Rund Fünen mit 41 Fuß Törnfotos Rund Fünen

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Teilnahme an der berühmten Regatta
FYN RUNDT ´98
    vom 3.6.-9.6.1998

 

Der Veranstalter-Club:    

 

Am Dienstagmorgen starteten wir um 9.15 Uhr in Oeventrop, nachdem wir zuvor bei Jürgen Schneidewind kräftig Verpflegung gebunkert hatten. Unser nächstes Ziel war Meschede, wo wir uns mit unseren Segelkameraden treffen wollten; außerdem mussten wir noch Peter Senge bei uns zuladen.

Nach flotter Fahrt waren wir schon kurz nach Mittag hinter Hamburg, wo wir an einer Raststätte eine kleine Pause einlegten. Gegen 17 Uhr waren wir schon in unserem Übernahmehafen "Bogense". Hier erwartete uns eine große Überraschung, denn unser Schiff "Barbygirl" lag nicht am Steg. Mehrere Rückrufe beim Vercharterer brachten keine Lösung; er behauptete immer und immer wieder, das Schiff läge in seiner richtigen Box. Nachdem sich Bekannte von Herrn Thygesen einklinkten stellte sich dann einige Stunden später raus, dass der Name unseres Schiffes nicht "Barbygirl" sondern schlicht und ergreifend "Trine" hieß. Erleichtert gingen wir an Bord und haben uns erst einmal einen getrunken.

Am nächsten Morgen machte Theo uns ein schönes Frühstück. Vercharterer Thygesen kam vorbei und brachte uns noch verschiedene Dinge, so u.a. neue Spischoten, Seekarten, Winschenkurbeln und ließ den Spi-Baum reparieren. Dann fuhren wir zur Tankstelle und übernahmen dort frisches Trinkwasser und Diesel.

Nun ging die Post ab nach Kerteminde, unserem ersten Zielhafen. Mittags gab es nur Wurst auf die Hand. Am Abend wurde erstmals richtig gekocht. Jürgen servierte uns eine prächtige Mahlzeit: Rindergulasch mit Semmelknödeln und Gurken. Anschließend machten wir einen größeren Bummel durch Kerteminde und taten uns eine anständige Portion Eis rein. Ein herrlicher Segeltag ging zu Ende, der uns bei schönstem Wetter über 50 Seemeilen beschert hatte.

Am nächsten Morgen holte Josef uns frische Brötchen, dabei hat er Shorty und Arndt Ritter getroffen, die ihr Schiff in Kiel übernommen hatten und auch auf dem Weg nach Korshavn waren.

Nach dem Frühstück hieß es Leinen los und bei herrlichstem Wetter und achterlichen Winden preschten wir unter einem 130 qm großen Spi davon. Bei dem höllischen Tempo verlor Skipper Molli seine erste Mütze. Das Mann-über-Bord-Manöver ging voll in die Hose. Die Mütze wurde abgeschrieben. Ca. 2 Stunden später ging auch Josefs Kappe baden. Der Erfolg der Rettung war ebenso vernichtend wie schon zuvor. Jeweils kurz vor dem Erreichen des Objekts versank dieses auf dem Grund der Ostsee. An diesem Nachmittag kam es auch zur ersten "Meuterei auf der Trine" als Steuermann Peter eine Wende ankündigte und sich keine Hand krümmte. Doch dieser Vorfall war schnell aus der Welt, war das Wetter doch einfach zu schön und unser Starthafen Korshavn schon fast in Sicht. Dort angekommen wurden erst einmal die Regattaunterlagen abgeholt und anschließend ein "Weltmeister-Fässchen" getrunken.

Danach gingen wir ins Festzelt, wo eine umwerfende Jazz-Band für Stimmung sorgte. Leider haben wir von dieser Band kein Foto; ihr Anblick war einfach sehenswert: sie hätten in jede Muppet-Show gepasst.

Gegen 23 Uhr gingen wir dann in freudiger Erwartung in die Kojen. (Schnarch, schnarch!!!).

Am Freitag, dem Startmorgen herrschte reger Betrieb im Hafen. Ca. 230 Schiffe hatten dort kreuz und quer festgemacht. Man konnte sich kaum vorstellen, wie die alle zum Start rechtzeitig freikommen sollten, doch es klappte alles wie am Schnürchen. Unsere Startzeit war 12.45 Uhr. Zu dieser Zeit herrschte fast Windstille und so kamen wir auch fast 5 Minuten zu spät zur Startlinie. Trotzdem holten wir das vor uns liegend Feld bald auf, dümpelten dann aber nach ca. 1 Stunde, wie alle anderen an der ersten Wendemarke. Hier ging also fast nichts mehr.

Später kam dann etwas Wind auf und 19.30 Uhr lag die kleine Insel Romso steuerbord quer ab. Nun lagen wir auf dem richtigen Kurs zur Große-Belt-Brücke. Unser Kurs 150 Grad ließ sich gut anlegen und wir kamen der Durchfahrt immer näher. Da unser Schiff eine Höhe von 18 m über Wasser hatte, mussten wir die östliche Bahn nehmen, was einen deutlichen Umweg bedeutete. Wir hatten die Brücke schon greifbar nahe, als wir ganz plötzlich mit ca. 4-5 Knoten nach Westen versetzt wurden. Im Nachhinein stellten wir fest, dass dieser Strom absolut verständlich war, da der Grund hier von 30 auf 5 m anstieg und der NO-Wind das Wasser voll durch diese Düse trieb. Fast 1 Stunde haben wir durch diesen taktischen Fehler verloren. Trotzdem lagen wir immer noch sehr gut im Feld und hatten zig Boote weit hinter uns.

Inzwischen war es auch dunkel geworden und wir machten unsere erste Nachfahrt, und dies gleich bei einer Regatta mit einer riesigen Beteiligung und nun den Svendborg-Sund vor uns, der uns im Dunkeln teilweise nicht viel breiter als die Ruhr vorkam. Zahlreiche Richtfeuer weisen dem Segler in diesem schwierigen Gebiet den Weg. Die Fahrwassertonnen sind wahrscheinlich wegen der vielen Feuer unbeleuchtet. Immer und immer wieder tauchten rote und grüne Tonnen im Fahrwasser auf dazu die Lichter der vielen Boote um uns herum. Klaus-Peter und Theo saßen ständig bei strömendem Regen am Bug und hielten Ausschau. Mehrfach hätten wir fast eine Tonne voll genommen. Doch immer konnte Jürgen, der den ganzen Sund steuerte, noch rechtzeitig ausweichen.

Vor der Großen-Belt-Brücke teilte sich die Regattabahn. Die kleineren Boote konnten den kürzeren Weg unter den niedrigeren Durchfahrtshöhen durchfahren, wir mussten jedoch den weiten Weg bis zu den Pylonen machen, da unser Mast über 14 m aus dem Wasser ragte.  Die Navigation war für mich äußerst schwierig, da die Situation ständig wechselte. Die Fahrstecken waren immer nur sehr kurz und schon wieder musste eine neue Peilung genommen werden. Es ging oft nur 100 m. Ich war schon nach kurzer Zeit schweiß-gebadet. Gott sei Dank gab Peter mir immer die genauen GPS-Koordinaten durch. Als es immer enger und schneller wurde haben wir die Genua eingerollt; da drehten die Kenner des Reviers erst richtig auf und setzten den Spi. In diesen Stunden haben wir viele weitere Plätze verloren.

 

Aber die Sicherheit war uns wichtiger als eine gute Placierung. Gegen Morgen waren wir bereits auf der westlichen Seite Fünens im Kleinen Belt und hatten mehr als die Hälfte hinter uns. Von nun an hieß es aber kreuzen, und das bei 6-7 Windstärken. Durch Middelfahrt ging es ja noch ganz gut aber dann auf der nördlichen Seite Fünens ging die Post so richtig ab. Das stundenlange Kreuzen war sehr ermüdend, zumal noch keiner von uns geschlafen hatte. Unglücklicherweise flog auch noch der Violinblock der Großschot auseinander. Gott sei Dank konnte Jürgen den Schaden mit dem vorhandenen Bordwerkzeug beheben.

Nach 29 Stunden und 3 Minuten kommen wir als 147 von 228 Boten in Korshavn an. Für Peter Senge war es eine große Ehre, dass er unser Erkennungsschild raushalten durfte, das zur Indentifizierung diente und auch im Svendborg-Sund gezeigt werden musste.

Wir sind stolz und zufrieden, dass wir ein so großes Schiff (Granada 41) unter diesen widrigen Bedingungen so sicher im Griff hatten und die Regatta erfolgreich zu Ende geführt wurde.

Neben dem Erlebten sind wir vor allem an Erfahrung reicher geworden. So waren die wichtigsten Erkenntnisse die Berücksichtigung des versetzenden Stroms und die fehlenden Revierkenntnisse in engen Passagen.

Todmüde fielen wir nach der Ankunft in die Falle. Aber richtig schlafen konnte keiner; immer wieder gingen einem die brenzligen Situationen durch den Kopf.

Am Sonntagmorgen machten wir uns zeitig auf den Weg, wollten wir doch nach Arhus kommen. Kurs und Wind waren gut für dieses Ziel und so rauschten wir unter Spi nach Norden. Um 13.50 Uhr haben wir die Segel geborgen und sind bis Arhus motort. Der Wind war total eingeschlafen, dichter Nebel machte sich immer mehr breit. Auch hier wollten wir Peter wieder eine Freude machen, doch leider ging der Schuss nach hinten los.

Als wir uns dem 56 Breitengrad näherten, wollten wir eine kleine "Äquatortaufe" vornehmen. Jürgen hatte schon eine Flasche MUMM zur Kühlung im Schlepp. Nach der Überquerung des Breitengrades wollten wir "Hoch soll er leben" singen und die Flasche Sekt trinken. Da bis zu diesem Zeitpunkt noch ca eine Stunde war, haben wir die ganze Angelegenheit natürlich auch durchgesprochen. Die Überprüfung ergab, dass alle notwendigen Utensilien an Bord waren: Schrubber, Pütz, Senf, Ketchup, Toilettenpapier - nur Schuhcrem war nicht an Bord. Peter wurde immer unruhiger und erschwerend kam hinzu, dass er schon seit Stunden keine Zigaretten mehr hatte. Theo, Klaus-Peter und Jürgen saßen auf dem Vorschiff und ich saß in der Plicht und spielte Gitarre. Als der GPS 55.59.200 N anzeigte rief Peter plötzlich: "Ablösung, Ablösung! Ich muss zur Toilette!". Keiner rührte sich. "Ich brauche Ablösung, ich muss zur Toilette!", rief er wieder. Auch diesmal keine Reaktion. Mit einem "Dann leckt mich doch am A....." ließ er Ruder Ruder sein und verschwand im Schiff. Jürgen ging ans Rad und kam nun in den Genus des kleinen Ständchens. Danach haben wir noch gemeinsam mehrere Lieder zur Laute gesungen; dabei besuchten uns immer wieder mehrere Tümmler.

Abends sind wir in die Stadt gegangen. In der Fußgängerzone konnte endlich ein Zigarettengeschäft aufgebracht werden und Peters Laune besserte sich von Zug zu Zug.

In der Fußgängerzone haben wir lecker zu Abend gegessen und haben dann anschließend ein kleines Bordfest gefeiert. Ein Angler hatte uns zuvor noch beim Wasserbunkern im Hafen geholfen. Als Dank bekam er 2 Wassergläser voll Kümmelschnaps. Nach dem Genus schwankte er wie eine Palme im Wind. Gegen 01.00 Uhr gingen wir in die Kojen.

Am nächsten Morgen kachelte es schon wie verrückt. Beim Hafenmeister holte ich mir den Wetterbericht: Windstärke 6, zunehmend 7 aus SW. Das war für uns die denkbar ungünstigste Windrichtung. Noch im Hafen banden wir 2 Reffs ins Groß und gingen dann auf große Fahrt Richtung Süden. Schon nach kurzer Zeit mussten wir auch die Genua reffen.

Gegen 14.25 sahen wir einen Trimaran, der sich seltsam verhielt. Irgend etwas schien nicht zu stimmen. Ich habe dass Funkgerät mit Kanal 16 eingeschaltet, es blieb aber alles ruhig. Wir waren uns klar darüber, dass wir mal kurz bei ihm vorbeisegeln wollten um nachzufragen. Gott sei dank haben wir es gemacht, denn der Trimaran trieb steuerlos auf der hohen See. Der Skipper versuchte zwar noch mit dem kleinen Außenborder Kurs zu halten, dies war aber nicht möglich. Kurz entschlossen haben wir ihn an den Haken genommen und nach Hov geschleppt. Im Hafen bedankte er sich mit 12 Dosen Bier, die uns gerade recht kamen, lagen wir doch schon auf dem Trockenen.

Abends kamen wir im Hafen von Endelave an und verbrachten hier unsere letzte Nacht auf dem Schiff.

Am nächsten Morgen ging es dann mit hoher Marschzahl zurück nach Bogense, wo wir gegen 13.10 ankamen. Schnell noch getankt und anschließend festgemacht. Danach wurde gepackt und das Schiff gereinigt. Gegen 14.30 Uhr saßen wir im Auto und ab ging die Fahrt nach Hause, wo wir gegen 22 Uhr glücklich wieder ankamen.

Fazit: Rundherum war es eine gelungene Sache. Wir haben viel Spaß gehabt und noch mehr erlebt. Bekanntlich verderben viele Köche den Brei, so war es auch bei uns nicht viel anders; doch konnte immer durch Eingreifen des Skippers die Situation gerettet werden. Keiner war dem anderen böse oder verärgert - wir gingen als Freunde und kamen auch so wieder.

 

 

 

Molli



Theo

 

Micki

Jürgen

 

Josef

 

Peter