Prolog

 

09-10-08

Friedel Klee mit Sextant

Die VAGANT an Kap Hoorn

e-mail: franz-josef.molitor@schm.info

 

 

 

Das Segeln wurde für die Klee´s zur Passion!

                                             

Nach ihrer ersten Weltumseglung in Großenbrode 1978

 

"Als kleiner Junge hatte ich die Wahl zwischen Bergsteigen, Kanu fahren oder Segeln. Da man beim Segeln das meiste für sein Geld bekommt, war mit schnell klar, was ich mache", so sagte der zweifache Weltumsegler Friedel Klee. " (Zitat: Sauerlandkurier).

Als wir aus dem Krieg zurückkamen, waren die Zeiten hart, anfangs brutal hart. Und als das Hungern und Organisieren zu Ende ging, gab es für unsere Schufterei viel weniger Geld, als das heutzutage selbstverständlich ist. Aber wir waren ja jung, froh, noch zu leben und taten das nun auch. Wir hatten Träume und immer noch überschüssigen Schwung für Unfug. Mancher Sonntag war frei, bald alle. Später der halbe, dann der ganze Samstag dazu. Da segelten wir jede freie Minute mit allem, was schwamm. Und irgendwann gab es auch mal etwas Urlaub. Daran zupften, dehnten und mogelten wir so lange herum, bis es wieder zu einem Törn ins Weite reichte. Unser wunderschöner Möhnesee allein war uns auf die Dauer eben doch etwas zu klein." (Zitat: Klaus Peters, wohl Klees bester Freund in der Heimat, in der "Folke News" Nr. 2/99)

Mit seinem ersten Boot, einer aus geklauten Dachlatten zusammen gebastelten Jolle, machte Klee erste Schwimmversuche auf dem heimischen Möhnesee, wo er auch zu den Gründungsmitgliedern des Yachtclubs zählt.

Anfang der fünfziger Jahre steuerte der begeisterte Regattasegler Skandinavien an - zu einer Zeit, als deutsche Schiffe noch nicht wieder unter heimischer Flagge segeln durften.

1956 stieg dann Ehefrau Ursel an Bord, mit der Klee zunächst erfolgreiche Regatten im Heimatrevier am Möhnesee absolvierte. Parallel reisten sie so oft sie nur konnten mit ihrer recht kleinen aber dennoch seetüchtigen Boote in alle möglichen Regionen Europas, um immer weitere Strecken auf See zurückzulegen.

1974 im Herbst überführten Willi Dehler (Skipper und Eigner), Friedel Klee, Hannes Schädlich  und Hans Rupp die La Mer von Huelva (spanisches Festland) nach Puerto Rico auf Gran Canaria, von wo aus Friedel Klee dann anschließend "Einhand" über den Atlantik bis nach St. Thomas auf den Virgil Islands segelte (3.078 sm).

1976 setzte das Ehepaar schließlich seinen Lebenstraum in die Tat um: Von der damaligen Dehler-Marina (heute Marina Großenbrode) erwarben sie aus der Charterflotte eine 2 Jahre alte Optima.

Um diverse Veränderungen vornehmen zu können, ließ er sie per Transporter in die heimatliche Dehler-Werft nach Freienohl bringen. Dort wurden Verstärkungslaminate an Schotten und tragenden Teilen in der Boden-Sektion vorgenommen.  Weiterhin wurden in der Schlosserei Maststufen angebracht und einige Verstärkungen am Rigg vorgenommen, ein bedeutend schwerer Kiel wurde angebolzt, eine Windfahnen-Selbststeueranlage (deutsches Fabrikat) nachgerüstet, zusätzlich wurde 1 Vorstag angebracht, das sie bei Bedarf auf Vorwindkurs per Talje durchsetzen konnte. Bei seiner zweiten Weltumseglung laminierte Friedel Klee in Neuseeland die jeweils 3 "Bullaugen" auf jeder Seite zu, da diese wohl immer wieder Undichtigkeiten zeigten.

Mit ihrer Vagant (so hießen alle Klee-Boote) segelten die Klees auf ihrer ersten Reise knapp 37.000 Seemeilen auf der Passatroute um die Welt. "Auf dieses Ziel mussten wir jahrelang hinsparen", so Klee weiter in dem Zeitungsinterview mit dem Sauerlandkurier.

Zwei weitere Weltumseglungen folgten bis Mitte der neunziger Jahre. Zahllos die Inseln, vor denen der Anker der Vagant fiel: von den Osterinseln über die Gambiers, Melanesien und Mikronesien und Kap Hoorn bis hin zu Alaska und Kap Agulhas.

Neben den schönen Erlebnissen weiß Friedel Klee auch von Grenzerfahrungen "auf hoher See" zu berichten. So etwa auf dem Rückweg aus Neuseeland über die Aleuten nach Alaska, wo die Vagant im ersten Herbststurm des Jahres kenterte und kieloben treibend ihren Mast verlor. "Wir dachten schon, unser letztes Stündlein hat geschlagen, aber mit viel Mut, Besonnenheit und Glück konnten wir uns in einen Nothafen retten, wo wir bei Fischern und Waldjägern überwinterten!"

Über eine kaum befahrene Route ging es 1992 nach Neuseeland Richtung Norden über Tonga zu den Marshalls, wo weitere Segeltörns bis Bikini folgten, ehe erneute Naturgewalten ihre Spuren hinterließen. Für Friedel und seine Frau Ursel eine beschwerliche Zeit: "Ohne Motor, mit klemmendem Ruder und unter laufenden Pumpen ging es unter "El-Nino-Bedingungen" über weit abgelegen Inseln und durch die kritische Äquatorzone wieder zurück zu den Marhalls, wo wir unser Boot provisorisch reparieren konnten." Nach mehr als 5.000 Meilen über den Nordpazifik gingen beide Ende 1998 in Bellingham/Kanada an Land.

Im Februar des Jahre 1999 ereilte Friedel Klee ein schwerer Schicksalsschlag: Der tragische Tod seiner Frau Ursel, der seinen traurigen Höhepunkt im Kampf gegen die Bürokratie fand. "Um den Schwierigkeiten, die eine Überführung der Urne per Luftfracht verursacht hätte, aus dem Wege zu gehen, musste ich sie zusammen verpackt mit Kleidung und anderen Utensilien meiner Frau per Post nach Kanada schicken - einfach ekelhaft", erinnerte sich Friedel Klee ungern zurück.

Nachdem ihn in Bellingham/Washington noch ein Herzinfarkt ereilte, fand Klee Unterschlupf im Reha-Zentrum eines Indianer-Reservates.

Dort fasste er neuen Lebensmut. Nach der Reparatur seiner VAGANT konnte Friedel Klee im Frühjahr des Jahres 2000 wieder in See stechen. "Es war befreiend, endlich wieder nur das Meer und die wilde, freie Natur um mich zu haben, wenn auch überschattet von Trauer."

2001 kam er mit Hilfe von Arnsberger Freunden (Klaus Peters, Dieter Clemens, Klaus Overwaul) zurück nach Deutschland, wo er sich eine Zeitlang aufhielt. Hier lebte er bescheiden in einem Wohnwagen, in dem er auch schon wieder Pläne für seine weiteren Fahrten auf dem Wasser machte. Zunächst wollte er bislang unentdeckte Routen absegeln.

Wie wir heute wissen, kam er von diesem letzten Törn nicht wieder zurück. Er strandete auf dem Weg von Nordamerika nach Mexiko vor der Küste von Oregon.

Wir werden später noch darüber berichten.

(Dieser Text stammt in Auszügen aus dem "Sauerlandkurier" vom 4.3.2001)

Insgesamt segelten die Klees mit ihrer VAGANT über 200.000 sm. (Auflistung erfolgt nach Sichtung aller Unterlagen!)

Seine beiden Bücher "Überall liegt Land im Wege" und "Die Welt ist noch weit" sind Extrakt seiner vielen Berichte. Beide Bücher sind nur noch antiquarisch zu erhalten. Beste Möglichkeiten bietet hier der online-Händler "Amazon", wo immer preiswerte gebrauchte angeboten werden!

                                                                                                                       Franz-Josef Molitor