Die Kenterung 1987

 

19-06-06

 

 

Die VAGANT mit dem 2 x geknickten Mast

 

 

Nachstehend ein Pressebericht vom 10. Oktober 1987 aus der Zeitung:
"Queen-Charlotte-Island-Oberserver", Kanada:

Bericht von der Durchkenterung im Jahre Okt. 1987 im Masset-Sound
aus der Zeitung "Queen-Charlotte-Island-Observer" Kanada
(übersetzt von Annette Büngener-Peters)

Mit freundlicher Genehmigung von Google Earth

Schlagzeile: Segler sicher in Masset

Nach Durchkenterung, vor den Charlottes

Masset, 10. Okt. 1987:

Zwei Weltumsegler aus Bremen (Westdeutschland) verbringen den Winter hier, nachdem ihr 31-Fuss-Segelboot letzten Sonntag beschädigt wurde, als es von zwei riesigen Wellen ergriffen, kopfüber geworfen und entmastet wurde, direkt außerhalb der "Dixon-Entrance".

Friedel Klee (65) und seine Frau Ursel (51 ) segelten von Sitka/Alaska nach Seattle, als die zwei Wellen ihre Pläne ganz schnell änderten. Sie blieben unverletzt, aber sie brauchten drei Tage unter einem Notrigg nach Masset "hineinzuhumpeln".

Mr. Klee erzählt die Geschichte auf seine Art: "Dann passierte das Ding. Wir wurden von einer Welle geschlagen und hatten eine Art "k.o.", nicht zu schlimm. Dann kam eine andere Welle, nicht in der üblichen Folge, die warf uns um. Ich saß auf der Steuerbordkoje und las und Ursel machte Haferflockensuppe. Das Boot drehte sich um nach Steuerbord. Alles wurde dunkel. Ursel fiel irgendwo hin, sie weiß nicht mehr wie und wo. Wir sahen und hörten nicht mehr viel. Es ging rund fast wie ein Karussell. Keine Panik, erstaunt, vielleicht Schock. Dann irgendwie gespenstisch. Wir guckten direkt nach unten, durch das Plexiglas-Kajütdach, das normalerweise an der Decke ist, direkt in den Ozean. Es gab ein gurgelndes Geräusch, Wasser kam rein durch einige Löcher. So saßen wir über Kopf da und fragten uns, was wohl als nächstes passieren würde".

Frau Klee sagt: "Ich traute unserem Boot. Ich hab nicht für einen einzigen Augenblick gedacht, dass es nicht wieder hochkommen würde."

In ein paar Minuten also, von denen die Klees sagten, dass sie ihnen wie Stunden vorkamen, richtete sich das Boot von selbst wieder auf, machte dabei ein unglaubliches Durcheinander.

"Stell dir irgendein Appartement vor, dreh es auf den Kopf, gieß Wasser dazu und schüttele es gut" sagt Mr. Klee. Als das Boot wieder hoch kam, war der Mast zerstört und lag um den Bug gewickelt. Mr. Klee glaubte, er könnte ihn retten, deswegen laschte er ihn fest um den Bug, damit er nicht mehr gegen die Außenhaut schlug.

Die beiden, die gestandene Segler sind und in den 70ern eine komplette Weltumsegelung abgeschlossen haben, riggten ein provisorisches Segel, wobei sie zwei Spinnaker-Bäume und eine Fock benutzten, die sie wieder beweglich machte. Sie planten, nach Ketsehikaan zu segeln, aber die Winde zwangen sie in die Richtung Prinz Rupert. Dann, am Mittwoch, in der

Dixon-Entrance, gerade vor der Nord-Insel, bemerkten sie ein Patrouillen-Flugzeug der Kanadischen Streitkräfte auf Routineflug.

"Wir hatten ein kleines Handfunkgerät", sagte Mr. Klee. "Der Pilot flog niedrig über uns. Ich frage ihn nach unserer Position und er gab sie uns und wies uns an, nach Masset zu segeln. Ich mußte ihm sagen, dass ich keine Karte von Masset habe.

Sie begleiteten uns eine kleine Weile, machten eine Funkverbindung zwischen Prinz Rupert und einigen Fischern."

Nass und müde wurden die Klees nach Masset geleitet von der "Dungeness", die Monte Stewart-Burton, gehörte, der sie auch in seinem Haus aufnahm.

"Während der letzten Periode musste ich in einem Überlebensanzug steuern, der innen drin nass war", sagt Mr. Klee.

"Dann saßen wir am Feuer und weinten. Wir haben Glück gehabt."

Seine Frau sagte: "Wir haben wirklich Glück gehabt, keiner muss ins Krankenhaus ......."

Die einzigen Sachen, die sie verloren haben, waren ein Eimer, eine Rettungsinsel und ein Blitzlicht, obwohl ihr Boot innen drin ein Bild der Verwüstung abgibt und einen neuen Mast braucht. Sie planen, den Winter in Masset zu verbringen und dabei ihr Schiff wieder klarzumachen, bevor sie die Reise fortsetzen.

"Wir sind so beeindruckt von diesem kleinen Dorf hier, wir mögen es hier sehr. Wir haben uns gut umgeschaut; wir können hier alles bekommen - Lebensmittel -. Wir haben schon ein Bankkonto eröffnet", sagten sie.

"Wir haben ein Bad, eine Küche, einen riesigen Kühlschrank, es kann nicht besser sein", sagen sie von Mr. Stewart-Burtons Haus, wo sie zur Zeit sind.

Über ihre Erfahrungen in dem Boot sagen sie "Wir lernten eine Menge, glaubt nicht wir wären Helden. Wir waren wirklich fertig. Manchmal passieren solche Sachen, dann bist du dran."

Die Klees wollen auch den vielen Leuten, die ihnen geholfen haben, danke sagen.