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Oefter mal wieder reinschauen

Samstag, 2.10.1999

Am Samstagmorgen gegen 3 Uhr holte Kalla mich an unserer Haustür ab. Von uns aus ging das Einsammeln weiter, zunächst bei Torsten und anschließend bei Richard. Von dort fuhren wir zur "Seerose", wo wir uns mit Theo und Reiner gegen halb vier Uhr verabredet hatten. Pünktlich waren die beiden Mescheder dort eingetroffen und so düsten wir schon nach wenigen Sekunden ab zur Autobahn Richtung Bremen - Hamburg - Flensburg.

Die Fahrt verlief völlig reibungslos. Trotz Ferienanfang war um diese Uhrzeit noch nicht das Meiste los und wir waren schon nach dreieinhalb Stunden hinter Hamburg. Von einer Raststätte aus rief ich unseren Vercharterer an und teilte ihm unsere ungefähre Ankunftszeit mit. Schon hier, Nähe der Küste blies uns der Wind schon verdammt kräftig ins Gesicht und wir ahnten, dass der erste Tag gleich mit einem Hafentag beginnen würde.

Gegen 9 Uhr trafen wir im Hafen von Damp ein, wo wir auch gleich vom Vercharterer zum Boot gebracht wurden. Ruck zuck hatten wir alles an Bord gebracht und machten uns nun auf zur Bootsübergabe. Nach ca. 30 Minuten waren wir mit unserem Schiff allein und richteten uns erst einmal gemütlich ein. Der Wind hatte inzwischen Sturmstärke erreicht und an ein Auslaufen an diesem Tag war überhaupt nicht zu denken. So ließen wir es langsam angehen und nahmen den Kahn erst einmal richtig unter die Lupe- Zugegeben, es war nicht der Neueste, dafür aber verfügte er über reichlich Platz und hatte alles an Bord, was zu einem gut ausgerüsteten Schiff gehört. Es zeigte sich in der ganzen Woche, dass alles ausreichend und in gutem Zustand vorhanden war.

Am späten Nachmittag legten sich noch zwei Boote bei uns längsseits, denen bei dem Sturm die Hafenmanöver wohl nicht so ganz geheuer erschienen. Am späten Abend trafen wir die Truppe, alles Schwule, in einer Kneipe wieder. Inzwischen hatten sie sich schon richtig abgefüllt. Uns schmeckte es auf jeden Fall besonders gut. Zuerst auf dem Schiff die erste warme Mahlzeit und später die kühlen Blonden und die Schnäpschen in der Pinte. Gegen 23 Uhr zogen wir uns zurück, rechneten wir doch auch für den nächsten Tag mit recht kräftigen Winden.

 

Sonntag, 3.10.1999

Am nächsten Morgen nach einer angenehmen Dusche wurde erst einmal anständig gefrühstückt.

Nachdem wir die neben uns liegenden "Schwuchteln" aus den Federn geschmissen hatten, konnten wir 10.20 Uhr ablegen. Der Wind stand gut für einen Kurs zum Kleinen Belt, wollten wir doch die Insel Fünen umrunden. Nachdem wir das Schießgebiet vor Damp unter Motor umfahren hatten legten wir Kurs 360 Grad an und das Groß wurde gesetzt. Vorsichtshalber banden wir schon beim Setzen Reff 1 ein. Dies schien uns sicherer, da wir das großes Schiff ja noch überhaupt nicht kannten und uns erst mit dem Umgang vertraut machen mussten. Nach der Sicherheitsbelehrung vor der Abfahrt trugen noch alle ihre Schwimmwesten, was aufgrund der herrschenden Verhältnisse auch dringend notwendig war. Das Reffen gestaltete sich wegen des großen Aufbaus doch recht schwierig. Das eingereffte Tuch war kaum zu bändigen bzw. festzubändseln. Da uns das flatternde Tuch auf die Nerven ging wurde das groß schon nach kurzer Zeit geborgen und die Genua zu ca. 80% ausgerollt. Mit 7 kn und 2 kn Strom rauschten wir mit Kurs 360 Grad immer nach Norden. Der Seegang war beträchtlich und das Steuern fiel uns außergewöhnlich schwer. Nun machten wir uns die Technik zunutze und setzten erstmalig die Selbststeueranlage ein. Wir waren überrascht über die Präzision dieses Teils. Gegen 15 Uhr erreichten wir die Ansteuerung zum Hafen Mommark. Nach einigen Probemanövern auf hoher See steuerten wir den fast leeren Hafen an und fanden einen hervorragenden Liegeplatz. Nach einer kurzen Kaffeepause wurde ein ebenso kurzer Spaziergang angetreten. Um 18 Uhr hieß es dann aber Kartoffeln schälen und das Abendessen vorzubereiten.

Anschließend erlaubten wir uns einen kleinen Umtrunk bis gegen 23 Uhr.

 

Montag, 4.10.1999

Als ich am nächsten Morgen zum Pinkeln ging staunte ich nicht schlecht, musste ich doch einen riesigen Schritt auf den Steg machen - das Wasser war über Nacht fast einen Meter gefallen und das Schiff stand völlig bewegungslos, aber nicht schief, mit dem vorderen Teil des Kiels offensichtlich im Schiet. Gott sei Dank stieg schon während des Frühstücks das Wasser wieder und wir konnten mit ein paar kräftigen Zügen unter Zuhilfenahme der Winsch wieder frei im Wasser schwimmen, ohne den Motor zu starten. Da wir am Abend vorher ganz schön einen gebechert hatten zog ich am frühen Morgen an der falschen Heißleine und setzte so nicht die deutsche, sondern die belgische Nationale. Unsere Nachbarn machten uns auf diesen Zustand aufmerksam und nach wenigen Sekunden waren wir wieder zu echten Deutschen geworden.

Gegen 11 Uhr machten wir endlich los und rauschten mit voller Genua und gesetztem Besansegel im Kleinen Belt gen Norden. Hin und wieder zogen kräftige Gewitterfronten durch, die uns aber weiter keine Probleme bereiteten. Auch heute waren wir wieder restlos begeistert über die Präzision der Selbststeueranlage, das Ding ist einfach 'ne Wucht.

Als wir uns der Insel Fünen und der Stadt Assens näherten stellten wir Überlegungen an, ob wir nicht noch weiter bis Middelfahrt fahren sollten. Angesichts drohender Gewitterwolken waren uns aber die weiteren Stunden doch ein bisschen viel und so steuerten wir den Hafen von Assens an, was sich im Nachhinein als Volltreffer erwies.

Assens ist ein wunderbares Städtchen, wie uns der Landgang zeigte. In einem herrlichen Pub (eine ehemalige Bank) kehrten wir ein und tranken uns zwei halbe Liter. Anschließend gab es auf dem Schiff Heringsstipp mit Kartoffeln.

Den weiteren Abend gestalteten wir mit Seemannsliedern zur Laute und schönen Witzen, das alles garniert mit Warsteiner und ein paar Schnäpschen. Gegen 22.30 Uhr krochen wir in die Schlafsäcke, lag doch am nächsten Tag mit Kerteminde ein sehr weites Teilstück vor uns. Mit dem Wunsch, auf ebenso gutes Wetter für den nächsten Tag schliefen wir wohl alle ein.

 

Dienstag, 5.10.1999

Am nächsten Morgen standen wir schon in aller Herrgottsfrühe auf, da wir wussten, dass der neue Tag uns eine lange Fahrzeit bescheren würde. Ob wir Bogensee anlaufen oder weiter bis Kerteminde fahren, das wollten wir unterwegs entscheiden. So ging die geruhsame Fahrt erst einmal unter Motor weiter den Kleinen Belt hinauf Richtung Middelfahrt. Strahlender Sonnenschein war uns für diesen ganzen Segeltag beschert, wir konnten es kaum fassen, hörten wir doch im Wetterbericht, dass es zu Hause seit Tagen kräftig regnete. Nach etwa zwei Stunden fuhren wir unter der Eisenbahnbrücke bei Middelfahrt durch und eine halbe Stunde später konnten wir auch die Autobahnbrücke abhaken. Nun erreichten wir wieder die offene Ostsee und mit Kurs 90 Grad konnten wir alle drei Segel setzen. Mit 7-8 Knoten rauschen wir gen Osten, doch leider ließ der Wind immer mehr nach und unsere Marschgeschwindigkeit reduzierte sich von Stunde zu Stunde. Da wir gegen 13 Uhr auf Höhe von Bogensee waren war diese Uhrzeit einfach zu früh, um jetzt schon einen Hafen anzulaufen. Das Wetter war prächtig, von daher drohte uns keine Gefahr, zur Not hätten wir dann gegen Abend auch den Nothafen Korshaven anlaufen können. Die Ankunftszeit für Kerteminde hatte ich für ca. 21 errechnet; es würde uns auf jeden Fall dunkel werden und die meisten von uns standen somit vor ihrer ersten Nachtfahrt. Auf Höhe von Korshaven war es dann schon so dunkel, dass wir den dunklen Nothafen erst gar nicht mehr in Erwägung zogen, denn das nahe Ziel, der Hafen von Kerteminde in einer Entfernung von etwa 2 Stunden munterte uns noch einmal auf, diesen Hafen, jetzt mit dem Volvo-Penta-Segel mit 7 Knoten anzulaufen. Ab Lillegrund ging es dann mit Kurs 180 Grad den Großen Belt hinunter auf die Ansteuerung von Kerteminde zu. Vorsichtshalber hatten wir schon frühzeitig die Positionslampen überprüft und prompt festgestellt, dass in zwei Lampen die Birnen defekt waren. Eine Ersatzbirne befand sich im Werkzeugkasten, die zweite bauten wir aus der Ankerlaterne aus.

Gegen 20 Uhr erreichten wir die Stadt und fuhren auf ein riesiges Lichtermeer zu. Es funkelte nur so von roten und grünen Lichtern, die sich später alle als Verkehrsampel rausstellten. Die Ansteuerung des Hafens bereitet uns große Probleme, da der Hafen hinter der Mole zwei Einfahrten hatte; eine nördliche und eine südliche. Bei der südlichen fehlte das rote Positionslicht, so dass wir in der stockdunklen Nacht völlig irritiert waren. Kurz entschlossen drehten wir in den nebenliegenden Industriehafen ab, der jede Menge Liegeplätze aufwies, somit blieben uns auch spektakuläre Hafenmanöver mit unserem doch trägen Langkieler erspart.

Nachdem wir einen Anleger verkonsumiert hatten und uns mit Deodorant einigermaßen erfrischt und angenehm duftend landfein gemacht hatten, stiefelten wir frohen Mutes in die Stadt und saßen geistig schon hinter einem großen Steak im nächsten Restaurant. Doch denkste, auch hier, wie fast überall in Dänemark, hatte man schon um 17 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt. Die Stadt war um 21 Uhr menschenleer und sämtliche Gaststätten waren bereits geschlossen. Einigermaßen sauer stiefelten wir wieder zum Hafen zurück und trösteten uns mit dem, was noch so alles in der Kombüse schlummerte. Richard und Reiner zauberten aus dem Stegreif ein tolles Essen auf den Tisch und der Abend war gerettet. Obwohl alle recht müde von der langen Seereise ging es heute Abend doch recht lange zu. Wir plünderten unsere Hausbar, vor allem der "Alte Kapitän" von Lidl hatte es uns angetan. Gegen 1 Uhr ging es dann in die Federn.

 

Mittwoch, 6.10.1999

Am nächsten Morgen legten wir bereits um 10.15 Uhr in Kerteminde ab. Sofort nach der Ausfahrt aus dem Hafen setzten wir alle drei Segel. Doch schon nach kurzer Zeit frischte es auf und wir refften das Großsegel. Mit gut 7 kn rauschten wir 16 sm auf die Große-Belt-Brücke zu, unter der wir dann um 12.55 Uhr durchsegelten. Nun ging es weiter mit Kurs 180 Grad genau nach Süden entlang der Insel Langeland. Wir hatten uns die Häfen Lohals und Lundeborg als evtl. Anlaufhäfen ausgesucht und nach Studium das Hafenhandbuches für Lohals entschieden. Die Wegepunkte waren eingegeben und unter Selbststeuerung fuhren wir eine Stunde später ohne Stromversatz nur wenige Meter an der eingegeben Untiefentonne vorbei. Dies lies uns arglos werden und wir segelten weiterhin unter Selbststeueranlage unseren Kurs zum nächsten Wegepunkt. Inzwischen waren wir allerdings aus dem breiteren Teil des Großen Belts mit rund 30 m Wassertiefe in den schmaleren Teil gekommen, wo uns ein starker Strom stark nach West versetzt haben muss. Gott sei Dank stellte Kalla dies noch im letzten Augenblick fest und mit hart Ruder Backbord steuerten wir aus der Untiefe heraus. Etwa eine Stunde später steuerten wir den Hafen Lohals an, wo uns ein großes Malheur erwartete. Unserem großen Schiff entsprechend, dass mit seinem langen Kiel in kleinen Häfen nur beschränkt manöverierfähig war, hatten wir uns für den Fischereihafen entschieden. Von der ersten Dalbe aus mussten wir einen kleinen Kanal von ca. 50 m Länge und 5-6 m Breite durchfahren, von wo wir dann in den Fischereihafen gelangten. In dem kleinen Kanal schwammen uns schon die ersten Heuhaufen entgegen und in dem kleinen Hafen angekommen saßen wir mit unseren 19 t plötzlich so fest, wie auf einer ungemähten Wiese. Nichts ging mehr, das Schiff war völlig manövrierunfähig in dem mit Seegras über und über bedeckten Hafenbecken. Außerdem drückte uns ein starker Wind von Backbord gegen die Dalben, an denen wir festgemacht hatten. Nun war guter Rat teuer, da auch niemand in der Nähe war, der uns hätte mit Leinen behilflich sein können. Wir beobachteten eine gewisse Zeit das Treiben rund um den Hafen und stellten fest, das die einheimischen Fischer bestens auf diese Situation vorbereitet waren. Sobald diese den oben erwähnten Kanal erreichten stellte sie die Maschine aus, warfen Leinen an Land und ließen sich in das Hafenbecken traideln. Sollten wir jemals wieder nach Lohals kommen, werden wir in gleicher Weise verfahren.

Nachdem sich dann ein riesiger Dreimaster in unserer Nähe in das Becken gelegt hatte, konnten wir von diesem Leinen ausbringen und uns an diesen längsseits verholen, so dass wir wieder frei manöverieren konnten. Für diesen Tag reichten uns die Unannehmlichkeiten und wir gingen zu einem langandauernden gemütlichen Teil über, der sich bis weit nach Mitternacht ausdehnte.

 

Donnerstag, 7.10.1999

Um 10.10 hieß es dann am nächsten Morgen "Leinen los". Mit Kurs 270 Grad fuhren wir gen Westen wieder zur Insel Fünen und steuerten von hier aus den berühmten Svendborg-Sund an. Um 11.40 Uhr erreichten wir die Einfahrt und befuhren nun einen der landschaftlich schönsten Abschnitte unseres gesamten Törns. Der Sund präsentierte sich von seiner schönsten Seite und auch der Betrieb hielt sich in dieser Zeit doch schon in Grenzen, so dass wir ziemlich ungestört die Seefahrt genießen konnten. Nun sahen wir erst einmal die engen Passagen, die wir 2 Jahre zuvor bei unserer Teilnahme an der Regatta "Rund Fünen" mitten in stockfinsterer Nacht unter Segeln durchfahren hatten. Dabei lief es mir im Nachhinein noch eiskalt über den Rücken, dass wir dies damals, ohne große Nachtfahrerfahrung, so problemlos geschafft haben. Als wir unter der Svendborg-Sund-Brücke durch waren, verspürten wir einen ganz enormen Strom. An einer der engsten Stellen lief ein großer Schlepper auf uns zu, dem wir genau an den beiden Gefahrentonnen begegnet wären. Vorsichtshalber machten wir eine Wende und gaben ihm so freie Fahrt. Er hatte uns wohl schon von Weitem beobachten und als wir ihm nach einer erneuten Wende begegneten, kam er aus seinem Steuermannshaus und grüßte uns als Dankeschön.

Zum Ende des Svendborg-Sund haben wir uns kurz beraten, welchen Hafen wir gegen Abend anlaufen wollten und entschieden uns für Soby auf der Insel Aero, was sich später als ein Volltreffer herausstellte. Es war eine herrliche Fahrt hier zwischen den kleinen Inseln, fast wie in den schwedischen Schären. Kurz vor dem Hafen holte uns mal wieder ein Gewitter ein und alle flitzten schnell ins Ölzeug. Doch nach wenigen Minuten war schon wieder alles vorbei und ein riesiges Hafenbecken stand uns zur freien Verfügung.

Für den Abend hatten wir an ein ausgiebiges Essen in einem dänischen Gasthaus geplant, doch leider waren auch hier schon wieder alle Bürgersteige hochgeklappt und sämtliche Restaurantbetriebe geschlossen. Unglücklicher Weise hatten wir auch schon das restliche Warsteiner getrunken, so mussten wir dann auf das wesentlich teuere dänische Gebräu ausweichen. Mehrfach zogen Reiner und ich los, um Nachschub zu bunkern. Relativ früh gingen wir in die Kojen. Der morgige Tag war unsere letzter Reisetag und eine enorme Wegstrecke lag vor uns. Wie an allen Abenden schliefen wir friedlich ein und ahnten nicht, was uns am nächsten Tag für ein Malheur erwarteten würde.

 

Freitag, 8.10.1999

Am nächsten Morgen, es herrschte bereits ein frischer Wind, wechselten wir erst einmal die Genua aus, da sich der Reparaturflicken gelöst und an der Saling vertörnt hatte. Todesmutig ließ Reiner sich in die Höhe hieven, um diesen hässlichen Lappen dort oben zu entfernen. Nach dem Segelwechsel steuerten wir dann erst einmal mit 360 Grad zur Nordspitze von Aero, die wir ja umfahren mussten, um dann mit Kurs 180 Grad Richtung Damp segeln zu können.

Nun waren wir wieder im kleinen Belt und kreuzten bei doch recht starkem Wind gen Süden. Da wir kräftig Lage schoben verkleinerten wir unsere Segel, was das Segeln zwar angenehmer machte, uns aber keinen Meter nach Süden brachte; dass bisschen, das wir an Höhe herausfuhren verloren wir wieder durch den starken Strom gen Nord. Nachdem wir uns das so 2 Stunden angesehen hatten, entschieden wir uns dafür, die Maschine zu starten um noch vor dem Abend unseren Zielhafen Damp zu erreichen. Der Volvo-Penta wurde gestartet, die Segel eingepackt und - - putt - putt - putt blieb der Motor stehen und rührte sich nicht mehr von der Stelle. Obwohl Theo die Tankanzeige ständig überprüft hatte schoss mir als erstes der Gedanke: Kein Sprit mehr - durch den Kopf - was mir sehr sehr peinlich gewesen wäre. Doch eine erneute Überprüfung ergab, dass noch jede Menge Diesel an Bord war. Nun war guter Rat teuer. Zunächst versuchten wir mehrere Male, die Maschine zu starten. Doch nach ca. 30 Sekunden setzte sie immer und immer wieder aus. Also erst einmal wieder Segel setzen und die Sache in Ruhe überdenken. Welche Möglichkeiten hatten wir, natürlich konnten wir unter Vollzeug bis Damp segeln, dies hätte allerdings bis gegen Mitternacht gedauert. Zunächst einmal habe ich über Handy Kontakt mit unserem Vercharterer aufgenommen. Der gab uns einige Tipps wie wir vorgehen sollten. Theo, unser Maschinist stieg hinab in die Tiefen und ich gab ihm die Anweisungen unseres Vercharterers weiter. Theo reinigte die Filter und begann dann, den Motor zu entlüften, ohne diese Entlüftung geht beim Diesel nun mal gar nichts. Er pumpte und pumpte bis zur Vergasung so lange, bis es ihm kotzübel wurde und er die Tümmler im Kleinen Belt fütterte. Da die Maschine einfach nicht zum Laufen zu bewegen war, vereinbarte ich mit Herrn Kaiser, dass wir nun nach Damp segeln würden und er uns vor der Hafeneinfahrt mit einem anderen Motorboot in den Hafen schleppen sollte. Wir wollten ständig in Kontakt bleiben und so gegen Mitternacht mit dem Abschleppmanöver rechnen.

Die Segelei war sehr frustrierend, wir machten einfach keinen Raum gut und segelten nach einer Stunde an der gleichen Tonne vorbei. Die Strömung war einfach stärker als unsere Kreuz; dazu war dieses Schiff einfach nicht geeignet.

Enttäuscht über unseren minimalen Raumgewinn kroch ich zur Maschine hinunter und pumpte wohl an die tausend Mal, um sie zu entlüften. Die ersten Startversuche verliefen ergebnislos. Sie lief dann schon mal eine halbe Minute, ging aber immer wieder aus. Trotzdem startete ich alle 15 Minuten versuchsweise, immer noch unter Segeln und siehe da, tock - tock - tock unser Dieselchen lief wieder wie in alten Zeiten. Nachdem es nun doch schon recht spät geworden war gaben wir ihm Saures und in höchster Rauschefahrt ging es nun nach Damp zurück. Unseren Vercharterer gab ich vorher noch Nachricht, er war sicher ebenso froh über den glücklichen Ausgang wie wir.

Gegen 20 Uhr liefen wir in unserem Ausgangshafen ein und waren froh und glücklich, dass doch letztendlich alles so gut ausgegangen war. Nach einer ausgiebigen Dusche und einem vorzüglichen Abendessen gingen wir noch in die Disco. Die einen früher, die anderen später, so gingen wir in der Nacht an Bord und legten uns zum letzten Mal in die inzwischen vertraute Koje.

 

Samstag, 9.10.1999

Am nächsten Morgen begann das Packen und Reinemachen; auch die Übergabe des Schiffes verursachte keine Probleme; als Entschädigung für die Misere mit dem Motor durften wir die letzte Nacht kostenlos auf dem Schiff verbringen, so hatte uns das Malheur wenigstens noch 120 Mark eingebracht.

Nachdem wir noch ein bisschen Reiseproviant gebunkert hatten, brachte Kalla uns mit dem Ford wieder sicher in die Heimat zurück.

Ein Fazit dieses Törns muss jeder für sich ziehen. Meines sieht so aus, dass ich noch nie auf einem Törn so viel gelacht habe wie auf diesem. Die Zusammensetzung der Crew war wieder optimal. Es gab keinen Ärger, Zank und Streit, was eigentlich das Wichtigste bei einer solchen Fahrt ist. Vor allem Reiner, der uns auf See am Wenigsten vertraut war, machte uns überraschend viel Freude und trug viel zur Heiterkeit und zum körperlichen Wohlbefinden bei. Theo, mit dem ich mir die Achterkajütte teilte, ist ein mehr als angenehmer Zeitgenosse, mit ihm könnte ich mir auch über Monate ein so enges Plätzchen teilen. Wenn Richard gut drauf ist, ist er überhaupt nicht zu schlagen - und er war gut drauf! Wer mit Torsten und Kalla Streit kriegt, der hat ihn auch bestimmt gesucht, sonst ist das nämlich nicht möglich. Immer besonnen und erfahren kann man sich auf sie hundertprozentig verlassen; mit einer solchen Crew zu segeln, das macht einfach Spaß.

Das Schiff war alt, aber in Ordnung. Das Platzangebot war gut ausreichend, die Segeleigenschaften ließen allerdings doch sehr zu wünschen übrig. Es wirkte aber unglaublich stäbig und sicher, ein stärker Sturm wäre mit unserer "follow me" sicher problemlos zu überstehen.

Doch muss es immer Ostsee sein?

Einmal so richtig "Blauwasser-Segeln" - das müßte herrlich sein!

 

Molli


Theon


Kalla

n
Richard


Torsten

Reiner