Ein toller Törn mit Tochter Angela

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Oefter mal wieder reinschauen

Friesenmeere – Ijsselmeer – Amsterdam und Randmeere in 8 Tagen

Der Start zu unserem kleinen Urlaubstörn fiel uns leicht, hatten wir doch unsere
K 4, Segelnummer 503, noch von einem Flottentörn vier Wochen zuvor in Lemmer liegen.

 

Donnerstag, 5.7.2001

Am Donnerstagmorgen, dem 5. Juli  starteten meine siebzehnjährige Tochter Angela und ich mit dem Pkw zur Fahrt nach Lemmer. Nach nur dreieinhalb Fahrstunden trafen wir dort im Hafen des Caravan-Parks ein und machten uns gleich an die Arbeit des Beladens. Nachdem wir uns häuslich eingerichtet hatten, Wasser und Benzin getankt hatten, hieß es “Leinen los”.

Der günstige Süd-Ost, angetrieben von ca. 3 Windstärken, ließ uns in schöner Fahrt in nördlicher Richtung den “Groote Brekken” überqueren bevor es im “Princess-Margret-Kanal” weiter unter der großen “Spangenburg-Brücke” durch Richtung Koevourdermeer, Johann-Friso-Kanal in westlicher Richtung zum Heeger Meer ging.

Auf Heeger Meer und anschließendem Flüssen konnten wir einen guten Am-Wind-Kurs anlegen, (8 sm ohne eine einzige Wende, Seglerherz, was willst du mehr!) sodass wir am Abend schon kurz vor Stavoren standen. Da es ein herrlicher Tag war, der einen ebenso schönen Abend versprach, entschlossen wir uns eine schöne Ankerbucht zu suchen, um dort zu übernachten.

Mit Kochen auf unserem Spirituskocher sowie Lesen und Erzählen verbrachten wir den ersten Abend auf dem Wasser. Für Angela war es die erste Ankernacht und entsprechend aufgeregt war sie auch.

 

Freitag, 6.7.2001

Gut ausgeschlafen stellten wir am nächsten Morgen fest, dass wir wohl im Auto was vergessen hatten. Mangels Brot musste nämlich das Frühstück ausfallen. Da es aber bis Stavoren nur noch ein Katzensprung war, hieß es wieder “Leinen los” und auf nach Stavoren, einer herrlichen Hafenstadt am Ijsselmeer. Im Stadtkanal legten wir vor der Hafenmeisterei an einem kleinen Inselchen an und erledigten die notwendigen Einkäufe und verbanden dies gleich mit einem Stadtrundgang.

Nach dem Frühstück bogen wir gleich rechts ab um die Ecke und steuerten unsere erste gemeinsame Schleuse an. Zu dieser Zeit heulte der Wind schon so in den Wanten (was er dann auch noch weitere achte Tage tat und uns zum Abbruch zwang!) dass wir unsere K 4 in der Schleuse fast nicht zum Stehen brachten. Die Bremswirkung des Außenborders war gleich null. Angesichts des sich dramatisch nähernden Schleusentores half mir nur noch ein geübter Lassowurf und ein abruptes Bremsmanöver an einem sehr hoch liegenden Poller. Puh! Das war gerade noch mal gut gegangen.

Gleich nach der Schleusenausfahrt band ich zwei Reffs ins Groß und schlug die Genua II an. Diese Maßnahme stellte sich als völlig richtig heraus und in einer herrlichen Rauschefahrt von durchweg 5,8-6 Knoten (GPS-gemessen) düsten wir in südwestlicher Richtung über das Ijsselmeer nach Enkhuizen. Im Hafen angekommen fuhren wir gleich durch das Hauptfahrwasser bis zum Hafenmeister. Über Lautsprecher wird man dort schon fünfzig Meter vorher angesprochen, ob man einen Liegeplatz wünsche. Sobald man ein “Ja” signalisiert kommt sofort die Anweisung: “Fahren Sie bitte nach .....”. Eine tolle Einrichtung, das muss ich schon sagen.

Enkhuizen selber gilt als die am besten bewahrte Stadt am Ijsselmeer; ein Urteil, dass ein kurzer Stadtrundgang nur bestätigen kann. Die Zuiderkerk und die Westerkerk sind die größten Bauwerke in Enkhuizen, beides spätgotische Kirchen; auffallendstes Gebäude ist der Drommedaris, zusammen mit der weißen Hebebrücke das Wahrzeichen von Enkhuizen. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist das Zuiderzee-Museum, dass unmittelbar am Hafen liegt. Nach einer Stadtbesichtung, verbunden mit Einkäufen und einem Kneipenbummel legten wir uns gegen 22 Uhr in die Kojen, um für den nächsten Tag gut gerüstet zu sein. Über Kurzwelle hörten wir regelmäßig den Seewetterbericht von Deutschlandradio (ausgezeichnet!), der viermal täglich aktualisiert gesendet wird. Für die nächsten 5 Tage wurde für jeden Tag Starkwind angekündigt. Immer wieder hieß es für die südliche Nordsee Windstärke 7-8 mit gefährlichen Orkanböen, Wellenhöhe 4 m. Die dazwischenliegenden 50 km sorgen zwar für eine Abschwächung, aber 5-6 Windstärken herrschen unter diesen Voraussetzungen auch immer auf dem Ijsselmeer.

 

Samstag, 7.7.2001

Und genau so kam es. Nach dem Verlassen der Schleuse und des geschützen Hafenbeckens schlug uns gleich die volle Wucht des Sturms entgegen. Da wir uns noch sehr nah am westlichen Ufer befanden, war Gott sei Dank auch die Wellenhöhe eher unbedeutend, also keine große Gefahr. Mit fast halbem Wind sausten wir nur so dahin, zu unserem nächsten Ziel, der kannten Stadt Edam, da diese  für unseren geplanten Rundtörn am günstigsten lag. In Edam erhielten wir den letzten Liegeplatz im Hafen, es war dort rappelvoll. Der Grund: In Edam fand eine Ranglisten-Regatta der Waarschip´s statt. Es war ein herrlicher Anblick, diese gut gepflegten Holzboote im Hafen liegen zu sehen. Am “Adenauer” war leicht zu erkennen, dass sich auch mehrere Bundesrepublikaner eingefunden hatten.

Obwohl die Reiseführer Edam mit großen Worten loben, waren wir nicht so angetan. Es mag aber auch an dem sehr langen Fußmarsch gelegen haben, den wir von der Marina bis ins Städtchen zurücklegen mussten. In Edam befindet sich nach Alkmaar und Horn der drittgrößte Käsemarkt des Landes. Das Städtchen macht eher ein verträumten Eindruck.

Nachdem wir auch hier wieder Kneipenbummel und Stadtrundgang verbunden hatten, träumten wir an diesem Abend von abnehmenden Winden für den nächsten Tag.

 

Sonntag, 8.7.2001

Doch Pustekuchen! Nach wie vor blies Odin, was das Zeug hergibt und hatte unglücklicherweise auch noch ein bisschen mehr nach Süd gedreht, sodass wir nun den ganzen Tag Richtung Muiden kreuzen mussten. Dem schönen Städtchen Volendam sowie dem Wahrzeichen des Markermeers, dem Leuchtturm von Marken “Het Paard van Marken” (Silhouette wie ein Pferd) konnten wir nur flüchtige Blicke zuwerfen, zu sehr nahm uns das Segeln in Anspruch. Zu unserer weiteren Beunruhigung wurde es in kürzester Zeit im Südwesten pechschwarz und wir befürchteten schon das schlimmste Gewitter. Gott sei Dank wurden wir von Blitzen und Donnern verschont, aber es schüttete plötzlich wie aus Eimern. Die Sichtweite betrug vielleicht gerade mal fünfzig Meter, doch nach ca. fünfzehn Minuten war der ganze Spuk vorbei. Alles in Allem gesehen  war dies der anstrengendste Tag auf See und gleichzeitig meine längste Wegstrecke, die ich auf zahlreichen VARIANTA-Törns jemals zurückgelegt habe. Am Abend in Muiden zeigte die Logge 38 sm durchs Wasser an.  Aufgrund der Strapazen gönnten wir uns an diesem Abend einfach das Beste, einen Liegeplatz im Königlichen Niederländischen Ruder- und Segelclub, gleich rechts nach der Einfahrt auf die Vecht, einen der größten Flüsse Hollands. Direkt vor dem Hafenmeister bekamen wir einen schönen, ruhigen Liegeplatz, der uns an diesem Spätnachmittag noch ein kleines Schauspiel bot.

Gerade hatten wir uns mit einem kleinen Imbiss gestärkt, wurde es auf der Moole unseres Yachthafens, etwa 20 Meter von unserem Liegeplatz entfernt, immer voller von Menschen. Der Hafenmeister holte sämtliches Fahnenmaterial hervor und alle Fahnenmasten wurden damit bestückt. Der Sohn des Hafenmeisters läutete ununterbrochen auf dem Balkon eine riesige Schiffsglocke und die Menschen auf der Mole warfen die Arme in die Höhe und jubelten den einlaufenden Schiffen zu. Nachdem uns mehrere Boote passiert hatten drehte der Hafenmeister plötzlich minutenlang eine ohrenbetäubende Fanfare auf, zu Ehren einer wunderbaren Segelyacht, einer Farr 50. Der Jubel an Land und auf dem Schiff kannte keine Grenzen mehr und ich glaubte eine siegreiche Regattayacht vor mir zu haben, denn inzwischen hatte auch ich mich unter das Jubelvolk gemischt. Auf meine Frage erklärte mir der Hafenmeister, dass diese Yacht mit den vier Ehepaaren von einem einjährigen Amerika-Törn zurückgekehrt sei und zahlreiche Mitglieder des Clubs ihnen von  Enkhuizen aus Geleit gegeben hätten. Da unser Törn von Enkhuizen nach Muiden ja nur wenige Minuten vorher zu Ende gegangen war betrachtete ich unsere K 4 auch als Begleitboot und fand es durchaus für angemessen, den gereichten Champagner mitzutrinken, gemäß dem Motto: Wenn es Brei regnet, muss man einen großen Löffel haben!

 

Montag, 9.7.2001

Da am nächsten Morgen der Wind nach wie vor mit rund sechs Windstärken aus West blies, bliesen wir auch, nämlich unseren geplanten Schlag nach Amsterdam zu Wasser ab und unterstützten den holländischen öffentlichen Personennahverkehr und reisten mit der Stadtbahn nach Amsterdam. Hier haben wir uns einen Tag aufgehalten und einige Programmpunkte abgespult wie z.B. Besichtigungen von Kirchen und Museen und einer großen Stadtrundfahrt auf den Grachten dieser schönen Stadt. Am späten Nachmittag kehrten wir völlig geschafft zu unserer Ankatrin zurück und waren froh, wieder in dieser herrlichen Idylle des Königlichen Segelclubs zu sein. (Mit dem Segelboot kann man in Amsterdam bis zum Hauptbahnhof segeln und liegt somit, sehr gut geschützt und vor allem bewacht im Sixhaven.)



Dienstag, 10.7.2001

Am Dienstagmorgen blies der Wind so stark, dass mir die Fahrt über das Marker- bzw. Ijsselmeer zu riskant schien. Aus diesem Grunde entschlossen wir uns mit achterlichem Wind, und unter Umständen nur unter Vorsegel die Randmeere aufzusuchen und hier gemütlich vor dem Wind abzulaufen, eine Entscheidung, die sich später als völlig richtig erwies.

Da ich schon mehrfach in Holland zum Segeln war, vorwiegend aber im Bereich Friesland, muss ich sagen, dass ich von den Randmeeren begeistert bin. So riesig und schön hatte ich mir diese künstlich angelegten Wasserflächen, die bei der Erbauung des Flevoland-Polders entstanden, nicht vorgestellt. Gerade für unsere VARIANTEN ist dies ein Gewässer, wie es besser nicht sein könnte. Von Muiden bis Urk beläuft sich die Länge auf rund 50 sm. Im südlichen Teil ist es eine einzige Seenlandschaft mit zahlreichen Inselchen und einer Unmenge an Hafen und Ankerplätzen. Im Norden dann werden die Randmeere mehr flussähnlich mit betonntem Fahrwasser, an das man sich strikt halten muss.

Mit zwei Reffs und Genua II bei achterlichem Wind kamen wir sehr gut voran und konnte die Landschaft in vollen Zügen genießen. Im Laufe des Spätnachmittags drehte Odin die Windmühlen voll auf und es kachelte, das wir mit einer riesigen Heckwelle und erreichter Rumpfgeschwindigkeit auf Elburg zurauschten. Zehn Minuten vor der letzten Brückenöffnung kamen wir dort an und mussten uns nun mit dem Boot, den Segeln und dem Motor rumschlagen. Vor der Brücke ist es unglaublich schmal und es gibt keine Möglichkeit zum Festmachen. So mussten wir unter Motor vor der Brücke mehrere Minuten verweilen. Der Wind blies so stark, dass wir unter Vollgas kaum gegen ihn ankamen, was wir aber mussten, damit wir nicht gegen die Brücke gedrückt wurden. Als die Lage schon fast bedrohlich wurde, öffnete der Brückenwärter endlich die Brücke und wir konnten vor dem Wind ablaufen. Die Einfahrt in den Stadtkanal nach Elburg lag direkt hinter der Brücke und im strömenden Regen fanden wir dann noch einen schönen Liegeplatz in der Nähe des Zentrums.

Elburg selber ist ein herrliches Städtchen, und wird als das schönste an den Randmeeren bezeichnet. Früher war es eine bedeutende Hansestadt. Mitten durch die Stadt läuft eine Gracht, von einer prächtigen Lindenallee gesäumt. Bei einem Rundgang stellten wir fest, dass der Wind im Laufe des Tages mehrere Bäume auf die Seite gelegt hatte.

 

Mittwoch, 11.7.2001

Am heutigen Tag wollten wir eigentlich über die Randmeere weiterfahren, dann über das Ketelmeer und das Ijsselmeer bis Urk. Doch schon beim Gang zu den Duschräumen war mir klar: dies wird heut eine Ruhetag. Der Wetterbericht meldete nun auch für das Ijsselmeer und die Randmeere Windstärke 7-8, da bleibt jeder vernünftige Segler im Hafen.

Nach dem Frühstück machten wir einen Spaziergang zu der Brücke, die uns am Abend zuvor soviel Sorgen bereitet hatte. Weit und breit war kein Schiff zu sehen. Auf der Brücke fegte der Wind so stark, dass wir uns bei Böen festhalten mussten, sonst hätten wir vor dem Geländer auf der anderen Seite gelegen. Was für ein Glück, dass wir mit Elburg eine so schöne und interessante Stadt erreicht hatten, die es nun ausgiebig zu erkunden galt. Außerdem hatten wir jetzt genügend Zeit um uns um die Mitbringsel für zu Hause zu kümmern.

 

Donnerstag, 12.7.2001

Etwas nachgelassen hatte der Wind, wie ich an diesem Morgen feststellen konnte. Doch konnten wir auch weitersegeln oder nicht? Nach dem Frühstück machten wir uns rechtzeitig auf , segelten aber von vornherein nur noch mit der Genua II, da alles andere einfach zuviel gewesen wäre. Zunächst konnten wir noch mit halbem Wind fahren, doch mit fortschreitender Fahrstrecke wendeten sich die Randmeere immer mehr der westlichen Richtung zu und nach einer Stunde nur ging es nun schon voll gegenan, und das alles auf kleinstem Raum. Es war mir schnell klar, dass wir Urk wohl kaum erreichen würden, da wir ja auch noch über das Ketelmeer und einen kleinen Teil des Ijsselmeeres mussten. An der Ansteuerungstonne zum Kanal nach Kampen machten wir einen letzten Test, der uns aber zur Einsicht brachte nicht weiter Richtung Urk zu kreuzen, sondern mit dem Wind in den Kanal abzufallen und so die letzten Meilen bis Kampen noch einmal ein kleines Segelvergnügen zu genießen.

Am frühen Nachmittag erreichten wir den für uns günstig gelegenen Hafen direkt an der Nationalstraße, von wo aus wir mit dem Bus nach Lemmer fahren konnten, um dort das Auto und den Trailer abzuholen. Etwas enttäuscht waren wir schon, das unser Törn nicht wie geplant in Lemmer endete, doch wir mussten uns einfach dem Diktat des Windes beugen, da auch für die nächsten Tage weiterhin Starkwind gemeldet wurde.

Alles in allem war es einer meiner schönsten Holland-Törns. Die Nähe zum Sauerland und das unglaublich variantenreiche Segelrevier machen Holland einfach zu einem der schönsten Reviere Europas, ganz besonders für unsere VARI´s!

Skipper und Vater

Vorschoterin  Tochter Angela

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Droemdaris Enkhuizen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Het Perd van Marken