Zum ersten Mal in Zeeland Törnfotos:
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Oefter mal wieder reinschauen

Freitag, 5.6.2004

Um 14.00 Uhr starteten wir mit unserem Gespann in Oeventrop Richtung Autobahn. Zehn Minuten später erreichten wir den Autobahnparkplatz in Arnsberg, auf dem wir uns mit Klaus Peter und Werner zum Treffen verabredet hatten.


Co-Pilot Werner mit Myrna III und Klaus-Peter seinem Jaguar

Unser gemeinsames Ziel hieß: DELTA-Marina in Kortgene am Versemeer in holländischen Traumrevier Zeeland, wo wir unser Basislager aufschlugen und die Boote ins Wasser kranen wollten.

In gut 5 Stunden hatten wir die 365 Kilometer durch das Ruhrgebiet, über Eindhoven und Antwerpen abgespult und stellten unsere Gespanne auf dem Außenparkplatz der DELTA-Marina ab. Nach einer kurzen Inspektion der Marina, die uns auf Anhieb sehr gut gefiel, machten wir einen kleinen Bummel ins nahe gelegene Städtchen Kortgene, wobei uns ein kleines Lokal mit Pub-Charakter ins Auge stach und dem wir einen Besuch nicht verweigern wollten. Das Essen, ein Riesenfleischspieß und das original Guinness schmeckten ausgezeichnet. Wir behielten den ganzen Abend unsere gute Stimmung bei, auch noch, nachdem wir die Rechnung erhalten hatten und feststellten, dass ein Guinnes-Bier (0,4 l) glatte 4,75 Euro kostete und wir auch noch 3 oder 4 getrunken hatten.

Gut eingelebt kletterten wir über die mitgebrachten Alu-Leitern in unsere Kojen auf dem Parkplatz.

 

Samstag, 6.6.2004

Der Samstagmorgen präsentierte sich nach dem grauen Vortag in prächtiger Verfassung. Das erste Blau war deutlich erkennbar und pünktlich meldete sich auch die Kran-Crew der Marina, um unsere kleinen Kreuzer zu Wasser zu lassen. Zuvor hatten wir schon nach dem Frühstück auf dem Parkplatz die Masten gestellt und so ging die Wasserung ruckzuck über die Bühne. Schnell noch das Rigg getrimmt, die Vorräte und persönlichen Klamotten verstaut, ein letzter Gang zum erstklassigen Waschhaus und ein letzter trauriger Blick zum ablaufenden Guinness, dass über Nacht in unseren Blasen deutlich heller geworden war und schon hieß es für uns um Punkt 12.00 Uhr: Leinen los!

Da der mäßige Wind aus südöstlicher Richtung über die Schelde strich, hatten wir uns als Reiseziel für den ersten Tag die Stadt Middelburg ausgesucht. Die Fahrt führte uns über das Verseemer und gegen 16.00 Uhr erreichten wir den Ort Veere. Hier wäre für Werner der Törn schon fast zu Ende gewesen. Unterwegs hatten wir abgesprochen, dass wir dort anlegen wollten, um den schnuckeligen Ort zu besuchen. Beim Bergen der Segel, es hatte inzwischen mächtig aufgefrischt, dass auf der MYRNA von Klaus-Peter besorgt wurde, richtete der Werner an der Pinne sich plötzlich völlig unnötig im Cockpit auf und verursachte dadurch gleichzeitig eine Patenthalse, die ihn voll am Kopf erwischte. Eine riesige Platzwunde am Hinterkopf und ein brummender Schädel war das Ergebnis dieses Leichtsinns und wegen des starken Blutverlustes suchten wir einen Arzt auf, der ihn dann fachgerecht verarztete. Gott sei Dank war aber nichts Schlimmeres passiert. Bei einem 12-Meter-Schiff wäre eine solche Kopfnuss wahrscheinlich tödlich ausgegangen, mit 38 Euro Arztkosten war Werner noch einmal gut davon gekommen!

Nach diesem Stimmungsdämpfer segelten wir die restlichen 7 km durch den "Kanal von Walcheren" bis nach Middelburg, um hier zu übernachten.

Unsere erste Tagesstrecke betrug nur 17 sm, da uns der Zwischenfall doch einiges an Zeit gekostet hatte.

Gegen 18 Uhr machten wir im idyllischen Stadthafen von Middelburg hinter der Brücke fest und machten noch einen kurzen Stadtbummel mit einem kleinen Nachtessen in einem gemütlichen Straßenrestaurant.


Im Hafen von Middelburg genossen wir die herrliche Abendsonne.

Sonntag, 7.6.2004

Am Sonntagmorgen starteten wir bereits um 9.30 Uhr Richtung Vlissingen. Doch schon vor der ersten Brücke signalisierte uns die Crew der MYRNA, dass sie Probleme mit dem Außenborder hatte. Wir motorten zu ihnen und sahen das Malheur: das Zahnriemenrad hatte sich von seiner Halterung gelöst, die Löcher der Halterung waren ausgefressen, mit Bordmitteln war dieser Schaden leider nicht zu beheben; an eine Weiterfahrt unter Motor war also nicht mehr zu denken. Kurz entschlossen nahm die Crew der ANKATRIN die MYRNA an den Haken und schleppte sie 7,5 Kilometer (in Holland rechnet man nicht in sm!) zum Versemeer zurück, von wo aus wir in unseren Basishafen, zur DELTA-Marina nach Kortgene zurücksegelten, um in der dortigen Werkstatt den 4-Takt-Honda reparieren zu lassen. Unterwegs hatte die MYRNA in einem ganz schmalen Tonnenstrich zwischendurch noch auf Schiet gesessen und konnte sich aus eigener Kraft nicht befreien. Da unsere SPRINTA DS 15 cm weniger Tiefgang hat, schlichen wir uns langsam an die SPRINTA 70 heran und konnten sie mit unserem Außenborder wieder ins tiefere Wasser der Fahrrinne schleppen.


Locker zieht der 5-PS-Mercury die 2,5 to durch den Kanal

Da am heutigen Tag mit einer Reparatur des Motors nicht mehr zu rechnen war, bastelten wir uns ein kleines Freizeitprogramm zusammen. Wir machten einen kleinen Stadtbummel und beköstigten uns am Abend in einem kleinen Restaurant mit heimischem Fisch und Miesmuscheln. Anschließend tranken wir noch ein paar Bier in einem kleinen Straßenrestaurant bevor wir an Bord der MYRNA dann noch an einer "Weinprobe" bis 0.100 Uhr teilnahmen.

Tagesstrecke 21 sm

 

Montag, 8.6.2004

So langsam wurde es uns unheimlich, schon der dritte Tag mit traumhaftem Wetter. Lorenz sandte schon früh am Morgen sein gleißendes Licht über die Schelde und Odin blies schon wieder ganz schön seine dicken Backen, so dass wir nach der erfolgten Reparatur gegen 14 Uhr endlich ablegen konnten. Als Ziel für den heutigen Tag hatten wir Zierikzee abgesprochen. Kurz vor der Seelandbrücke kenterte dann der Strom  und so brauchten wir noch fast 2 Stunden, bis wir in den schnuckeligen Hafen einfuhren (es wurde bis zum Anleger gesegelt und nicht motort!)  im Gegensatz zur MYRNA, die schon vor der Brücke entnervt den Riemen auf die Orgel warf und mit 10 PS dem Hafen zustrebte. Da die Crew erstmalig in einem Tidengewässer festmachte, hatte sie nicht berücksichtigt, dass sie bei Hochwasser eingelaufen war und ihr Boot oben an den Dalben festgemacht; anschließend waren sie zum Einkaufen in die Stadt gegangen. Als wir ca. 1,5 St. später neben ihnen festmachten sahen wir sofort, dass die Leinen schon ganz schön auf Zug standen und lockerten ihre Leinen. Wir hätten sie ja auch an den senkrechten Leinen bzw. an den Schwimmkränzen ordnungsgemäß befestigen können, wollten uns aber ein Späßchen nach ihrer Rückkehr aus diesem Manöver machen. Dummerweise kam dann auch noch vor dem Eintreffen unserer Segelkameraden der Hafenmeister mit seinem Fahrrad über den Steg, hielt an, schüttelte den Kopf und sagte: "So machen wir hier aber nicht fest!" und machte sich davon. Gegen 22 Uhr kamen unsere Freunde vom Abendessen zurück; Kalla hatte uns einen leckeren Gulasch mit Bohnensalat zubereitet. Bis 0.30 Uhr saßen wir bei angenehmsten Temperaturen noch gemeinsam im Cockpit und haben so manchen Witz über die neue Festmachermethode in Tidengewässern gemacht. Der verhinderte Verlust von mindestens 2 Klampen wurde in trockenem französischem Rotwein beglichen.

Das Waschhaus in Zierikzee

Zwischendurch habe ich noch einen kleinen Brief an einen Bekannten aus dem Yachtforum geschrieben, der seine Optima 92 kaum übersehbar am Kopfsteg festgemacht hatte. Meine kleine Nachricht wird RA Ruppert aus Köln ja wohl inzwischen erhalten und gelesen haben. Sein Boot machte übrigens einen sehr gepflegten Eindruck!

Tagesstrecke 16 sm

Rupperts Optima 92 im Hafen von Zierickzee.

 

Dienstag, 9.6.2004

Schon wieder empfing uns ein strahlend blauer Himmel, als wir am Morgen aus den Schlafsäcken krochen. Nach dem Duschen und einem kräftigen Frühstück mit Schinken und Eiern legten wir ab und konnten gleich hinter dem Kanal Richtung Sperrwerk an der Osterschelde den Spinnacker setzen.

Ankatrin II mit geblähtem Spinnaker

Der kleine Anlegersteg für die Besucher des Sperrwerks

Hier werden die leckeren Muscheln verarbeitet. Auf dem Weg zum Sperrwerk kamen wir an der Viskwekerij vorbei.

Gegen Mittag kamen wir dort an und machten einen kleinen Spaziergang im dortigen Naturschutzgebiet. Am Steg müsste ich noch meine Genua I reparieren, bei der sich am Achterliek ca. 10 cm Naht geöffnet hatten. In wenigen Minuten hatte ich diese Arbeit erledigt und bei frischem Wind kreuzten wir zurück nach Bruinisse, dass wir gegen 19 Uhr erreichten.

Tagesstrecke 24 sm

 

Mittwoch, 10.6.2004

30 Grad meldete der Wetterbericht für den heutigen Tag und Windstärke 4-5 und so kam es auch; das dazu gehörige glasklare Wasser der Osterschelde, dazu noch völlig quallenfrei bescherten uns karibische Verhältnisse - Seglerherz, was willst Du mehr!

Spaziergang in den Dünen

Zuerst kreuzten wir am Wind bis zur Marina Port Zeelande, wo wir Benzin kaufen wollten. Gegen 13 Uhr kamen wir nach einem heißen Ritt dort an. Um 14 Uhr machten wir uns auf den Rückweg und unter Spi segelten wir bis 100 Meter vor die Schleuse in Bruinisse.

Um 19 Uhr erreichten wir unser heutiges Ziel, den Hafen von Sint Annland mit einem erstklassigen Hafenrestaurant.

Diesen prächtigen Segeltag schlossen wir mit einem genau so prächtigen Abendessen im Clubrestaurant ab und genehmigten uns anschließend im Cockpit bei 21 Grad noch 2 Fläschchen badischen Weißwein, der mit 13% recht üppig ausgestattet war und so viel Schlafmittel besaß, dass man endlich mal nachts das Schnarchen des anderen nicht hörte!

Tagesstrecke 31 sm

 

Donnerstag, 11.6.2004

Der heutige Tag gab unserem Törn den Namen: Fronleichnam! Erstmals zeigten sich am Himmel graue, dichte Wolken, die gegen Mittag immer dichter wurden. Wir wollten am heutigen Tag bis Vlissingen kommen und hatten dafür auch den richtigen Wind bestellt. Es war eine herrliche Fahrt. Zuerst mussten wir von Sint Annaland aufkreuzen, konnten nach ein paar Stunden aber nach Süden abfallen und mit halbem Wind liefen wir fast ständig 6 Knoten und erreichten somit unsere Höchstgeschwindigkeit. Dabei störte uns auch nicht von 12-14 Uhr der Nieselregen und von 14-16 Uhr der strömende Regen. Nach 16 Uhr klarte der Himmel bereits wieder auf, was aber in der Westerschelde, die wir inzwischen erreicht hatten zu sehr diesigem Wetter führte. In dem schmalen Fahrwasser hatte sich vor unseren Augen ein Frachtschiff festgefahren, dass mit riesigem Getöse versuchte freizukommen. Die Maschine dröhnte auf vollen Touren und das Wasser an der Schraube brodelte wie in einem Hexenkessel. Mit vorwärts und rückwärts ging nichts mehr, dann versuchte er es mit dem Bugstahlruder und hobelte sich tatsächlich damit frei.

Dieses Wetter liebt die SPRINTA

Auf der Schelde machten wir erstmals Erfahrung mit dem enormen Schiffsverkehr der Großschifffahrt. Je näher wir Vlissingen kamen, um so dichter wurde der Dunst und aus dem Nebel tauchten immer wieder dunkle Schatten aus Richtung Nordsee vor uns auf. Da wir das Fahrwasser rechtwinklig kreuzen mussten machte sich ein mulmiges Gefühl in uns breit; dass noch durch das Laute Tuten der Riesen verstärkt wurde. Als für uns dann die Querung anstand, hatten sich dann Gott sei Dank die meisten aus dem Staub gemacht und wir brauchten nur noch 2 riesige Frachter und eine Fähre im Auge behalten. Bei meinem nächsten Besuch der Westerschelde werde ich auf jeden Fall den landnahen Tonnenstrich wählen, der einem dann die Querung erspart.

In dem kleinen Hafen hinter Schleuse machten wir dann an diesem Abend, rechtschaffen müde, um 18 Uhr fest.

Tagestrecke 43 sm

 

Freitag, 12.6.2004

Für den letzten Tag hatte der Wetterbericht Windstärke 5-6 aus südwest gemeldet. Dass passte sich sehr gut für unsere letzte Strecke, da wir über den Kanal heute zuerst nach Middelburg, und nach der Stadtbesichtigung möglichst bis zur DELTA-Marina zurück wollten.

Mit Kaffee und Apfelkuchen genossen wir den herrlichen Marktplatz in Middelburg

 

Zügig konnten wir die 6 Brücken und 2 Schleusen abhaken und machten um 12.30 Uhr in Middelburg am Passantensteg für 2 Stunden fest. Wir waren von dieser tollen Stadt sehr beeindruckt und können jedem einen Besuch nur wärmstens empfehlen. Auf dem Marktplatz setzten wir uns zu einem letzten gemeinsamen Kaffeetrinken zusammen und um 14.30 Uhr hieß es zum letzten Mal für diesen Törn: Leinen los!

Inzwischen hatte der Wind so aufgefrischt, dass wir nur unter Genua I unsere Rumpfgeschwindigkeit erreichten und gegen 18 Uhr in Kortgene einliefen.

Dieser letzte Segeltag war das Pünktchen auf dem i.

Mir hat es auf der Schelde so gut gefallen, dass ich mich spontan entschloss, mein Boot dort zu lassen, um im Juli noch eine weitere Woche oder 10 Tage mit meinen beiden Töchtern dort zu verbringen.

Tagesstrecke 20 sm = Gesamtdistanz 172 sm

Motorstunden: knapp 7 Std.

 

Samstag, 13.6.2004

Heute war Abreisetag. Da ich ja mein Boot dort gelassen habe, wurde es mit stehendem Mast auf den Trailer gesetzt und wartet nun dort auf meine Rückkehr in 4 Wochen.

Diese Lösung war die preiswerteste, wollte man doch für einen 4-wöchigen Liegeplatz 400 Euro von mir haben; das fand ich ein bisschen happig. Für das Kranen rein und raus zahlte ich zusammen 73 Euro, das ist erheblich preiswerter als in Lemmer, wo ich seit vielen Jahren schon 92 Euro zahle, auch für meine frühere VARIANTA!

Die Service-Leute in der DELTA Marina waren sehr, sehr angenehm und ich kann allen Trailerseglern, die nach Zeeland fahren wollen diese Marina nur wärmstens empfehlen!!!!!

Aufgeriggt steht ANKATRIN II nun auf dem Parkplatz der DELTA-Marina und wartet auf den nächsten Einsatz ab dem 3. Juli

Gegen 11 Uhr verabschiedeten wir uns von Klaus-Peter und Werner, die ihre SPRINTA wieder mit ins Sauerland nahmen und machten uns auf die 360-km-lange Heimreise.

Das Segelrevier Zeeland hat mich total überzeugt! Endlich mal nicht die braune Brühe von Ijsselmeer und den Friesenmeeren unter dem Bug zu haben und im Juli mit Genuss in das glasklare Wasser springen zu können, darauf freue ich mich schon jetzt!

Das Angenehmste an der Schelde war die Erkenntnis, dass es dort selbst bei Windstärke 6 so gut wie keine Welle gab, vielleicht mal so gerade 30 cm, also völlig belanglos, woran dies liegt, kann ich mir nicht erklären!?

Dass wir so traumhaftes Wetter hatten, hat uns dieses Revier auch sehr sympathisch gemacht; aber dass kann sich ja mal ändern. Was sich aber nicht ändern wird, sind die besonders lobenswert zu erwähnenden Häfen und sanitären Anlagen (mit Ausnahme von Zierikzee, das war nicht so prickelnd) die einfach nur als beispielhaft zu benennen sind. Die Liegegebühren halten sich zwischen 9-13 Euro für ein 7-Meter-Boot mit 2 Personen durchaus in Grenzen. Das Duschen ist fast überall mit Euro-Münzen möglich und schwankt zwischen 50 Cent und 1 Euro. Schön ist auch die Lösung mit den Zahlenschlössern, die wir in allen Häfen vorfanden; ist mal der Hafenmeister nicht anzutreffen, so erhält man immer von anderen Hafenliegern eine korrekte Auskunft.

Alles in allem gesehen war es eine rundum gelungene Sache, an die wir vier Segler sicher noch oftmals zurückdenken werden.

 

Arnsberg, 14.6.2004

 

 

 

 

 

Molli

 

Kalla

Klaus_Peter


Werner