaken auf Schotsuche an dem besagten Poller. Schnelle hatte ich die Leine am Haken, aber irgendwie hatte sich das Auge unten wohl am Betonsockel verheddert, trotzt größter Anstrengung und Anwendung aller Hebeltechniken war das neue Stück nicht mehr zu bergen; unverrichteter Dinge verließen wir den Hafen und kreuzten hoch nach Kap Arkona. Bis zum Kap hielt Toni blendend mit, doch dann fiel er wieder weit zurück. Auf der Mitte der nördlichen Strecke warteten wir ca. eine Stunde auf ihn. Nachdem wir wieder zusammen waren ließ leider der Wind immer mehr nach und nach dem Abbiegen kurz vor dem Dornbusch schlief er völlig ein. Enttäuscht warfen wir den Motor an und tuckerten die ca. 7 sm bis nach Vitte hoch. Toni fand noch einen Liegeplatz in der Boxengasse der Kleinkreuzer, wir legten uns zwischen eine Najad 343 mit einem netten schwedischen Ehepaar und einem Motorsegler. Um 2000 h lagen wir fest vertäut in der Box. Kaum waren wir mit dem Klarieren des Bootes fertigt setzte auch schon wieder dieser miese Regen ein. Doch Dank unserer praktischen Plane von Praktiker, die wir über den Großbaum legen, sind wir immer auf der trockenen Seite und können das Boot ruhig offen lassen, auch in der Nacht.

Auf unserem neuen Gaskocher machten wir uns schnell noch eine leckere Erbsensuppe mit Bockwürstchen und vertrieben uns anschließend die Zeit mit Klönschnack bis zum Schlafengehen.

Tagesstrecke: 28  Seemeilen
Gesamt: 80 Seemeilen

 

Mittwoch, 4.7.2007 - 6. Tag

Schlechte Aussichten für den heutigen Tag: 7 Windstärken, in Böen 8-9 sagte der Wetterbericht für den heutigen Tag um 0745 h auf Delta Papa 07 voraus, dem zuverlässigen Küstenfunkdienst.

Das war aber nicht besonders tragisch, denn wir hatten diesen Tag ohnehin zum Erkundungstag der Insel Hiddensee, auf der wir uns ja nun befanden. Wir suchten unsere Sachen zusammen und fanden meine Nikon-Kamera nicht. Drei mal wurde das Schiff komplett auf den Kopf gestellt, die Kamera blieb unauffindbar. Die letzten Bilder hatte ich gestern nördlich von Kap Arkona gemacht, als schon Windstille herrschte und wir in ruhigem Fahrwasser ein paar Aufnahmen gemacht hatten. Tieftraurig über den Verlust der teuren Kamera (NP 1600 €) ging ich diesen Tag nun an. Beim Fahrradverleih holten wir uns 3 erstklassige Drahtesel und fuhren zuerst zum südlichsten Ort nach Neuendorf. Hier tranken wir uns ein Bierchen, aßen einen Matjes und trampelten wieder die Betonpiste Richtung Vitte zurück. In Vitte wechselten wir von der Betonstraße auf den Fahrradweg auf dem Deich und radelten weiter zum Touristenort Kloster, der sich ganz in der Nähe mehrerer touristischer Objekte befindet.

Wir nahmen als erstes den Leuchtturm auf dem Dornbusch ins Visier und radelten zunächst ein Stück des Weges den steilen Berg hinauf. Auf einem Fahrradsammelplatz stellten wir unsere Räder ab und stiefelten die steilen Trampelpfade empor. Der Ausblick war phänomenal. Wer die Insel Vitte betritt und nicht auf den Dornbusch steigt, der hat was wirklich Sehenswertes verpasst. Eine atemberaubende Landschaft bietet sich dem Betrachter, es ist einfach phantastisch. Wir konnten in der Ferne deutlich die Klippen von Klintholm erkennen.

Wir wanderten weiter zu den Klippen und landeten natürlich auch beim „Klausner“ einem gemütlichen Biergarten in einem schönen Kiefernwäldchen. Wir belegten die letzten Plätze und saßen am Nachbartisch des Alleinunterhalters, der in fernsehreifer Qualität Seemannslieder spielte und sang und das Publikum blendend unterhielt – ach könnte ich doch nur so Akkordeon spielen, wie dieser Künstler aus Warnemünde.

Nach einer kleinen Stärkung kehrten wir zu unseren Fahrrädern zurück und gingen weiter auf Erkundung. Als Nächstes nahmen wir uns die Kirche vor, mussten jedoch wegen einer Führung draußen bleiben, so gingen wir gleich weiter zur Grabstätte von einem der größten deutschen Dichter: Gerhart Hauptmann, der hier ganz in der Nähe ein Ferienhäuschen besaß und auf Hiddensee seine letzte Ruhe gefunden hat.

Beeindruckt von der Insel Hiddensee kehrten wir zum Hafen zurück, kauften unterwegs noch Bratwürstchen und warfen unseren mitgebrachten kleinen Grill in Schwung. Dass wir zuviel eingekauft hatten spielte keine Rolle, der kleine Amon vom Nachbarschiff hatte sich inzwischen zu uns gesellt und futterte kräftig mit.

Kaum waren wir mit dem Essen fertig, schüttete es wieder wie aus Eimern und um 1945 h erfuhren wir von Delta Papa 07, dass auch der nächste Tag ein Hafentag werden würde: Windstärke 8 mit Böen um 9-10. Da beschlossen wir sofort, am nächsten Morgen erst einmal lange zu schlafen.

Tagesstrecke: 0  Seemeilen
Gesamt: 80 Seemeilen

 

Donnerstag, 5.7.2007- 7. Tag

Die gute Nachricht kam noch vor dem Frühstück. Beim Sortieren unseres „Fresskorbes“ hob Ferdi die Kartoffeltüte hoch und entdeckte durch Zufall darunter meine geliebte Nikon Coolpix 5700; der Tag war somit gerettet, sollte das Wetter doch von mir aus ruhig schlecht bleiben. Hafentage haben auch ihren Reiz.

Nach dem Frühstück ging Ferdi rüber zu Toni, um diesen mal ein bisschen zu unterhalten. Ich öffnete zum ersten Mal auf diesem Törn meinen Akkordeonkoffer und spielte zur Unterhaltung der umliegenden Boote die schönsten deutschen Seemannslieder. Vorbeikommende Segler blieben auf dem Steg vor meinem Boot stehen und hörten aufmerksam zu. Besonders die netten Schweden hatten es die ungewohnten Weisen angetan.

Da Ferdi immer noch nicht zurückkam, holte ich meinen Schachcomputer aus der Backskiste und spielte eine Partie gegen ihn, die ich leider verlor. Nachdem Ferdi wieder bei mir aufgetaucht war, forderte ich ihn zu einer Partie heraus. Er sagte, er habe schon Ewigkeiten nicht mehr gespielt, ich war aber dennoch überrascht von seiner Spielstärke. Nach zehn Partien werde ich nur noch schwerlich gegen ihn gewinnen können.

So verbrachten wir diesen ersten Sturmtag mit wohltuender Muße; wir hörten Musik oder griffen zum Buch um darin zu schmökern; obwohl wir heute nicht segeln konnten, war es kein verlorener Tag.

Tagesstrecke: 0  Seemeilen
Gesamt: 80 Seemeilen

 

Freitag, 6.7.2007 - 8. Tag

Am heutigen Morgen war der Wind auf „nur“ 6 Windstärken zurückgegangen und so beschlossen wir, unter Fock vor dem kräftigen Wind abzulaufen in den Wiecker Bodden mit dem Tagesziel Wieck.

Wir verholten uns aus der Box und fuhren zu einem außenliegenden Poller, um Reff 1 ins Groß zu binden. Ferdi warf eine Leine über den Poller, deren Ende aber nicht auf der Klampe befestigt war und so trieben wir unverhofft ab. Ehe ich mit dem Außenborder die Kurve kriegte saßen wir auch schon auf Schiet. Durch Ausreiten krängten wir das Boot und kamen unter Vollgas wieder frei. Das nächste Anlegemanöver klappte dann wie geschmiert. Wir hatten Sichtkontakt zu Toni und mussten mit Ansehen, wie er sich wieder mal mit seinem nagelneuen Honda rumquälte. Nachbarn kamen zu Hilfe, aber alle Bemühungen brachten nichts ein. Er signalisierte uns durch Handzeichen, das wir schon mal vorausfahren sollten; da das Tagesziel Wieck im gleichnamigen Bodden bekannt war.

Nur unter Selbstwendefock sausten wir raumschots mit 5-6 Knoten durch den engen Tonnenstrich zwischen Hiddensee und Rügen. Es war eine prächtige Rauschefahrt bis hinauf nach Wieck. Da wir unser Ziel recht bald erreicht hatten, wendeten wir und kreuzten die halbe Strecke noch einmal zurück, in der Hoffnung, irgendwann auf Toni zu treffen. Das Kreuzen mit der Selbstwendefock war das reinste Vergnügen. Wir segelten ständig mit voller Rumpfgeschwindigkeit, es war eine Liebhaberei. An der Kreuz erreiche ich mit meiner DS unter Vollzeug sonst nur 90 Grad, unter diesen Bedingungen ging es teilweise sogar bis zu 80 Grad, diese Feststellung machte ich auch in den nächsten Tagen immer und immer wieder – je mehr es kachelte, um so besser wurde SPRINTA.

Von Toni fanden wir aber leider keine Spur. Wir vermuteten, dass er in Vitte stecken geblieben war. Über Handy konnten wir ihn leider nicht erreichen, da er es ausgeschaltet hatte. Wir segelten bis in das große Vorbecken im Wiecker Hafen, rollten die Fock ein und motorten unter Vollgas zu einer freien Box, von denen es jede Menge gab.

Wir besichtigten die Sanitäranlagen und müssen Wieck ein „Sehr gut“ aussprechen – alles pickobello im Schuss. Nachdem wir uns geduscht hatten, machten wir einen „Streifzug durch die Gemeinde“. Dabei entdeckten wir am Kircheneingang ein Plakat, dass auf ein Gitarrenkonzert am heutigen Abend am gleichen Ort hinwies. Diese Chance nahmen wir um 1930 h wahr und lauschten den exzellent aufspielenden Saitenkünstlern aus Berlin- Köpenick. Leider hatten sich zu diesem erstklassigen Konzert nur ca. 30 Besucher eingefunden.

Nach Konzertende genehmigten wir uns noch ein Bierchen und hauten uns anschließend bei heulendem Sturm in die Koje.

Tagesstrecke: 17  Seemeilen
Gesamt: 97 Seemeilen

 

Samstag, 7.7.2007 - 9. Tag

Die Wetterprognose für den heutigen Tag war eindeutig: STURM, orkanartige Böen bis 10 bf. Dies merkten wir schon in der Nacht und beschlossen daher, erst einmal richtig schön lange in der gemütlichen Koje ausschlafen; die bestellten Brötchen bei der Frau des Hafenmeisters am Kiosk abholen, danach Wanderung zum Strand der Kite-Surfer, die sich natürlich über diese Bedingungen tierisch freuten und riesige Sprünge über der tobenden See machten. Ständig rasten so ca. 20 Experten in Strandnähe an der Küste hin und her.

So verbrachten wir den lieben langen Tag mit Wanderungen, Schachspielen, Lesen, Schlafen, Kaffeetrinken – also ein Tag, so richtig zum Realexen. Toni hatte sich inzwischen auch übers Handy bei uns gemeldet: ihn hatte es in den Jasmundern Bodden verschlagen, er hatte seine Leinen im Hafen von Ralswiek festgemacht, wo zur Zeit die „Störtebecker Festspiele“ stattfanden und täglich bis zu 6.000 Besucher auftauchen – da hatten wir in Wieck doch Gott sei Dank ein ruhigeres Plätzchen erwischt.

Tagesstrecke: 0  Seemeilen
Gesamt:  97 Seemeilen

 

Sonntag, 8.7.2007 - 10. Tag

Die Situation war unverändert – nein, das stimmt nicht ganz, der Wind hatte noch einen Zacken zugelegt. Und so beschlossen wir, das Programm des Vortages zu wiederholen, allerdings sollte der Spaziergang am heutigen Tag etwas weiter ausgedehnt werden. So liefen wir bis zum Ende des Wiecker Boddens und wieder zurück, immer schön an der Küste entlang, schauten wieder den Surfern und Kite-Experten zu, tranken wieder Kaffee usw. usw.

Am Abend suchten wir ein piekfeines Restaurant in Wieck auf, wo wir ganz vorzüglich speisten; die „Bismarck-Stuben“ kann man nur wärmstens empfehlen.

Mit den frommen Wünschen, auf einen nachlassenden Sturm  zu hoffen, legten wir uns zur Ruhe – und wurden am nächsten Morgen nicht enttäuscht!

Tagesstrecke: 0  Seemeilen
Gesamt:  97 Seemeilen

 

Montag, 9.7.2007 - 11. Tag

Der Wind hatte deutlich nachgelassen und wehte heute nur noch mit 5-6 Windstärken, also genau dass, was wir uns erhofft hatten. Am Abend zuvor hatte ich Toni noch per SMS unseren Plan für den heutigen Tag mitgeteilt. Wir wollten um 0930 h in seine Richtung segeln, um ihn dann unterwegs irgendwo im Tonnenstrich des Jasmunder Boddens aufzufischen. Als wir uns dem Ende des Wiecker Boddens näherten, erkannte ich weit voraus schon unseren lieben Toni, der seit 0430 auf der Kreuz war und so holten nicht wir ihn, sondern er uns ab!

Gemeinsam segelten wir nun wieder Seit an Seit den Strelasund in südlicher Richtung, unserem heutigen Tagesziel Stralsund entgegen. Hier wollten wir übernachten, um am nächsten Morgen frühzeitig die Brückenöffnung um 0915 h zu erwischen. Unterwegs stellte ich plötzlich einen Riss am Ende der unteren Satteltasche meines Großsegels fest. Vorsichtshalber holte ich es ein, damit der Riss sich nicht weiter ausbreiten konnte.

Am frühen Nachmittag erreichten wir Stralsund und fanden ein ordentliches Plätzchen an Steg 3. Toni lag 3 Plätze links von uns; 2 Plätze rechts von uns trafen wir auch wieder auf den Kollegen vom Steinhuder Meer mit seiner Biga 24, den wir im Hafen von Vitte kennen gelernt hatten.

Wir lösten das Groß vom Baum und ich machte mich auf den Weg zu einem Segelmacher. Ein Hafenmitarbeiter beschrieb mir den Weg zu einer hübschen Segelmacherin, am anderen Ende des Hafens. Bei meinem Marsch durch den sehr großen Hafen kam ich auch am Liegeplatz der Gorch Fock_I  vorbei, die nach dem 2. Weltkrieg in die Hände der Russen fiel und dort in  „Krusenstern“ umgetauft wurde. Um 2000 wurde die „Krusenstern“ von der Stadt Stralsund gekauft, um sie als Gorch Fock_I im Hafen als Ausstellungsstück und Anziehungspunkt für Touristen auszustellen. Die Eintrittsgelder dienen der Restaurierung des prominenten Museumsschiffes.

Mit der Segelmacherin hatte ich einen Abholtermin gegen 1800 h vereinbart, somit machte wir drei uns noch mal auf zu einem Stadtrundgang durch die herrliche restaurierte Innenstadt.

Pünktlich holte ich mein Großsegel ab (Reparatur 15 Euro) und gegen 18.30 Uhr trafen wir uns wieder im Yachthafen und bereiteten ein köstliches Essen aus „Tonis-Rezeptbuch“ vor. Die Einkäufe hatten Ferdi und Toni unterwegs gleich mit erledigt.

Tagesstrecke: 32  Seemeilen
Gesamt: 129 Seemeilen

 

Dienstag, 10.7.2007 - 12. Tag

So wie es mir die Segelmacherin empfohlen hatte machten wir es auch und liefen um 0900 h aus dem Stralsunder Hafen aus, um pünktlich um 0920 h zur Brückenöffnung vor Ort zu sein. Bis zur Öffnung fanden sich etwa 30 Boote vor der Zugbrücke ein, die sich dann im „Gänsemarsch“ durch das Nadelöhr zwängten.

Gleich hinter der Brücke setzen wir unsere Segel und genossen die herrliche Fahrt vor dem Wind, den ganzen Strelasund hinab. Die Bedingungen waren an diesem Tag optimal und wir näherten uns unserem heutigen Tagesziel, der Marina „Kröslin“ mit Riesenschritten.

Auf der Höhe einer großen Industrieanlage in der Nähe von Greifswald braute sich plötzlich eine riesige schwarze Wolkenwand zusammen, die uns doch bedenklich machte. Wir änderten unser Tagesziel und wollten im Hafen der kleinen Insel „Ruden“ Schutz suchen. Leider ließ zu dieser Zeit  der Wind stark nach und wir machten uns unter Motorfahrt auf die Flucht.

Glücklicherweise zog das drohende Gewitter schnell in Richtung Ost über uns hinweg, so dass wir wieder Kurs nach Kröslin aufnahmen. Der Wind hatte sich nun aber endgültig zur Ruhe gelegt und wir motorten die restlichen 5 sm bis zur Marina.

Dort angekommen waren wir überrascht von der tollen Anlage, die von uns ein „sehr gut“ verpasst bekam. Tolle sanitäre Anlagen, ein reichhaltiges Serviceangebot vom Segelmacher bis zum Motorservice, Leihwagenvermittlung, Tankstelle, Fahrradverleih, glänzende Gastronomie usw. verdienten unsere positive Bewertung; von Saßnitz und Stralsund waren wir doch sehr viel Schlechteres gewohnt.

Tagesstrecke: 25  Seemeilen
Gesamt: 154 Seemeilen

 

Mittwoch, 11.7.2007 - 13. Tag

Heute hatten wir eine schwierige Aufgabe. Wir wollten den Peenestrom hinab und dabei die Brückenöffnungszeiten in Wolgast und Zecherin nicht verpassen.

Bis Wolgast waren es nur 6 sm, die wir wegen des erneut starken Windes unter Selbstwendefock vor dem Wind in 70 Minuten abgesegelt hatten. Wir hofften auf weiterhin so gute Bedingungen, die wir aber auch für unser heutiges Tagesziel, die Stadt Usedom auf der gleichnamigen Insel zu erreichen, dringend benötigten. Auf unserer Steuerbordseite braute sich wieder eine gewaltige Regenmasse zusammen, die uns vorsorglich schon mal ins Ölzeug trieb – keine Minute zu früh. Gerde rechtzeitig konnten wir noch Rollfock und Groß bergen, da fegten gewaltige Sturm-Böen mit 8 und 9 Windstärken über uns hinweg. Man sah keine Hand mehr vor Augen. Die vor uns fahrenden Boote waren völlig verschwunden, um uns herum war alles nur noch weiß und zischend. Unglücklicherweise lagen wir ganz knapp vor der Untiefe „Hohe Schar“, die durch 2 Untiefentonnen gekennzeichnet ist. Wir hatten diese vorher ganz in unserer Nähe gesehen. Obwohl wir fast dran packen konnten, blieben sie wegen des Sturms vor unseren Augen verborgen. Wir haben deshalb sofort den Außenborder gestartet, und verholten uns zur Mitte des Peenestroms. Der neu angebrachte Schubpropeller zeigte auch hier, wie schon bei den zahlreichen Hafen- und Bremsmanövern zuvor, wie wertvoll diese Neuanschaffung für 70 Euro war (ich möchte ihn nicht mehr missen!!!).

Nach 10 Minuten war der ganze Spuk vorbei, und wir entdeckten auch unseren Segelfreund Toni wieder ganz in unserer Nähe und waren froh, dass er als Einhandsegler auch so gut davon gekommen war.

Angesichts dieses Sturmerlebnisses und der nach wie vor vorbeijagenden schwarzen Wolken änderten wir unsere Pläne und liefen den kleinen Hafen von Lassan an.

Der kleine Hafen machte einen urgemütlichen Eindruck, das kleine angrenze Dorf versetzte uns allerdings um fast 100 Jahre zurück. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, die Segnungen der „Wende“ hatten diesen östlichen Teil von Mecklenburg-Vorpommern offensichtlich nicht erreicht. Die in echtem Granit gepflasterten Straßen in den Touristenzentren haben offensichtlich für Lassan nichts mehr übrig gelassen. Das von hier die Jugendlichen in den Westen „flüchten“ versteht sich von selbst. Uns hat es dort auf jeden Fall gefallen, wenn man auch bis zur einzigen (supersauberen) Toilette fast 200 m über ungepflasterte Plätze laufen musste – dafür waren die Liegkosten mit 5 € auch unschlagbar günstig. Wer die Armut von Meck-Pom sehen möchte, der ist hier richtig.

Wegen des starken Windes hatten wir unsere Boote erstmalig „römisch-katholisch“ angelegt, damit uns der Sturm nicht so in die Kajütte fegte. Wegen des Regens hatten wir auch schnell wieder unsere Plane über den Baum geworfen und so verbrachten wir wieder einen gemütlichen Abend und ließen Wetter sein.

Tagesstrecke: 18  Seemeilen
Gesamt: 172 Seemeilen

 

Donnerstag, 12.7.2007 - 14. Tag

Am Vortag hatte ich mich mit einem Segelfreund, den ich über das Internet und meine „Friedel-Klee-Seite“ kennen gelernt hatte,

(http://www.molitorfj.de/1%20Private%20Homepage/Friedel-Klee-Seite.htm)

für Freitagnachmittag zu einem Treffen in seinem Heimathafen verabredet. Thoralf hat seine Optima 92 in Freest, direkt an der Ecke Peene-Strom/Greifswalder Bodden liegen. Um pünktlich dort zu sein, beschlossen wir, den Rückweg anzutreten, um am Freitag rechtzeitig in Freest zu sein.

Beim Setzen des Großsegels stellte ich fest, dass das Segel, diesmal eine Segeltasche höher, schon wieder eingerissen war. Das war zwar ärgerlich aber ich konnte die Ursache für diese merkwürdigen Zufälle rausfinden: die Heißleinen der Lazy-Jacks waren zu stramm durchgesetzt. Dadurch drückte eine Leine genau am Ende der Satteltasche gegen das Groß und der starke Druck des Windes riss dadurch die Naht auf.

Wir hatten nun die ganze Strecke von Lassan bis „Kröslin“ den Wind direkt auf der Nase und ich hätte das Groß gerne zum Kreuzen dabei eingesetzt. Da ich aber eine Vergrößerung des Risses vermeiden wollte kreuzten wir bei 5-6 Windstärken nur mit der Selbstwendefock gegenan. Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Kamen wir sonst nicht über einen Wendewinkel von 90 Grad hinaus, erreichten wir mit der enggeschoteten Selbstwendefock fast 80 Grad; es war supergeil, so dahin zu zischen. Im Hafen von Kröslin angekommen sagte Toni: „Es ist schon frustierend wenn ich sehe, wie Du mir nur mit der Fock davonzischt!“

Bis zu 4 Windstärken konnten wir uns in der Regel nicht besonders von seiner Etap absetzen, bei zunehmendem Wind wurde der Unterschied jedoch immer deutlicher.

Im Hafen angekommen tuchten wir als Erstes wieder das Groß ab, um es zum Segelmacher in der Marina zu bringen. Der junge Segelmacher sagte mir eine prompte Erledigung zu und am nächsten Morgen konnten wir um 0800 h das Segel wieder in Empfang nehmen (gleiche Reparatur wie in Stralsund, aber 5 € teurer (20).

Tagesstrecke: 17  Seemeilen
Gesamt: 189 Seemeilen

 

Freitag, 13.7.2007 - 15. Tag

Toni hatte für sich die Heimfahrt beschlossen, da er gerne am Freitag oder Samstag  in Neuhof kranen wollte und hatte sich am Abend von uns verabschiedet. Um 0630 h hörten wir nebenan seinen Außenborder brummen und wussten, nun legt er ab, der liebe Segelkamerad.

Wir blieben noch eine Weile in der Koje und warfen erst gegen 0900 h unsere Leinen los.

Es war wieder Segelwetter vom Feinsten, nie unter 4-5 WS und wieder direkt aus West! Bei diesem Wind wollten wir heute noch einmal hin und zurück über den Greifswalder Bodden bis zum Hagensche Wiek-Bodden und zurück nach Freest segeln. Am Ende des Tonnenstrichs hatte sich auf dem Wampener Riff eine 31-Fuß-Yacht auf Schiet gesetzt und bemühte sich ums Freikommen. Wir wollten gerade die Segel bergen und einen großen Fender mit unserer Schwimmleine zu Ihnen treiben lassen, da kamen sie aber Gott sei Dank wieder alleine frei. So segelten wir in nord-nord-östlicher Richtung hinaus auf den Greifswalder Bodden.

Angesichts des sehr starken Windes aus West und der Wetterprognose für den morgigen Tag mit zunehmendem Wind aus der gleichen Richtung machte ich mir im Stillen so meine Gedanken über die Heimfahrt und kam zu dem Entschluss, das heutige Tagesziel zu verlegen. Ich sprach mit Ferdi, der sofort meiner Meinung war. Ich schickte Thoralf eine SMS, dass er doch bitte mit dem Auto nach Wieck/Greifswald kommen möge, damit für den morgigen Tag unsere Rückreise bis Neuhof schon mal um ein gehöriges Stück abgekürzt würde.

„No Problem!“ schrieb er zurück und so änderten wir unseren Kurs Richtung Greifswald. Da wir durch das Rausfahren auf den Bodden recht viel Zeit in die falsche Richtung vertan hatten, wurde es zeitlich langsam knapp bei der ewigen Kreuzerei. Auf Höhe der abgerüsteten Ölplattform hinter dem „Gahlkower Haken“ warfen wir den Motor an und brummten nach Wieck.

Welch eine Überraschung: in Wieck war dreitägigs Hafenfest angesagt. Um den ganzen Hafen waren unzählige Kirmesbuden, Karussells und Buden aufgebaut. Wir suchten uns ein Plätzchen vor einem Kinderkarussell, in der Hoffnung, dass dieses relativ früh am Abend seinen Dienst einstellen würde. Kurz nachdem wir angelegt hatten, kam in unsere Nachbarbox ein Ehepaar mit ihrem Boot aus dem 2-wöchigen Dänemark-Urlaub zurück. Das stürmische Wetter hatte sie dort ebenso getroffen wie uns hier um Rügen; sie waren in Klintholm 4 Tage eingeweht.

Ferdi ging zunächst zum Hafenmeister, um die Liegegebühren zu bezahlen. Er kam mit der freudigen Nachricht zurück, dass während des Hafenfestes alle Liegeplätze frei seien. Direkt auf der gegenüberliegenden Seite lag das ehemalige Segelschulschiff der DDR, die damalige „Wilhelm-Piek“, heute kurz „Greif“, für ihren Heimathafen Greifswald abgekürzt.

Gegen 1700 h traf Thoral ein, der sich als Einheimischer hier besonders wohl fühlte und mit uns einen Bummel über die Kirmes machte. Er führte uns natürlich zur „besten“ Fischbude und zu einem schönen Lokal am Hafeneingang, von dessen Terrasse wir einen herrlichen Blick über den Greifswalder Bodden hatten.

Als geborener Rügianer konnte uns Thoralf viel von seiner Heimat erzählen, die er aus beruflichen Gründen vor 17 Jahren in Richtung Osten verlassen hat. Heute arbeitet er hauptsächlich in Kaliningrad (Königsberg) und wohnt mit seiner russischen Frau in Gdansk (Cranz) an der Kurischen Nehrung. Für dpa schreibt er von dort aus über das Baltikum und verfasst nebenbei auch noch Reiseführer für einen deutschen Verlag. Zusätzlich ist er auch noch bei einer deutschen Ostsee-Zeitung als Redakteur tätig.

In diesem Jahr hat er sich eine Dehler-Optima 92 gekauft, die im Hafen von Freest liegt; geplant ist aber auch mal eine Überführung nach Kaliningrad.

Das Gespräch mit ihm war sehr aufschlussreich. Ein Mann mit seiner Erfahrung hat einen reichhaltigen Fundus, dadurch haben wir sehr viel über Mecklenburg-Vorpommern, Rügen, das Baltikum und Russland von ihm erfahren. Ich bin froh, dass ich ihn mal persönlich kennen gelernt habe. Dieser Freitag, der dreizehnte, ist ein ganz besonderer Tag in meinem Leben!

Nachdem Thoralf wieder zu seinem Boot zurückgekehrt war schlenderten Ferdi und ich weiter über die Kirmes und staunten über die waghalsigen Fahrgeschäfte, die heute den Jugendlichen das Fahrgeld (5 Euro) mit immer spektakuläreren Aktionen aus der Tasche ziehen.

Tagesstrecke: 24 Seemeilen
Gesamt: 213 Seemeilen

 

Samstag, 14.7.2007 - 16. Tag

Die vielen Eindrücke des Tages, die dudelnde Musik und das Treffen mit Thoralf hatten mich doch etwas aufgewühlt, so dass ich in dieser Nacht sehr unruhig schlief. Immer wieder grölten irgendwelche Jugendlichen in der Gegend rum. Gegen 0430 h waren wir es leid und entschlossen uns zum Losfahren.

Wir verholten unsere „ANKATRIN II“ mit Leinen aus der Box, um unsere Nachbarn nicht zu wecken und warfen erst weiter auf dem Wasser den Motor an.

An der Ausfahrt zum Greifswalder Bodden winkte uns auf der Außenmole ein Mann verzweifelt zu. Wir vermuteten, dass er mitgenommen werden wollte und fuhren zu ihm hin.

„Mir ist gegen 0300 h mein Boot im Hafen gestohlen worden. Es ist grün, hat zwei Masten und trägt den Namen „CELIA“ oder so ähnlich (wir konnten es nicht so richtig verstehen), er habe schon die Polizei verständigt!“

Wir sagten o.k. und motorten weiter den Greifswalder Tonnenstrich rauf, da zu dieser frühen Morgenstunde der Wind noch fest in seinem Bettchen schlief.

Nach etwa 5 Meilen entdeckten wir draußen ein Segelschiff, das ohne Segel vor sich hin dümpelte. Es lag weder vor Acker und machte auch keine Fahrt. Beim Näherkommen erkannte ich durch das Fernglas, dass es tatsächlich die vermisste „CELIA“ war. Sie lag entgegengesetzt zu unserer Fahrtrichtung und es hätte uns mindestens 2 Stunden Fahrtzeit gekostet, wenn wir zu dem offensichtlich verlassenen Boot gefahren wären, außerdem lag das Boot so nah vor dem Hafen, dass es von der Wasserschutzpolizei bei deren Ausfahrt sofort zu bemerken war. Während wir noch überlegten, sollen wir hin oder nicht, konnten wir beobachten, wie ein Boot der Polizei aus dem Wiecker Hafen angebraust kam.

Wir konnten also unseren geplanten Kurs Richtung Neuhof in aller Ruhe fortsetzen.

So langsam kräuselten auch die ersten leichten Winde über das Wasser und wir setzten die Segel. Kurz darauf ließ es sich schon wieder mit 4-5 Knoten unserem Ziel entgegensegeln.

Gegen 0700 Uhr schlief der Wind wieder ein und wir motorten durch den Strelasund, immer auf den kürzesten Weg bedacht, unser Echolot zeigte uns geduldig und aufmerksam stets die richtige Tiefe an. Und dennoch saßen wir plötzlich kurz vor der Glewitzer Fähre fest. Ich konnte mir das überhaupt nicht erklären. Als ich dann den Knopf mit der Bezeichnung „Gain“ weiter aufdrehte bekamen wir auch wieder ein Signal. Das Gerät war für den modderigen Boden nicht empfindsam genug eingestellt; nun hatten wir den Salat. Alle Bemühungen halfen nichts, wir krängten mit allen Kilos die wir auf die Waage bringen, Motor Vollgas, vorwärts rückwärts. Der Bootshaken ließ sich fast einen halben Meter in den Untergrund drücken, wir hatten keine Chance, allein frei zu kommen.

In der Nähe nächtigte ein größeres Motorboot. Obwohl ich nicht damit rechnete, von denen gesehen zu werden, gab ich mit den Armen Signal, das wir Hilfe brauchten; und siehe da, ratzfatz kamen sie auch schon angebraust. Die Frau war am Steuer, Ferdi warf dem Mann auf dem Vorschiff unsere Leinen zu und nach wenigen Metern Schlepphilfe schwammen wir wieder im freien Wasser.

Wir bedankten uns bei unseren freundlichen Helfern und tuckerten weiter Richtung Neuhof.

Dort kamen wir gegen 0900 h an und sahen, wie Toni gerade seine Etap auf dem Trailer festzurrte. Wir riefen ihn, damit er nicht wegfuhr und konnten so noch ein paar Worte mit ihm sprechen. Er wollte aber nicht mehr auf uns warten und machte sich kurz darauf auf den Weg in unsere sauerländische Heimat.

Tagesstrecke: 18 Seemeilen
Gesamt: 231 Seemeilen

Das Abriggen ging dann ruckzuck über die Bühne, Schiff ausladen, Auto und Trailer holen, Kranen und Verzurren und punkt 1200 Uhr fuhren wir vom Hof der Marina Neuhof, die wir für solche Aktionen nur wärmstens empfehlen können. Der Hafenmeister war sehr, sehr freundlich und die Preise absolut in Ordnung.

Nach 9-stündiger Autofahrt erreichten wir dann um 2100 h unseren Heimatort und wurden dort von unseren Ehefrauen und Kindern freudig zurück erwartet.

Trotz des vielen Windes und dem zeitweise heftigen Regen war es ein Supersegeltörn - und es war wieder mal schön mit Ferdi unterwegs gewesen zu sein.

...die Planungen für das nächste Jahr laufen schon!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bilder aus Wiek am Wieker Bodden

Emblem am Gebäude des Hafenmeisters


In dieser Kirche fand das Konzert statt

war der Künstlername des Gitarrenduos


Vorzüglich speisten wir in den
Bismarkstuben




Erstklassige Sanitäranlage mit Kiosk


An der Kreidebrücke wurde zu
DDR-Zeiten die auf Rügen abgebaute
Kreide verladen.



Kite-Surfer freuten sich über den
Starkwind
 

Bilder von Hiddensee:


Mit gemieteten Fahrrädern erkundeten
wir die wunderbare Insel Hiddensee


Am herrlichen Sandstrand


Ein ganz besonderer Kleinod


Ferdi links und Toni rechts von mir


Ein tolles Hotel in Kloster


Gruppenfoto am Dornbusch
mit Leuchtturm


Herrliche Ausblicke am Dornbusch
über die weite Ostsee


Kurze Pause


Am Grab von Gerhart Hauptmann


Der Törnbericht wird gleich in den Laptop geschrieben


Nach der Rückkehr vom Dornbusch
wurde erst einmal im Hafen gegrillt


Der kleine Amon vom Nachbarschiff half
uns, die leckeren Bratwürste zu vertilgen

Bilder aus Stralsund:






Die Speicherstadt

Seemannslieder:
Auf hoher See spiele ich sie besonders gern!

 

Bilder von Toni aus Ralswiek:













In der Marina Kröslin hat es uns am
Besten gefallen

Beim Segelmacher in Kröslin

Bilder aus Lassan:


Der schnuckelige Hafen





Bilder aus Wolgast im Peneestrom:


Die bekannte Peene-Werft




Ehemalige Kriegsschiffe warten aufs abwracken


Kriegsschiffe werden gebaut oder gewartet



Zwei baugleiche Containerschiffe für
Singapure werden in Wolgast gebaut



Die Hebebrücke über die Peene in
Wolgast

 
In der Marina Kröslin kochte Toni für uns
ein leckeres Abschiedsessen

Im Hafen von Wieck/Greifswald:


Das ehemalige Schulschiff der DDR, die
"Greif" (Heimathafen Greifswald) - das
Schiff hieß früher "Wilhelm Pieck"

Diese Band spielte Songs von Marius-Müller Westernhagen fast originalgetreu

Endlich lernte ich auch mal Thoralf (r.)
 kennen, mit dem ich schon so viele
e-mails ausgetauscht hatte.


Die Plastikplane spannten wir bei Regenwetter immer über den Baum - dadurch konnten wir auch nachts bei offenem Schiff prima schlafen. Unser Mückenschutznetz benötigten wir nur in einer einzigen Nacht.