4 Boote auf Fronleichnamstörn
am Ijsselmeer
Törnfotos 2001
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Oefter mal wieder reinschauen

Am Montag, dem 11.6.2001

starteten wir schon früh am Morgen mit 4 Booten zum diesjährigen Fronleichnamstörn nach Holland.

Die Teilnehmer waren:
Jürgen und Rolf Schneidewind mit ihrer VARIANTA K 4 "MIRIAM"
Josef Bitter und Theo Simoneit mit ihrer VARIANTA K 4 "Alte Hexe"
Franz-Josef Molitor und Ferdi von der Hövel mit ihrer VARIANTA K 4 "Ankatrin"
Klaus-Peter Blessenohl und Günther Hoffmann mit der Dehlya 22 "Myrna 2.

Der ungewöhnliche Beginn, nämlich an einem Montag resultiert daraus, dass wir am Wochenende zuvor noch an der bei uns ausgetragenen Ranglistenregatta "Berghauser Loch" mit mehr oder weniger großem Erfolg teilgenommen hatten.

Nach gut 4 Stunden erreichten wir gegen Mittag unseren Zielhafen "Grote Brekken" in Lemmer. Rasch wurden die Boote geslippt, die Masten gesetzt, das Rigg getrimmt, Proviant und Klamotten verstaut und marschierten dann, den recht weiten Weg hinein nach Lemmer, immer am Kanal entlang, denn den ersten Abend wollten wir bei einem gemeinsamen Abendessen verbringen.

Theo, dem ganz erbärmlich die Blase drückte,  entdeckte mit seiner Spürnase das richtige Lokal für uns; eine schummerige Pizzeria sättigte unsere hungrigen Mägen und auch den inzwischen beträchtlichen Durst konnten wir hier auf angenehmste Art und Weise stillen.

Nach dem Rückmarsch zum Hafen, den wir als Verdauungsgang deklarierten, legten wir uns in die Kojen und träumten schon vom nächsten Tag.

 

Dienstag, 12.6.2001

Am Dienstagmorgen kachelte es nicht schlecht, als wir uns auf den Weg zur Industrieschleuse, unweit unseres Ausgangshafen machten. Das Ijsselmeer empfing uns etwas stürmisch, aber für eine VARIANTA waren es noch immer ganz tolle Bedingungen. Teilweise gerefft, teilweise auch nicht segelten wir fast auf einem Bug auf einem Amwindkurs von 11.15 - 15.30 Uhr und standen schon kurz vor der Hafeneinfahrt in Enkhuizen.

Als wir in das große Hafenbecken fuhren hörten wir schon aus dem Lautsprecher die Stimme des netten Hafenmeisters, der uns schön zusammenliegend unterbringen konnte.

Rolf Schneidewind hatte uns als Mitarbeiter der WARSTEINER Brauerei bestens ausgestattet und auf den erfolgreichen Törn wurde erst einmal das erste Fäßchen angeschlagen.

Nachdem wir uns eine Weile so mit Biertrinken die Zeit vertrieben hatten machten wir uns fein zum Landgang und nahmen Enkhuizen erst einmal anschaulich unter die Lupe.

Die meisten waren zum ersten Mal hier und waren begeistert von der Kleinstadtidylle mit den putzigen Häuschen, Türmen, Brücken usw.

Wir verbrachten einen herrlichen Abend in einer gemütlichen Kneipe. Mit 8 Leuten unterwegs zu sein, das macht schon mächtig Spaß.

 

Mittwoch, 13.6.2001

Um 11.00 Uhr hatten wir an diesem Morgen endlich unsere Morgentoilette verrichtet, das Frühstück eingenommen, Pött und Pann wieder gespült an ihren Platz verstaut und machten uns auf zur großen Schleuse. Nach 15 Minuten unter Motorkraft erreichten wir unser Ziel und schon nach weiteren 15 Minuten hatten wir das ganze Prozedere des Schleusens hinter uns und konzentrierten uns auf unser nächstes Ziel, den Hafen von Monnikendamm.

Bereits um 11.15 Uhr hatten wir die Segel gesetzt und nur wenige Minuten später stand auch schon die bunte Blase, die uns nun genau 4 Stunden und 15 Minuten bis 16.00 Uhr über das Ijsselmeer zog. Von diesen Zeiten haben wir als Henneseesegler immer geträumt, 4 Stunden auf einem Bug, wo wir doch auf unserem heimischen Revier alle 5 Minuten wenden oder halsen müssen.

Klaus-Peter hatte bei seiner Neuerwerbung, der Dehlya 22 leider keinen Spinnaker dazu bekommen, und fiel weit in der Flotille zurück. Jürgen und Josef waren auch uns davon gefahren und so machten wir kehrt und fuhren Klaus-Peter und Günther ein gutes Stück entgegen. Und das war gut so, denn nachdem inzwischen der Wind eingeschlafen war und wir motoren mußten, stellte sich heraus, dass der "Jockel" von Klaus-Peter nicht so recht wollte.

15 Minuten lang haben wir ihn dann Richtung Monnikendamm geschleppt; aber die Bemühungen der beiden Skipper hatten schließlich Erfolg und sie bekamen das Luder wieder ans Laufen. Von da ab ging es natürlich zügiger Richtung Hafen, wo die anderen uns schon eine geraume Weile erwarteten.

Wir verholten uns in Monnickendamm in einen kleinen Seitenkanal und schlachteten dort erst einmal eine unserer Kisten mit dem leckeren Dosenbier.

Anschließend wurde auf unseren kleinen Booten erst einmal ein zünftiges Abendessen zubereitet, dem dann am Abend auch der obligatorische Stadtgang folgte. Wieder wurde es ein gelungener Abend in vertrauter Runde. Bier und Jenever trugen mit dazu bei, das Jeder was anderes zu erzählen hatte.

Zur rechtschaffenen Zeit legten wir uns ins Bett und träumten vom nächsten herrlichen Segeltag.

 

Donnerstag, 14.6.2001

Der Donnerstag meinte es anfangs nicht so gut mit uns. Windstärken von 1-2 brachten uns auf unserem Schlag zurück Richtung Schleuse Enkhuizen nur langsam voran. Teilweise mußten wir sogar motoren, wollten wir doch heute noch ein Stückchen weiter bis nach Medemblick. Treffpunkt für alle 4 Boote war jetzt aber erst einmal die bekannte Schleuse. Es dauerte dann aber doch bis 17 Uhr, ehe alle 4 Boote die Schleuse erreicht hatten. Bis 18 Uhr wurde jetzt erst einmal pausiert und der Kocher in der Pantry in Schwung geschmissen. Die Zeitverzögerung auf Grund des schwachen Windes hatte natürlich unseren Zeitplan völlig durcheinander gewirbelt.

Wir waren uns noch nicht so richtig einig, was wir machen sollten. Um 17 Uhr schon wieder in den Hafen von Enkhuizen, dazu hatten wir noch keine Lust, denn inzwischen hatte der Wind während unserer Ruhepaus so auf 3-4 Windstärken zugelegt.

Kurz entschlossen nahmen wir in unserer Karte Maß und Jürgen entschied letztendlich: Medemblick, so sollte das Ziel doch noch für den heutigen Tag heißen.

Es wurde ein toller Ritt, der gute 4 Stunden hoch am Wind dauerte und uns recht müde machte. Zum Schluß kachelte es ganz erbärmlich. Wind und Kurs hatten inzwischen gedreht, so dass wir nicht mehr am Wind, sondern schon raumschots auf die Hafeneinfahrt zubrausten, ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen. Die Einfahrt dort ist rechts schmal und der Schwell war ganz beträchtlich. Doch Gott sei Dank erreichten wir mit drei Booten den schnuckeligen Stadthafen von Medemblick und warteten vergebens auf Klaus-Peter.

Dieser meldete sich später über Handy aus der Marina links vor der Hafeneinfahrt. Wir erklärten ihm wo wir lagen und er machte sich unter Motor auf den Weg. Doch fast wäre er dabei gescheitert, so kräftig blies ihm inzwischen der Wind auf die Nase, dass er fast nicht aus dem Hafen kam. Doch Gott sei Dank hat er es dann doch noch geschafft.

Nach diesem langen Segeltag waren unsere Kräfte aber noch längst nicht erloschen; wir stürzten uns Hals über Kopf ins Medemblicker Nachtleben und kehrten in der ersten Pinte an der nächsten Ecke ein, die wir bis zum Heimgang auch nicht mehr verließen. Es war eine ganz urige Kneipe mit einer Dame als Chefin. Wir fühlten uns im heimeligen Ambiente sehr wohl und blieben dort bis in den späten Abend.

 

Freitag, 15.6.2001

Es prasselte aufs Deck, als wenn ein Hagelschauer über uns hinweg ziehen würde. Da konnte man sich ruhig noch einmal im Schlafsack umdrehen und es sich gemütlich machen. Doch irgendwann mußten wir hinaus ins feindliche Leben, denn schließlich hatten wir noch eine lange Reise über den Teich vor uns. Stavoren hatten wir uns ausgeguckt und machten uns um 10.15 Uhr dorthin auf den Weg.

Nach 15 Minuten hatten wir die Segel gesetzt und mit Windstärke 4 und einem Kurs von 45 Grad ging es zuerst zügig voran. Gott sei Dank hörte es gegen 11 Uhr auf zu regnen, aber auch der Wind ging langsam aber sicher in die Knie und gegen 13 Uhr blieb uns nichts anderes übrig, als den Riemen auf die Orgel zu schmeißen. Mit 5 PS knatterten wir dann die Reststrecke bis Stavoren. Vor der großen Marina probte Ferdi noch einige Anleger unter Motor bevor wir uns eine Parkbox ganz am Ende in einer Ecke des Hafens suchten. Damit die anderen uns fanden, setzten wir unseren Spinnacker und nach und nach trudelten alle neben uns ein.

Es war der vorletzte Abend, und der mußte natürlich noch zünftig gefeiert werden, zumal wir auch noch einige Fäßchen Bier an Bord hatten. Alles krabbelte unter die Haube der "Alten Hexe" und in Kürze waren es brütend warm unter der Persenning, was den Durst nur noch steigerte.

Anschließend ging es noch zum abendlichen Stadtrundgang durch das beschauliche Örtchen; eingekehrt wurde aber nicht mehr, sondern jeder machte sich so langsam auf ins Körbchen.

 

Samstag, 16.6.2001

Am Samstagmorgen um 9.45 Uhr haben wir uns dann getrennt. Die "Alte Hexe", "Miriam" und Myrna 2" wollten die Reststrecke unseres Weges nach Lemmer noch einmal über das Ijsselmeer fahren. Da Ferdi schon so viel von Friesland und den schönen Seen gehört, aber noch nie gesehen oder befahren hatte, wählten wir den beschaulichen Weg über Heeger und Flüssen, das Slooter Meer und Groote Brekken nebst unzähligen kleinen Kanälen. Gegen 17.00 Uhr kehrten wir in unseren Starthafen in Lemmer zurück. Ferdi hatte sich schon mit der Vorleine in Position gebracht und sprang, bei dem entsprechenden Abstand vom Schiff auf den Steg. Dabei setzte er den ersten Fuß mit der Hacke auf eine glittschige Planke und ehe wir uns versahen tauchte er rücklings mit seinen rund 100 Kilo hinab in die braune Brühe dieses fiesen Brackwassers. Ich sprang sofort zur Hilfe um ihn aus dem Wasser zu ziehen. Aber mit vollgelaufenem Overall wog er nun ca. 110-120 Kilogramm und war nicht aus dem Wasser zu kriegen. Direkt nebenan waren 2 Tennisspieler, die ich um Hilfe rief. Sie kamen auch sofort helfend herbei. Der eine hielt Ferdi die Hand hin und sagte: "Sie ist aber dreckig vom Sandplatz. Darf ich Sie damit anfassen!" Zu dritt hoben wir ihn auf den Steg und waren froh, dass er sich nicht stärker verletzt hatte. Direkt neben unserem Liegeplatz war der Waschraum mit Trockner, nach kurzer Zeit war alles wieder getrocknet und ordentlich verstaut.

Unsere 6 Freunde kamen erst gegen 19 Uhr zur Anlegestelle und machten sich auf zu einem Abschlußessen, an dem wir nicht mehr teilnahmen, da wir uns in der Zwischenzeit schon selbst versorgt hatten.

 

Sonntag, 17.6.2001

Nach dem Frühstück begann das große Abrüsten. In kürzester Zeit waren die Boote wieder auf ihren Trailern festgezurrt und einzeln fuhren wir wieder nach Hause zurück, wo wir am frühen Nachmittag unversehrt wieder eintrafen.

Es war eine wunderbare Woche mit ganz tollen Kollegen. Ich kann es schon jetzt nicht mehr abwarten, bis es wieder heißt: "Leinen los zum Fronleichnamstörn"!

 

 

 

 

Molli

Jürgenn

Micki

n

Josef

Ferdi

Theo

Rolf

Günther