Mit "MS ANITA" nach Warnemünde Leider keine Fotos!

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Öfter mal wieder reinschauen

Samstag, 3. Oktober 1998

Am Samstagmorgen starteten wir gegen 3.00 Uhr in Oeventrop mit Kallas Bulli. Nachdem wir unsere Sachen eingeladen hatten fuhren wir bei Thorsten vorbei und weiter ging es dann nach Meschede, um Segelkamerad Theo Simoneit dort abzuholen.

Nach 6stündiger, störungsfreier Fahrt und einem kurzen Tankstop sowie einer Pinkelpause erreichten wir die Insel Poel, wo wir unser Schiff, die "Anita" übernahmen. Über Handy riefen wir unseren Übergeber an und ruckzuck war er auch schon da.

Die Übergabe ging schnellstens über die Bühne, doch leider hatten wir mit dem Starten der Maschine große Probleme. Beim Durchmessen der 3 Batterien stellte Theo fest, dass die Starterbatterie restlos leer war. Nicht einmal mehr die Prüflampe am Testgerät brannte. Wir riefen bei unserem Vercharterer, Herrn Behling an, und teilten ihm die Bescherung mit. Er erklärte uns, dass er einen Tag zuvor völlig neue Batterien eingebaut hätte. Leider war der Schutzschalter unseres Landanschlusses rausgeflogen, so dass das Ladegerät überhaupt nicht geladen hatte. Unser Übergeber vor Ort holte dann ein Schnell-Ladegerät, mit dem wir für den nötigen Saft sorgten. Nachdem wir alles eingeladen und überprüft hatten, hatte die Batterie schon genug Kraft und gegen 13 Uhr fuhren wir unseren ersten Ableger. Völlig losgelöst und voller Erwartung düsten wir durch den Tonnenstrich in die Wismarer Bucht. Die Freude war nicht von langer Dauer, denn schon nach ca. 10 Minuten saßen wir mit unserem Kiel auf Schiet und standen auf der Stelle. Alle Mann nach backbord hieß das Manöver und mit voller Kraft voraus kamen wir nach kurzer Zeit wieder frei.

Nun wartete bereits das zweite Problem auf uns. Die Genua ließ sich nur unter Aufbietung aller Kräfte aus- und einrollen. Wir hatten große Bedenken, dass uns irgendwann die Reffleine reißen würde. Mit Ölkanne und Schraubenziehern gingen wir zu Werke und rollten so am Nachmittag die Genua wieder ein.

Eigentlich wollten wir Burgtiefe noch an diesem Tag erreichen, doch auf Höhe von Kellenhusen schien uns dies kaum noch im Hellen erreichbar zu sein. Da wir aber schon seit ca. 02.30 Uhr in der Nacht auf den Beinen waren, hielten wir das Anlaufen eines Hafens bei Tag doch ratsam. So fielen wir ab und sausten nach Grömitz.

Bei stürmischen Winden klappte das Hafenmanöver ausgezeichnet und mit Einbruch der Dunkelheit machten wir fest.

Rechtschaffen müde gingen wir dann auch schon gegen 22 Uhr in die Falle, nachdem Kalla uns leckeren Braten und Kartoffelsalat serviert hatte. Mit einigen Dosen Warsteinern hatten wir unseren Flüssigkeitshaushalt wieder aufgepeppelt und schliefen gut und fest bis zum nächsten Morgen.

Sonntag, 4. Oktober 1998

Dieser Sonntag war recht übel. Wir erwachten alle mit Kopfschmerzen. Dies kam aber nicht vom Alkohol, sondern von der Ebersbächer Standheizung, die uns fast vergiftet hätte. Wir hatten die Heizung auf 15 Grad mitlaufen lassen, da es lausig kalt war. Es war uns zwar am Abend sofort der bestialische Gestank aufgefallen, doch dieser hatte sich nach kurzer Zeit verflüchtigt und ahnungslos waren wir eingeschlafen. Es hätte das Schlimmste passieren können, da irgendwo im System ein Leck war und uns Auspuffgase in die Kajütte blies!

Nach einer heißen Dusche und einem schönen Frühstück ging es gegen 11.30 Uhr weiter Richtung Heiligenhafen. Unser Fernziel Kopenhagen oder gar Rügen hatten wir längst aufgegeben, da der Seewetterbericht schon seit Tagen starken Ostwind meldete. So wollten wir nun versuchen, möglichst nach Norden Raum zu gewinnen um mit möglichst günstigen Winden immer wieder gut nach Süden zu kommen. Um 17.30 Uhr legten wir am Gastliegersteg 12 in Heiligenhafen an. Nachdem die Genua nun fast überhaupt nicht mehr einzurollen war riefen wir Herrn Behling an und beschwerten uns über den technischen Zustand des Schiffes. Ihm sei von den zahlreichen Deffekten keines bekannt. Wir wiesen ihn darauf hin, dass wir uns hinsichtlich von Reparaturen an der Rollfockanlage nachts annehmen würden.

Heute wollten wir nicht kochen, da Thorsten sich hier auskannte und uns ein nettes Speiselokal empfahl. Er führte uns zum "Lütten Hius". Es hat uns dort sehr gut gefallen und vor allem noch besser geschmeckt.

Als wir dann am Abend die Heizung wieder anstellten, stand in kürzester Zeit dicker Qualm im gesamten Schiff. Wir haben sofort wieder abgestellt und uns in der Stadt am anderen Morgen ein elektrisches Heizöfchen gekauft.

Montag, 5. Oktober 1998

Da unsere Gasflasche auch schon leer war dauerte der Einkaufsbummel etwas länger und wir kamen erst gegen 12.45 aus der Box. Nun ging die Fahrt übers weite Meer mit Reff 1 und Reff 2. Es hatte ganz schön aufgefrischt und bei 6-7 Windstärken waren wir vom Segelverhalten des Motorseglers LM 33 richtig begeistert. Um 18.30 Uhr erreichten wir den Industriehafen von Rodby.

Da hier nichts Besonderes geboten wird blieben wir auf dem Schiff und haben es uns hier richtig gemütlich gemacht. Nach einem schönen Klön- und Schnackabend konnten wir alle sehr gut schlafen.

Dienstag, 6. Oktober 1998

Am nächsten Morgen waren wir zeitig auf den Beinen. Nachdem wir unseren Tank wieder mit Diesel gefüllt hatten hieß unser Kurs ca. 130 Grad nach Warnemünde. Es war der schönste Tag des Törns; strahlend blauer Himmel und ein frischer Wind machten das Segeln zur reinsten Freude. Diese lange Strecke forderte aber auch Mannschaft und Schiff ganz besonders. Wir fuhren stundenlang hoch am Wind und das bei Wellen, die 2,50 bis 3 m hoch waren. Gott sei Dank wurde niemand seekrank. Als sich herausstellte, dass wir Warnemünde unter Segeln erst spät in der Nacht erreichen würden, stellten wir unseren Motorsegler auf die Probe und motorten ca. 3 Stunden gen Warnemünde. Es kam Wasser ohne Ende rüber und natürlich war es auch im Schiff klatschnass. Das Dach bedarf einer dringenden Überprüfung auf Dichtigkeit. Das Wasser kam aus allen Fugen und Ritzen. Aber gelaufen ist die ANITA, das war eine reine Freude.

Um 19 Uhr machten wir in Warnemünde, im "Alten Strom" fest.

Hier fanden wir auch die schönsten Sanitäranlagen auf diesem Törn. Wir waren uns einig: hier hatten auch wir mal einen kleinen Vorteil von unserem Solidaritätsbeitrag zurückbekommen.

Das Anlegen an der Mole war allerdings nicht ganz einfach, da wir ca. Windstärke 6-7 von Steuerbord hatten und das Schiff immer wieder von selbst Fahrt aufnahm. Dabei bekam die Buglampe einen kleinen Schlag ab und die Birne ging kaputt. Diesen Schaden haben wir aber am nächsten Tag sofort wieder behoben.

Nach einem schönen Abendessen an Bord machten wir einen kleinen Stadtbummel und landeten in einer sehr gemütlichen Kneipe.

Mittwoch, 7.  Oktober 1998

Da der Wetterbericht für den heutigen Tag Windstärke 8 mit orkanartigen Böen voraussagte, hatten wir uns schon für einen ruhigen Hafentag entschlossen. Und man kann nur sagen, dass sich dieser Hafentag gelohnt hat. Wir waren doch sehr überrascht vom Flair dieser kleinen Stadt. Schnuckelig und putzig muten die kleine Häuser an, die alle wieder im ursprünglichen Stil renoviert worden sind. Von Bausünden keine Spur, alles aller liebst restauriert.

Nachmittags machten wir einen Bummel am herrlichen Sandstrand entlang, durch die Stadt und wieder zum Schiff. Heute wollten wir mal wieder Ausgehen und Thorsten hatte wieder einmal die richtige Nase. Er führte uns in die "Alte Mühle" und landete wieder einen Volltreffer. Nach dem Essen war Kneipenbummel angesagt und einer Warsteiner-Reklame folgend landeten wir in einer Schwulenkneipe; was uns aber nicht sonderlich störte. Im Gegenteil, wir fühlten uns sauwohl und wurden zuvorkommmend bedient. Nachdem Kalla uns den Nachtrunk an Bord servierte (Kakao mit Rum) schlummerten wir sanft bis in den frühen Morgen.

Donnerstag, 8. Oktober 1998

Schnell wurde an diesem Morgen noch das Großsegel repariert, an dem sich ein Gurtband durchgescheuert hatte und wir nahmen Kurs Insel Poel. Zum wiederholten Male viel der AP-Navigator aus. Doch nach kurzer Zeit war er immer wieder gnädig zu uns und wies uns den richtigen Weg. Auch das Echolot spielte von Zeit zu Zeit nicht mehr mit.

Am Morgen hatten wir erst noch recht schönen Ostwind, der uns zurück nach Poel schob, doch nach und nach schlief er ein und wir mussten wohl oder übel den Motor anschmeißen.

Bei Einbruch der Dämmerung erreichten wir dann den Hafen Timmendorf auf der Insel Poel. Luftlinie lagen wir jetzt nur 4 Kilometer von unserem Zielhafen entfernt. Die Seestrecke betrug aber noch gut 12 Meilen.

Über den Landgang ist schnell berichtet. Voll froher Erwartung und im Vertrauen auf den Wahrheitsgehalt von Hafenhandbüchern wollten wir die uns empfohlenen Kneipen der Hafengegend an diesem, unserem letzten gemeinsamen Abend unsicher machen. Doch o weh, hier waren bereits um 19.30 Uhr sämtliche 2 Bürgersteige hochgeklappt und es herrschte eine Dunkelheit wie im tiefsten Keller. An dieser Stelle muss auch wohl der Begriff von "Dunkeldeutschland" geprägt worden sein. Ich war noch an keiner toteren Ecke!

Aus lauter Langeweile starteten wir nun einen großen Fernglas-Test. Als Ziel dienten die zahlreichen beleuchteten Tonnen auf der Ostsee und die Möwen an der beleuchteten Hafenmole. Lange Zeit schien das Steiner-Glas den Test zu gewinnen doch mehr und mehr neigte das ausgewählte Auditorium zu einem Unentschieden; konnte doch Theos Yamaha-Glas nach und nach Punkte auf seinem Zettel sammeln.

 

Nun gings an Resteverzehren; auch hier wieder alles unentschieden. Alle tranken die gleiche Menge und so war auch die Stimmung in der Crew bestens. Am nächsten Morgen ging’s unter Motor dann 2 Stunden Richtung Kirchdorf, wo wir unsere ANITA wieder in ihre heimatliche Box legten. Die Übergabe verlief reibungslos. Schon nach kurzer Zeit hatten wir gepackt und saßen am ersten Ferienwochende schon nach kürzester Zeit im Stau.

 

Freitag, 9. Oktober 2003

Nach mehr als 1O-stündiger Fahrdauer für 500 Kilometer kamen wir am Freitagabend gegen 22 Uhr wieder in Meschede und Oeventrop an.

Abschließend bleibt festzustellen, dass dies aus meiner Sicht bisher einer der schönsten Törns war, die ich gemacht habe. Es war eine Super-Mannschaft, die voll harmonierte und sehr gut zusammenpasste. Außerdem war das Wetter ausgezeichnet. Nur eine Handvoll Regentropfen, und das noch in der Koje liegend, dazu reichlich Wind und hohe Wellen zeigten wieder einmal, was für ein herrliches Vergnügen doch die Segelei sein kann, auch wenn es manchmal ungemütlich zugeht.

Die Wahl eines Motorseglers war die beste, die wir im Vorfeld hatten treffen können. Wir waren alle von dem Schiff begeistert. Für uns steht fest: im Frühjahr und Herbst immer wieder nur mit Motorsegler! Man ist herrlich geschützt vor dem Sauwetter, bei Kälte sitzt man im Warmen und steuert von innen. Dazu ein prächtiger Salon, in dem man auch herrlich schlafen konnte! Da haben wir schon auf viel größeren Yachten erheblich schlechter gelebt und gewohnt!

Molli


Theon


Kalla

n

Torsten