Einhand auf dem Ijsselmeer Törnfotos
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Öfter mal wieder reinschauen

Mittwoch, 20. Juli 2005

Eigentlich wollte ja in diesem Jahr meine jüngste Tochter Angela wieder mal mit ihrem Papa auf Törn gehen. Wir hatten uns nach ihrem erfolgreichen Schulabschluß schon so auf den Urlaub gefreut, da bekam sie ganz überraschend einen Arbeitsplatz, und das hatte natürlich Vorrang vor dem Segeltörn.

So kam das, was ich eigentlich schon immer mal vor hatte, mich aber bisher nie so richtig getraut hatte: der "Einhandtörn"!

Am Mittwochmorgen starten wir also zum Flotillentörn ab Oeventrop; wir, das waren Ferdi + Toni mit einer Dehlya 22 Cinderella und ich mit meiner Sprinta DS Ankatrin II.

Gegen 11 Uhr erreichten wir die Marina Ottenhomme bei Heeg, in der ich schon mehrfach gekrant hatte und die mich auch in diesem Jahr wieder nicht enttäuscht hat; außerdem habe ich wieder was dazu gelernt: ab 7 m kosten 40 Euro, bis 6,99 nur 27,50 Euro - also muß ich an der Bugspitze 1 cm abfeilen!

Schnell hatte ich mein Heißgeschirr angeschäkelt und binnen weniger Minuten schwamm ANKATRIN II bereits schon auf friesischem Gewässer.

Beim Aufriggen halfen wir uns gegenseitig, luden unsere Gepäckstücke ein, füllten Wasser und Benzin auf und konnten dann um 15 Uhr ablegen zum 10-tägigen Ijsselmeertörn.

In der windgeschützen Marina hatten wir noch gar nicht bemerkt, dass es draußen richtig kachelte. Als wir unter Motor nach wenigen Minuten aufs Heeger Meer kamen, wurden wir aber sofort eiskalt erwischt: es blies mit guten 6 Windstärken direkt auf die Nase, so daß mein 5-PS-ler Mercury schon nach wenigen Metern überfordert war. Wegen der hohen steilen Wellen stieg der Propeller immer aus dem Wasser und der Bug tauchte bereits in die nächste Welle, so kam ich schon nach wenigen Minuten zum Stillstand. Segelsetzen war leider nicht möglich, da ich mich an der schmalsten Stelle in einem betonnten Fahrwasser am Anfang des Heeger Meeres zwischen einer  Insel und der Marina "Heegwaal" befand. Ferdi + Toni hatten mit ihrer CINDERELLA und dem 7,5-PS-AB mehr Glück. Sie schafften zwar die Wellen, als sie aber sahen, dass ich in die Marina abdrehte kamen sie auch zurück. Für Ferdi war es das erste Mal, dass er mit einem eigenen Boot unterwegs war, und so hatte er verständlicherweise darauf verzichtet, bei diesen Bedingungen erstmalig die Segel zu setzen. Außerdem spielte der generalüberholte AB nicht richtig mit; sobald sie das Gas zurücknahmen ging der Motor aus.

So machten wir es uns in der Marina erst einmal gemütlich und erledigten die Arbeiten, die wir am Vormittag noch nicht erledigt hatten, z.B. das Stauen der vielen Klamotten nach einem gewissen Schema. Ferdi und Toni brachten den Mercury zur Reparatur, in der Hoffnung, dass das Ergebnis besser ausfallen würde als bei dem Spezialisten an der Möhne. Voller Hoffnung auf besseres Wetter legten wir uns schon gegen 22 Uhr in die Koje, nach diesem langen Tag, der bereits um 4 Uhr in der Frühe begonnen hatte, mehr als verständlich.

Hafengebühr 7,40 Euro.

Zurückgelegte sm: 3

 

Donnerstag, 21. Juli 2005

Hafentag! Es stürmte unentwegt die ganze Nacht und auch am Morgen war keine Besserung in Aussicht. So bummelten wir gemütlich im Städtchen Heeg umher, kümmerten uns um Ferdis Außenborder und schlugen uns mit Tonis Nudelauflauf und leckerem Schokoladenpudding den Bauch voll. Zwischendurch konnten wir immer wieder die tollsten Hafenmanöver von Crews beobachten, die es trotz der 6 Windstärken gewagt hatten, nach draußen zu fahren und nun reumütig zurückkamen.

Hafengebühr: 7,40

Zurückgelegte sm = = Gesamt 3

 

Freitag, 22. Juli 2005

Es waren nur noch 5 Windstärken, die uns an diesem Morgen erwarteten; heute sollte es nun endlich aufs Ijsselmeer gehen. Zuvor mußte erst noch der Motor gegen 10 Uhr angeholt und angebaut werden. Mit einem Reff im Groß gings dann um 11.30 Uhr mit 5-6 Knoten übers Heeger Meer. Die beiden Brücken in Galammadamen und Warns öffneten sich bereitwillig bei unserer Ankunft und so erreichten wir die Schleuse von Stavoren schon recht früh. Als letztes Schiff kam ich in die Schleusenkammer, deren Tore sich vor Ferdis Nase konsequent schlossen. So machte ich draußen erst einmal an einer Dalbe fest und wartete auf meine beiden Kumpels. Plötzlich wurde ich von einem Segler der "Namba Wan" angesprochen, einer Bavaria 770, der mein Schiff von dieser Website kannte. "Bist Du nicht der Molly"? Diese Frage konnte ich nicht verneinen. "Willst Du rüber? Ist eine Sauwelle, wir kommen gerade von Enkhuizen!". Dies machte mich doch nachdenklich und so äußerte ich meine Bedenken gegenüber der Crew der CINDERELLA, als diese im nächsten Schleusengang nach draußen gespült wurde. Die beiden Newcommer waren einsichtig und so schleusten wir umgehend wieder zurück hinein nach Stavoren. Der Wind stand prächtig für eine Rückfahrt übers Heeger Meer und so landeten wir um 18.30 Uhr wieder in der Marina "Heegwaal"!.

Hafengebühr: 7,40

sm: 21 = gesamt 24

 

Samstag, 23. Juli 2005

Für heute hatten wir uns nun ganz fest das Ijsselmeer vorgenommen. So legten wir bei moderaten 4 Windstärken um 10 Uhr in Heeg ab und düsten mit 5-6 Knoten übers Heeger Meer. An den beiden Brücken hatten wir wieder "Tag der offenen Tür" und so erreichten wir im dicksten Mittagsgeschäft die Schleuse in Stavoren. Geschlagene 2 Stunden brauchten wir, um endlich an der Reihe zu sein. Das heißt, nicht wir beide, sondern eigentlich nur ich; dachte ich. Die Schleusenkammer hatte sich schon stark gefüllt, direkt neben mir lag noch 1 Motorboot.  Da rief mir jemand aus der Schleuse zu: 2 kleine Boote können noch rein, das hätte gut für Ankatrin und Cinderella gepaßt.  Der holländische Motorbootkapitän mit seinem 12 m langen Schlachtschiff hatte das aber wohl mißverstanden und brauste vor mir in die Schleuse. Aber denkste, er paßte natürlich nicht mehr in die Mitte und schaute so mit gut 6 Metern aus dem Schleusentor heraus. Den Schleusenwärter schien das aber überhaupt nicht zu interessieren; er schloß einfach das Tor und quetschte die Motoryacht einfach aus der Schleuse raus. Der Skipper tobte und ich lachte mir eins ins Fäustchen, da er sich vordrängeln wollte. Was hinter mir passierte, konnte ich in dieser etwas hektischen Phase nicht beobachten. Es war aber wohl so, das Ferdi, der hinter mir lag etwas zu kräftig Gas gegeben hatte. Aus irgendeinem Grund ließ er auf jeden Fall die Pinne los, die daraufhin sofort umschlug und die schöne Dehlya schoß voll Speed auf die Spundwand zu, die von einem dicken Querbalken gehalten wurde. Die Folge war ein Loch im Steven. Aufgeregt kam Toni zu mir gelaufen und bat mich, nicht in die Schleuse zu fahren sondern abzudrehen, da sie einen Crash gehabt hätten.

Nach 2 Stunden elendigen Wartens mußten wir nun unsere Spitzenplätze kampflos anderen überlassen und fuhren erst einmal in die Marina Stavoren zurück, um den Schaden zu begutachten. Nun war der erste Schock aber bedeutend größer als der eigentliche Schaden. Es war zwar ein fast faustgroßes Loch im Bug, aber hoch im Ankerkasten und kann zu Hause leicht von unserem Polyesterexperten und Freund Richard repariert werden. Nachdem wir das Loch zugetapt hatten, machten die beiden noch eine Probefahrt aufs Heeger Meer, um zu testen, wie stark sich evtl. Wasserübernahme bemerkbar machen würde. Ich legte mich solange an eine Dalbe uns las weiter in dem Klee-Buch "Die Welt ist noch weit".

Gegen 18 Uhr kamen sie zurück und wir machten dann für die Nacht in der Nobel-Marina "Stavoren" fest und nahmen uns nun endgültig vor, am nächsten Tag auf dem Ijsselmeer zu Segeln.

Hafengebühr: 14,50 E

sm: 10, ges. 34 sm

 

Sonntag, 24. Juli 2005

Strahlender Sonnenschein und absehbare Flaute erwarteten uns am nächsten Morgen. Um 10.10 Uhr machten wir uns auf zur Schleuse, erreichten diese um 10.20 Uhr und um 10.40 Uhr waren wir endlich auf dem Ijsselmeer.

Stundenlang dümpelten wir vor der Schleuse rum und machten nur ganz wenig Raum gut in 200 Grad Richtung Enkhuizen; ich vertrieb mir die Zeit weiterhin mit dem interessanten Klee-Buch. Gegen 15.00 Uhr spürte man dann schon der ersten Hauch, der sich in Kürze zu einem lauen Lüftchen und später noch zu einem tollen Segelwind entwickelte. Um 18.00 Uhr erreichten wir den vorbildlichen Hafen des schönen Städtchens Enkhuizen und mußten dort auf Grund des großen Andrangs ins Päckchen am Hauptsteg. Gegen 19 Uhr fing es wieder mal an zu regnen, der Himmel weinte aber auch zu Recht, denn für die 12 sm hatten wir geschlagenen 10 Stunden benötigt; motort wurde aber den ganzen Tag nicht, außer beim Schleusen und in der Hafeneinfahrt.

Hafengebühr: 10,50 E

sm: 12 = 36 ges.

 

Montag, 25. Juli 2005

Südöstliche Winde um 3, später abnehmend und Regenböen war die Vorhersage für diesen Tag, und wieder einmal kam es so, wie es uns Deutschlandradio auf 6005 Khz schon am Abend um 21.05 Uhr mitgeteilt hatte. Also konnten wir wieder unter Vollzeug rausfahren zu unserem auserkorenen Zielort Makkum ganz an der Nord-Ostecke des Ijsselmeeeres.

Schon um 9.00 Uhr legten wir ab und kamen mit einer leichten Raumschotsbrise recht gut voran. Gegen 15 Uhr dann wieder Flaute ohne Ende später gefolgt von dem vorhergesagten großen Regen. Entnervt schmissen wir die Außenborder an und fuhren in einen kleinen Hafen mitten in der Stadt, den wir schon von früheren Törns kannten. Um 16.30 Uhr machten wir fest und hatten nun genügend Zeit für eine ausgiebige Stadtbesichtigung.

Hafengebühr: 7,40 Euro

sm: 23 = ges. 59 sm.

 

Dienstag, 26. Juli 2005

Am heutigen Morgen verabschiedete ich mich von Ferdi und Toni, da diese am Mittwoch bereits wieder in Heeg slippen wollten und ich noch bis Freitagabend am Ijsselmeer bleiben konnte

Bereits um 9.30 Uhr legte ich ab und setzte schon im Hafen Groß und Genua I. Nach 30 Minuten hatte ich die lange Anfahrt aus der Stadt  bis zum Ijsselmeer bewältigt und konnte mit einem strammen Nordwest mein Tagesziel, das kleine Städtchen Urk, anlegen. Die ersten beiden Stunden lief es mit 5-6 Knoten auch recht ordentlich, doch leider ließ mich auch am heutigen Tag wieder einmal der Wind im Stich und so erreichte ich erst um 18.30 Uhr den Stadthafen von Urk. Da alle Plätze belegt waren, fragte ich bei einem netten Holländer bezüglich eines Platzes an seiner Seite an, was er auch sofort genehmigte. Es war ein sehr nettes Ehepaar, mit dem ich mich eine ganze Weile unterhalten habe und die mir noch viel Wissenswertes über Land und Leute erzählten. Sie selber waren am Markermeer zu Hause und verbrachten hier ihren ersten Urlaubsabend.

Ich hielt mich an ihre Empfehlungen und machte einen Streifzug durch die Gemeinde. Zum ersten Mal erlebte ich, dass es in einem Städtchen am Ijsselmeer auch Berge gibt, als ich hinauf zum Stadtkern wanderte. Am Hafen wollte ich auch  noch die riesigen Fischhallen besichtigen, doch leider war schon alles geschlossen. Die Gebäude machten aber auch einen etwas abgetakelten Eindruck, als wenn sich schon so ein leichtes Siechtum eingestellt hätte. Da ich inzwischen recht hungrig geworden war, besuchte ich eines der Fischlokale und aß mir eine leckere Portion.

Anschließend kehrte ich zum Boot zurück und machte es mir für den Abend gemütlich. Zuerst holte ich meine Klampfe hervor und spielte etwa eine halbe Stunde lang, dann schnappte ich mir ein Buch und las bis zum Einschlafen.

Hafengebühr: keine - als der Hafenmeister kam war ich nicht da, als ich bezahlen wollte, war er nicht da!

sm: 26 - ges. 85 sm.

Anfahrt auf Urk

 

Mittwoch, 27. Juli 2005

Als ich noch in der Koje lag, hörte ich schon das Pfeifen in den Wanten. Ruckzuck war ich auf den Beinen und marschierte zum Waschhaus. Anschließend ein gemütliches Frühstück, eine Thermoskanne schwarzen Tee vorrausschauend gekocht und schon war ich um 10 Uhr startklar. Im Yachthafen hatte ich 3 SPRINTA 70 liegen sehen und machte ihnen kurz die Aufwartung. An einer hing auch die Nationale am Heck, aber auf mein Zurufen meldete sich niemand. Also steuerte ich durch die enge Ausfahrt hinaus aufs Ijsselmeer. Dort empfing mich der Nordostwind mit satten 5 Windstärken und sehr starkem Nebel. Da es aber so windig war, setzte ich mal voraus, dass es sich bald aufklaren würde, was sich dann aber doch noch bis 15 Uhr dahinzog. Die Logge pendelte ständig um die sechs Knoten, es wäre ein wunderbarer Tag gewesen, wenn es nicht schon bald wie aus Eimern geschüttet hätte. Die Ankatrin schoß nur so am Wind dahin, es war eine reine Freude dieses flinke Schiffchen zu beobachten. Es schluckte die Wellen so einfühlsam, dass man sie fast überhaupt nicht spürte. Schon nach kurzer Zeit war ich völlig allein auf dem Meer. Bei dem Sauwetter fuhren wohl nicht die meisten raus und außerdem war es ja pottendicke neblig.

Der Regen und der stramme Wind kühlten mich so langsam aus und mir war recht kalt, obwohl ich mit Unterhemd, T-Shirt, dickem Wollpullover, Anorak und darüber noch den Overal recht warm angezogen war. Gott sei Dank hatte ich ja den heißen Tee, den ich gierig schlürfte und dabei reichlich Kekse und Zwiebäcke futterte.

Am Nachmittag klarte es dann zwar auf, aber der Regen blieb bis zum Einlaufen in den gleichen Hafen in Makkum, aus dem ich vor 2 Tagen gestartet war. Eigentlich hatte ich ja noch auf der Westseite des Ijsselmeeres bleiben wollen, aber dieser tolle Ritt am Wind war einfach zu verführerisch, das mußte ich ausnutzen, nachdem wir tagelang nur so rumgeeiert waren.

Kurz vor der Hafeneinfahrt überholte mich noch ein 14 Meter langer Oldtimer von Abeking & Rasmussen. Das war ein Pracht, wie der an mir vorbeizog. Als ich den Hafen erreichte, lagen sie am gleichen Steg wie ich. Gerne hätte ich so mal fotografiert, aber die 4 Segler hatten auf dem Vorschiff so eine blaue Kuchenbude aufgebaut, in der sie ihre nassen Klamotten warfen, mit diesem blöden Ding wollte ich den tollen Eindruck nicht versauen; so wollte ich das Foto am nächsten Morgen beim Ablegen machen.

Hafengebühr: 7,40 Euro

sm: 30 - ges. 115 sm

Bewährt hat sich für regnerische Tage die Abdeckplane über dem Großbaum.

 

Donnerstag, 28. Juli 2005

Nebel, Nebel, nichts als Nebel am nächsten Morgen. Also wurde erst einmal in Ruhe geduscht und gefrühstückt. Der leichte Nordwestwind schaffte es dann doch Gott sei Dank bis Mittag, den Nebel zu vertreiben. Gerade als ich den Müll zur Entsorgung trug, legte überraschend der Oldtimer ab und ich hatte meine Kamera nicht dabei, nun war ich doch sauer, dass ich nicht doch am gestrigen Abend, trotzt blauer Kuchenbude nicht doch noch ein Foto gemacht hatte.

Um 12 Uhr motorte ich los und nach 30 Minuten war ich wieder auf dem Ijsselmeer. Bei großer Flaute und guter Sicht wimmelte es heute nur so vor Booten. Um 14 Uhr war ich das Rumdümpeln leid und schmiß den Mercury an. Nach einer halben Stunde stellte ich dann wieder einen leichten Windhauch überm Wasser fest und drehte dem eisernen Gehilfen den Hahn zu.

So machten wir gemächlich Meile um Meile gen Süd und erreichten um 16 Uhr wieder einmal die Schleuse von Stavoren. Da sehr wenig Betrieb war kam ich ruckzuck durch und motorte hinüber in den Stadthafen, wo ich direkt neben der Tankstelle einen schönen und ruhigen Liegeplatz an der Dorfstraße fand.

Bei herrlichstem Sonnenschein machte ich es mir hier gemütlich und genoß die Abendstimmung am Kanal.

Vor mir hatte eine 36-Fuß-Yacht festgemacht, ein Elternpaar mit 2 Kindern und Schwiegertöchtern.  Auf dem Rasen bauten sie einen Grill auf und grillten die tollsten Sachen. Als ich diese Idylle fotografierte luden sie mich zum Essen ein, was mir gerade Recht kam (auch ein Vorteil des Einhandsegelns!).

Hafengebühr: 5,50 Euro

sm: 12 - ges. 127 sm

 

Freitag, 29. Juli 2005 (letzter Segeltag!)

Nun ging mein Einhand-Segeltörn langsam aber sicher zu Ende. Für Freitagabend hatte ich mich in der Marina Ottenhomme mit unserem Jugendwart Michael und seiner Freundin Lena  verabredete, denen ich mein Boot für 14 Tage kostenlos ausleihen wollte, da Michael eine wirklich gute Jugendarbeit leistet und als Student finanzielle nicht gerade auf Rosen gebettet ist. Er hatte sich dort mit 2 weiteren Clubjugendlichen Jörn mit Suse (Neptun 22) und Andreas (Dyas) verabredet, um gemeinsam die nächsten 14 Tage in Friesland oder auf dem Ijsselmeer zu verbringen.

Heute war zum ersten Mal auf meinem Törn so richtiges Segelwetter. Die Sonne strahlte mit meinem Gemüt um die Wette und der Wind pfiff moderat mit 3-4 Windstärken aus der richtigen Richtung; ich fegte nur so dahin über das Heeger Meer. Ich hatte mir schon fest vorgenommen, von Heeg aus noch einmal wieder am Wind zurück zu brettern, um diesen Tag so richtig bis zum Abend auszukosten. Da piepte mein Handy; am anderen Ende war Segelfreund Jörn, der bereits um die Mittagsstunde in Ottenhomme angekommen war. So blieb mir nichts anderes übrig, als nun doch schon vorzeitig den Törn zu beenden um Jörn beim Kranen und Aufriggen zu helfen. Als ich nur noch wenige Meter vom Hafen entfernt war hörte ich plötzlich hinter mir einen gellenden Pfiff. Beim Umschauen stellte ich fest, dass Andreas mit seiner Dyas ganz kurz hinter mir einlief, ebenfalls um seinem Freund bei Kranen zu helfen. Wenn ich das gewußt hätte, wäre ich natürlich noch auf dem Heeger Meer geblieben. Aber nun war die Sache mal geschnitten und nun mußte sie auch genäht werden.

Die Neptun 22 von Jörn und Suse

Natürlich hatte ich jetzt keine große Lust mehr, bis zum Abend auf das Eintreffen von Michael und Lena zu warten. Ich gab Suse noch ein paar Erklärungen für Michael und setzte mich dann gut erholt in meinen Wagen, um langsam und gemächlich damit nach Hause zu fahren.

So ist es mir bei mindestens 10-12 Besuchen in Lemmer u. U. zum ersten Mal gelungen, mit einer einzigen Tankfüllung von Oeventrop nach Friesland und zurück auszukommen.

sm: 11 - ges. 138 sm

 

Fazit:

Es war das erste Mal, dass ich alleine unterwegs war. Wie viele Gedanken hatte ich mir vorher gemacht, insbesondere über die Manöver vor den Brücken und in den Schleusen oder beim Einparken in der Box bei starkem Seitenwind.

Die Manöver in der Schleuse bzw. das Festmachen vor Brücken war eine meiner leichtesten Übung. Dank der Mittelklampe, die die Sprinta auf dem Kajütdach hat, ist das Festmachen geradezu ein Kinderspiel. Rechtzeitig hängte ich vor dem Einfahren in die Schleuse auf jeder Seite 2 dicke Fender aus und hatte auf den Mittelklampen meine Leinen befestigt (wo sie den ganzen Törn auch blieben!). Ich steuerte grundsätzlich in Luv an, legte die Leine um die Stange oder den Ring und zog das Boot einfach an die Schleusenmauer bzw. an das neben mir liegende Boot, wenn ich mal in die Mitte gesteckt wurde. Ein Anlegen in Lee habe ich so gut wie immer vermieden, da dann das Ablegen etwas komplizierter wird - dann muß man dem Boot am Bug einen kräftigen Schub nah Luv geben, damit man nicht an der Mauer entlang schrappt.

Das Anlegen in der Box war ebenfalls ein Kinderspiel, selbst bei starkem Seitenwind. Ich habe nicht ein einzig Mal Probleme beim Anlegen bzw. Festmachen gehabt.

Den ganzen Törn hatte ich vier Leinen an den Klampen am Bug und am Heck befestigt. Die Buchten hingen schön geordnet an der Reling. An den Enden der Heckleinen hatte ich große Palstecks geknotet.  Vor dem Manöver löste ich alle 4  aufgeschossenen Buchten und legte die Lose auf dem Vorschiff aus. Bei den Heckleinen zog ich eine große Bucht über die Reling und legte sie über die Genuawinschen. Das große Auge am End legte ich auf die Sitzduchten. Natürlich waren alle Fender angebracht und lagen auf dem Deck. Grundsätzlich fuhr ich die Boxen schräg von Lee nach Luv an (auch bei vor- oder achterlichem Wind!). Dadurch kommt man mit der Leeseite zuerst an die Dalbe. Sah ich, dass meine Leinenlänge für einen Slip reichten, nahm ich die Bucht von der Genuawinsch und legte sie locker über die Dalbe, das Auge am Ende legte ich über die Heckklampe wobei ich gleichzeitig die Fender mit den Füßen von Bord stieß (sah ich aber, dass die Leinen bei einer großen Box nicht reichen würden, dann legte ich das Auge über die Dalbe). Da ich leichte Fahrt voraus machte kam ich einige Sekunden später an der Luvdalbe vorbei und verfuhr hier genau so, wie auf der Leeseite. Dann ging ich zum Vorschiff (manchmal mußte ich noch mal mit der Pinne kurz gegensteuern), nahm die Luvleine und sprang auf den Steg (manchmal mußte ich auch noch etwas Abbremsen) und machte das Schiff fest, zuerst mit der Luv- später dann mit der Lee-Leine. Da ich auf jeder Seite 2 dicke Fender ausgebracht hatte, spielte es auch überhaupt keine Rolle, dass das Boot mit dem Heck nach Lee getrieben wurde. Die Leinen waren ja an den Heckklampen festgesetzt und die Fender schützten mein Boot und das Boot des Nachbarn. Nachdem ich vorne festgemacht hatte ging ich zügig wieder nach hinten und holte die beiden Achterleinen gleichzeitig dicht und fertig war die Laube.

Mehrfach hörte ich, wie Leute auf den Stegen sagten: "Hast Du das gesehen, wie der angelegt hat!". Es war wirklich einfach und der Einhandtörn hat für mich jeden Schrecken verloren.

Die Sache mit dem Alleinsein war richtig erholsam. 10 Tage tun und lassen was man will. Wann man will, wohin man will, keine Fragen warum, weshalb, wieso? Es war einfach so Klasse, dass ich nur noch einen mitnehme, wenn ich es nicht mehr verhindern kann (Spaß!). 

2 Bücher von Ursel und Friedel Klee habe ich in der Zeit gelesen - mein Akku ist total voll!

 

Ende

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einhand-Skipper Molly

Ferdi mit dem reparierten Motor