Buchtenbummeln an der Cote dÁzur Törnfotos
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Öfter mal wieder reinschauen

Donnerstag, 19. Mai 2005

Pünktlich wie die Maurer erschienen Paul und Kallemann um fünf Uhr in der Früh vor meiner Haustür um mich abzuholen. Schnell waren Gepäck und ich im Audi verstaut und nach nur 30 minütiger Fahrzeit erreichten wir den Flughafen Dortmund, wo bereits die A 319 des Billigfliegers easyjet auf uns wartete.

Genau so pünktlich wie unserer Fahrer war auch unser Pilot und Punkt 9 Uhr hob die fast neue Maschine vom Boden ab und düste mit uns in Richtung Nizza.

Nach nur 80-minütigem Flug entstiegen wir bei herrlichstem Wetter dem Flugzeug, nahmen schnell unser Gepäck in Empfang, übernahmen bei Europcar den angemieteten Leihwagen für die One-Way-Tour nach Port Grimaud und erfreuten uns schon auf der Anfahrt am herrlichen Panorama der herrlichen Cote dÁzur.

Nach gut eineinhalb Fahrstunden erreichten wir Port Grimaud, wo Segelfreund Paul seinen Schärenkreuzer S 30 vor seiner Wohnung liegen hat.

Die rassige "Speedy"

Nachdem wir das Boot fertig gemacht hatten und unser Gepäck an Bord verstaut hatten fuhren wir mit dem Leihwagen zum nahe gelegenen Supermarkt, um den Proviant für die nächsten 12 Tage einzukaufen. Da Paul sich in Port Grimaud wie zu Hause auskennt, waren die organisatorischen Dinge nicht mehr als nur ein Kinderspiel.

Um 15.30 Uhr tranken wir an Bord unserer "Speedy" gemütlich Kaffee. Anschließend fuhr ich mit dem Leihwagen ins nahe gelegene St. Tropez, um den Wagen dort bei Europcar abzugeben. Paul und Kallemann wollten mich dann mit "Speedy" dort am Hafenparkplatz anholen. Unter Vollzeug erreichten sie bei einer herrlichen Backstagbrise das vereinbarte Ziel schneller als ich, der ich nur mühsam im Berufsverkehr voran kam.

Nach rund einer Stunde sahen wir uns dann wieder und ich ging zum ersten Mal mit "Speedy" aufs Wasser. Ich war sofort tief beeindruckt von dieser rassigen Schönheit. Mit ihren 12,50 x 2,50 wirkt sie auf dem Wasser wie ein an beiden Seiten angespitzter, langer Bleistift mit Segeln.

Dieses Boot ist ein echter "Hingucker"; wo wir auch auftauchten, wurden die Blicke auf uns oder besser gesagt auf "Speedy" gerichtet. Mehrfach wurden wir auf unser Boot angesprochen, dass vom Innenraum zwar keine Bavaria oder Wohnwagen ist, dafür aber von außen eine besonders anmutige Schönheit und ein Renner der Extraklasse.

Um 18.45 waren wir wieder in Port Grimaud, wo Kallemann einen ganz vorzüglichen Hähnchenbräter kennt, den wir natürlich aufsuchen mußten, um uns mit einem in Knoblauchsoße gebratenem Federvieh zu stärken.

Rechtschaffen müde legten wir uns schon gegen 21.30 Uhr in die Kojen, um für den ersten Fahrtag fit zu sein.

Kallemann verbrachte allerdings eine unruhige Nacht, da er zigmal versucht hatte seine "Schnubbel" telefonisch zu erreichen, diese aber nicht ans Telefon ging. Fast hätte er SOS gefunkt!

Tagesstrecke: 8 sm

 

Freitag, 20.5.2005

Nach einem reichhaltigen Frühstück legten wir um 9.50 in Port Grimaud ab. Ein genaues Tagesziel hatten wir uns noch nicht vorgenommen, wir wollten erst einmal aus der Bucht von St. Tropez kreuzen, um draußen Wind und Wellen mit in unsere Planung einzubeziehen.

Gegen 11 Uhr stand für uns fest, dass wir bei dem vorherrschendem Ost-Wind unseren Kurs erst einmal nach Westen richten sollten. Auf Raumschotkurs zeigte "Speedy" auch gleich was in ihr steckt. Bei 2 Windstärken liefen wir unter Spinnaker mehrfach über 5 Knoten!

Gegen 19.00 Uhr erreichten wir die Insel Port Crosse, wo wir in einer wunderschönen Bucht für die Nacht an einer Boje festmachten..

Fest vertäut an einer Boje

Nachdem Kallemann uns ein deftiges Abendessen serviert hatte machten wir einen Spaziergang über die zauberhafte Insel und fühlten uns beim Anblick von oben wie auf Hawaii oder in der Karibik, wo es wirklich nicht schöner sein kann.

Unserem Freund Kallemann ging es inzwischen auch wieder besser, hatte ihm doch sein Freund Berthold endlich seine "Schnubbel" ans Telefon geschleppt. Sichtlich erleichtert genoß er den Rest des Abends mit uns und dem eingekauften Rotwein.

Tagesstrecke: 40 sm

 

Samstag, 21.5.2005

Da unser heutiges Tagesprogramm nur eine kurze Strecke von ca. 10-15 sm vorsah, machte Skipper Paul nach dem vorzüglichen Frühstück erst einmal einen Motor-Check. Somit verließen wir die wunderschöne "hawaiianische" Ankerbucht auf Port Cross erst um 11.20 Uhr. Nach 5 Minuten konnten wir schon die Maschine abstellen und unter vollen Segeln Kurs auf Port Porcerolles nehmen. Um Punkt 12 Uhr holten wir den riesigen Spinnaker raus und ließen ihn bis kurz vor dem Anleger in einer weiteren traumhaften Bucht stehen. Kallemann freute sich schon auf seinen bevorstehenden Tauchgang, hatte er doch vor 2 Jahren in dieser traumhaften Bucht ein altes Wrack entdeckt, was ihm auch den Spitznamen "Galleren-Kalle" einbrachte.

Vor dieser wunderschönen Kulisse wurde erst einmal ein kräftiger Kaffee gekocht und mit diesem gemeinsam die leckeren Schokoladenplätzchen vertilgt. Wegen der unklaren Wetterverhältnisse holten wir den Anker anschließend wieder ein, um uns im nahe gelegenen Hafen in der Capitanerie die neuesten Wetterdaten zu holen. Wäre es bei dem angekündigten Mistral geblieben, hätten wir uns in den Hafen verholt.

  Die Zitadelle

Anschließend machten wir ganz beruhigt einen Bummel über die Insel, besuchten die Zitadelle und versorgten uns an den zahlreichen Obstständen mit frischen Früchten.

Gegenüber am Steg lag ein wunderbar restaurierter 2-Master, der gut und gerne seine 50 Jahre auf dem Buckel hatte. Das Schiff war in einem traumhaften Zustand und es machte uns Spaß, unsere Augen über die einzelnen Details schweifen zu lassen.

Der tolle Zweimaster

Am anderen Ende des Stegs lag allerdings das grasse Gegenteil:

Ein Schandfleck

Da die Wetterprognose beim Capitain moderat ausfiel, machten wir uns wieder auf zur Ankerbucht, wo inzwischen an die 30 Boote vor Anker lagen. Kallemann, der am Nachmittag erfolglos die Unterwasserwelt abgesucht hatte, unternahm nun einen erneuten Versuch, das alte Wrack zu finden; leider blieb auch dieser Tauchgang erfolglos.

"Speedy" in der Ankerbucht

Paul und seine "Speedy"

Sieht auch nicht schlecht aus, denkt sich Paul - wo er Recht hat, hat er Recht! Oder?

Den Abend verbrachten wir gemütlich im Cockpit unseres Schärenkreuzers, der "fast" genau so edel aussieht, wie der obige Zweimaster!

Tagesstrecke: 13 sm

 

Sonntag, 22.5.2005

Um 7.15 Uhr erwischten wir Kallemann schon wieder bei der Schatzsuche. Dass er das Wrack nicht wieder fand machte ihn stinksauer und um sich abzureagieren, unternahm er einen Dauerlauf am nahe gelegenen Strand. Zwischendurch düngte er auch nach eigenen Angaben noch den Weinberg.

Da wir heute rund 40 Meilen vor der Brust hatten, legten wir nach dem Aufstehen um 9.00 Uhr gleich ab und nahmen das Frühstück unterwegs zu uns. Der Wind stand gut für uns und mit Raumschotkurs steuerten wir den Hafen von Cassis an.

Um 13.30 Uhr meldete Kallemann einen "kranken" Delphin an Backbord.

Um 14.50 Uhr sichtete der gleiche Kallemann ein unbekanntes, gelbes Objekt. (Heute war wirklich nicht Kallemanns Tag!).

Riesen Felswand vor Cassis

Inzwischen hatten wir die Genua ausgebaumt und unsere Logge pendelte ständig zwischen 7 und 9 Knoten. Etliche Male erreichten wir 10 und 11 Knoten und einmal im Surf sogar 13; man, was waren wir happy!

Im Hafen von Cassis

Traumhaftes Schlößchen

Am Strand von Cassis

Um 15.30 Uhr erreichten wir diesen herrlichen Badeort und bekamen sofort den ersten Liegeplatz in der Hafeneinfahrt zugewiesen. Zuerst befürchteten wir enormen Schwell durch die vorbeifahrende Boote, es hielt sich allerdings in Grenzen, da sehr moderat und auch wenig gefahren wurde. Eigentlich wollten wir ja in der Calanques Miou ankern; ein deutscher Stegsegler sagte uns aber, dass es dort rappelvoll sei und wir keinen Platz mehr bekommen würden. Also beschlossen wir, in Cassis zu bleiben. Wir besichtigten das herrliche Städtchen und suchten uns für den Abend schon mal ein schnuckeliges Restaurant aus. Hier wollten wir den NRW-Wahlsieger feiern, egal, wer es denn auch sein würde!

Prost auf den Wahlsieger!

Das Menü:
                                              *****
Vorspeisen: Feuerige Oliven mit einer Sauce und Weißbrot
                                              *****
Fischsuppe (püriert) - Kallemann war nicht zufrieden: "Die macht mein "Schnubbel" besser! Bei uns sind da Stückchen drin!
                                              *****
Hauptgang: Gegrillte Dorade mit Kartoffeln und Salat
                                              *****
Dessert: Paul und ich nahmen ein Eis-Zitronen-Sorbee mit hochprozentigem Schnaps. Kallemann nahm so eine Puddingpampe.
                                              *****
Getränke: Paul und ich einen Wein aus der Provence; Kallemann "Heineken-Bier"!
                                              *****
Heute war wirklich nicht Kallemanns Tag!

Abgerundet wurde das "Rüttgers-Menü" mit einem Espresso.

Tagesstrecke: 40 sm

 

Montag, 23.5.2005

Im Laufe des Vorabends hatte es schon kräftig angefangen zu stürmen und in der Capitanerie erfuhren wir am heutigen Morgen, dass für den Tag 8 Windstärken angesagt waren. Somit wurde dies ein Ruhetag der ganz besonderen Art. Da die Einfahrt zur Calanques Miou in unmittelbarer Nähe des Hafens lag und die Strecke gut abgeschirmt in Lee der steilen Küste verlief, verließen wir unter Motor den gastlichen Hafen und steuerten die Calanques an. Es dauerte keine halbe Stunde bis wir die geschützte Einfahrt fanden und was wir sahen, verschlug uns fast die Sprache. Ein traumhafter Fjord schlängelte sich durch senkrecht ansteigende Felswände und wurde immer enger, je weiter wir hinein fuhren. Dies war der ideal Platz, um den Mistral abzuwettern. Zwar hatte man den Eindruck, als wenn alle Stegliegeplätze belegt wären, doch hier und da tat sich immer wieder eine Lücke auf, um eine Mooringleine zu erwischen.

In der Calanques Miou

Hinweistafel mal in deutsch

Nachdem alles wieder verstaut und das Schiff verschlossen war machten wir uns auf, um 2 oder 3 Calanques, die sehr nah beieinander liegen, zu erwandern. Wir mußten sehr steile Berge erklimmen, um sie zu erreichen; man muß aber sagen, dass sich die Mühe auf jeden Fall gelohnt hat, denn traumhafte Aussichten, die sich schon nach wenigen Schritten wieder völlig anders darstellten belohnten uns für diese ausgedehnte Wanderung über Stock und Stein. Es wird ein unvergeßliches Erlebnis für uns alle bleiben. Teilweise schauten wir aus über hundert Metern Höhe in die Fjorde, es verschlug einem fast die Sprache angesichts dieser Naturschönheiten. Wer hierher kommt, sollte diese Wanderung unbedingt machen; auch wenn er wie ich dabei mit 3 dicken Blasen an den Füßen zurückkommt!

Einfahrt in den Fjord

Über hundert Meter tief

Am Spätnachmittag kehrten wir zum Boot zurück und luden die verbrauchten Kalorien mit Ravioli und Nudeln wieder auf.

Später stellten wir fest: Portwein leer, Sherry leer, Bier fast weg, der Rosé nur noch ein Rinnsaal.

Also, ab in die Koje und auf zu neuen Taten!

Tagesstrecke: 1 sm

 

Dienstag, 24.5.2005

Unser heutiges Tagensziel war die Stadt St. Mandrier. Da sie ca. 35 Meilen entfernt lag, machten wir uns bereits um 8.10 Uhr auf den Weg. Heute mußten wir unbedingt eine Stadt anlaufen, da uns einige Getränke ausgingen und vor allem sich unser Campinggas brutal dem Versiegen näherte.

Eigentlich wollten wir ja am Morgen in der Calanques Miou frühstücken, doch leider war es hiefür einfach zu kalt. Durch die schmale Schlucht pfiff ein herrliches Windchen, genau passend für unseren Kurs, da ließen wir Speedy vor dem Wind ablaufen und machten mal wieder Frühstück unterwegs.

Leider schlief der Wind dann nach und nach ein und wir motorten zur Stadt Bandol, die auf unserem Wege lag; vielleicht konnten wir ja hier schon das dringend benötigte Gas bekommen. Wir latschten bei brüllender Hitze in der ganzen Stadt herum, wurden aber leider nicht fündig. Fündig wurde dafür aber wieder mal Kallemann, als wir an einem gerade endenden Markt vorbeikamen. Achtlos hatte ein Händler ein paar neue Klamotten an den Rand geworfen und nach echt orientalischer Art stürzte Kallemann darauf zu, um für seine Renate fette Beute zu machen. Wie die spätere Modenschau an Bord aber zeigte, paßten der geliebten "Schnubbel" nicht alle Klamotten, so konnten Paul und ich für unsere Frauen auch noch einen Fummel abstauben, den wir später zuhause als teures Mitbringsel deklarierten.

 

Kallemann als Dressman

Nachdem wir uns in der Stadt erst einmal gestärkt hatten, machten wir uns mit Speedy wieder auf den Weg, um unser nächstes Ziel, die Stadt St. Mandrier zu erreichen.

Hatten wir am Mittag schon einmal viel Erfolg beim Schnäppchenmarkt gehabt, so bekamen wir am Nachmittag eine stundenlange, kostenlose und hautnahe Vorführung des Trainings von Wasserflugzeugen, die bei den  Waldbränden an der Cote dÀzur eingesetzt werden. Pausenlos donnerten sie um unsere Speedy herum, nahmen Wasser auf und ließen es Sekunden später wieder ins Mittelmeer zurückrauschen. Es war eine prächtige Flugschau, die die beiden Piloten uns da über eine Stunde mit Sicht aus der ersten Reihe boten. "Steven" wie wir unseren dauerfilmenden Kallemann inzwischen nannten, hat alles wunderbar mit der Videocamera festgehalten wie auch das nun folgende Schauspiel:

Heute war wohl bei der französischen Marine "Tag der Offenen Tür" - zu unserem Glück hätte jetzt nur noch die Musik aus dem Waldheim-Film "Das Boot" gefehlt, denn plötzlich rauschte nur wenige hundert Meter neben uns ein U-Boot (natürlich auf dem Wasser!) vorbei. Eskortiert wurde das U-Boot von zahlreichen Zerstörern, Panzerkreuzern und Schnellbooten, die allesamt mit sehr viel Publikum in Zivilkleidung besetzt waren. Es war so richtig was los auf dem Wasser, wir mußten uns teilweise durchmanöverieren wie in der Vorstartphase einer Regatta.

Es war viel los

Gegen 19.30 Uhr legten wir an diesem kurzweiligen Tag, der uns wenig Wind aber viel Programm gebracht hatte, im Hafen von St. Mandrier an.

Da wir heute noch nicht viel getan hatten, reinigte Kallemann das Boot, Paul polierte es und ich badete meine geschundenen Füße im warmen Mittelmeerwasser. (Eigentlich war ich ja zum Segeln mitgefahren und nicht zum Wandern!).

Blasenbekämpfung

In der Plicht verzehrten wir dann am Abend den herrlichen Braten, den wir am Mittag auf dem Markt in Bandol eingekauft hatten. Eigentlich sollte es nur für eine kleine Zwischenmahlzeit sein; da Pauls Daumen und Zeigefinger sich beim Abschneiden aber immer weiter auseinander bewegten und die Verkäuferin dieser Bewegung mit dem scharfen Messer nachvollzog, wurden die drei Scheiben Rollbraten so dick, dass wir 2 Tage daran gegessen haben!

Wie Max und Moritz ließen wir uns nach der Abendmahlzeit auf den Rücken fallen, um den ausgezeichneten Braten zu verdauen!

 

Tagesstrecke: 17 sm.

 

Mittwoch, 25.5.2005

Am heutigen Tag wurde mein jüngste Tochter, die Angela 20 Jahre alt. Natürlich mußte ich sie von Frankreich aus zu diesem Ereignis anrufen und ihr herzlich gratulieren. Da sie aber am Morgen schon 16 Gäste erwartete, ist ihr mein Fehlen sicherlich nicht sonderlich aufgefallen.

Da wir heute nur wieder rüber nach Port Porquerolles wollten, ließen wir es am Morgen etwas ruhiger angehen.

Wir legten um 9.45 Uhr ab und mußten schon nach 15 Minuten ein Ausweichmanöver fahren, da vor unserer Nase ein Zerstörer von einem kleineren Lotsenboot aus dem Hafen geschleppt wurde.

Auch heute waren wieder zahlreiche Militärschiffe unterwegs, die uns die Langeweile auf dem heutigen Törn vertrieben, denn so richtiger Wind für unsere heiße Speedy war das heute wieder nicht.

Um 15.00 steuerten wir den Hafen an und machten erst einmal sicherheitshalber wieder den Tank voll (die Speedy brauchte in der Stunde nur 1 Liter, das war echt super!). Paul und Kallemann gingen wieder auf Einkaufstour, brachten aber lediglich Brot und Mineralwasser mit (wieder kein Wein und kein Gas!). Aber dafür hatte Paul eine Flaschen feinsten Pastiz erstanden, über den wir uns dann hermachten.

Um 16.45 verlegten wir Speedy wieder in die Ankerbucht, wo Kallemann sich sofort wieder auf Schatzsuche begab (natürlich wieder ohne Ergebnis!).

Gegen 21.00 Uhr erlebten wir einen traumhaften Sonnenuntergang, den wir natürlich in Film und Foto festhielten.

Tagesstrecke: 17 sm

 

Donnerstag, 26.5.2005

Bereits um 7.00 Uhr stand Kallemann schon wieder senkrecht im Bett und störte den Morgenschlaf seiner Mitbewohner. Schon wieder trieb es ihn hinaus zum angeblichen Wrack.

Kurz vor Acht kam er unverrichteter Dinge wieder mit dem Dingi zurück um sich die Videocamera für seinen morgendlichen Landausflug zu holen. Am gestrigen Abend hatte Paul noch in Erfahrung gebracht, dass die von Kallemann entdeckte Galeere wegen Preisgabe des Fundortes durch Kallemann gehoben wurde und nun restauriert in St. Mandrier für Ritterspiele bereit liegt (siehe Foto unten)!

Da auch an diesem Morgen noch Flaute herrschte hatten wir es mit dem Ablegen nicht so eilig und schmissen gegen 9.00 Uhr den Volvo an. Die Flaute begleitete uns bis 10.30 Uhr, da konnten wir endlich wieder unter Vollzeug segeln.

Paul hatte in der Zwischenzeit einige Arbeiten durchgeführt, so z.B. den Abbau der alten GPS-Antenne, die er nicht mehr benötigt, da sein neuer Kartenplotter (tolles Ding!) eine eingebaute Antenne besitzt.

Der Wind frischte weiter auf und um 11.00 Uhr banden wir Reff I ins Groß. Mit 6-8 Knoten am Wind sausten wir Richtung Port du Lavandou und erreichten den Hafen um Punkt 12.00 Uhr. Da der Hafenmeister wohl schon auf dem Ohr lag, um seinen verdienten Mittagsschlaf zu halten, machten wir Speedy längsseits an einem Dauerlieger fest und machten uns auf, Lavandou auf Schusters Rappen zu erkunden. Da wir zufällig im ersten Shop unsere dringend notwendigen Gaskartuschen entdeckten und unseren Bedarf dort natürlich deckten, gingen wir zum Schiff zurück und haben uns erst einmal eine anständige Pfanne voll Rührei mit Speck genehmigt.

Um 14.00 Uhr kam der Hafencapitän zurück und teilte uns leider einen Platz ganz außen an der Mole zu, was immer mit sehr langen Fußmärschen verbunden war. Für diesen miesen Platz mußten wir auch noch 32 Euro bezahlen und fürs Duschen noch mal 2 Euro pro Person extra. Nun, gemessen an den Sanitäranlagen in Deutschland oder Holland kann man den Franzosen hier maximal eine 4-5 ins Zeugnis schreiben, was nicht nur für Lavandou, sondern für alle von uns besuchten Häfen gilt!!!

Den Nachmittag und Abend verbrachten wir mit Kaffeetrinken, Schlafen, Lesen, Telefonieren, SMS-schreiben und einem weiteren Spaziergang ins Städtchen.

Da Kallemann uns am Morgen schon so früh geweckt hatte, gingen wir schon um ca. 22.30 Uhr in die gemütlichen Kojen.

 

Freitag, 27.5.2005

Paul, unser Professor, Dr. und Dipl.-Ing. arbeitet natürlich immer sehr wissenschaftlich und penibel, so ist es auch kein Wunder, das er seit dem Erwerb seiner geliebten Speedy jede Fahrt in sein großes Logbuch einträgt, selbst dann, wenn er nur eben mal von Port Grimaud nach St. Tropez fährt und dort Brötchen holt; alles wird genauestens registriert und festgehalten. So hatten Kallemann und ich das große Vergnügen schon am Frühstückstisch zu erfahren, dass nun heute Speedys 100-ste Ausfahrt anstand -und wir durften dabei sein!

Um 9.30 Uhr legten wir ab Richtung Port Cross. Wegen Flaute konnten wir die Segel leider erst wieder gegen 11.30 Uhr setzen (morgens ist hier immer tote Hose!). Da es Gott sei Dank immer mehr auffrischte, machten wir wieder richtig Speed und Speedy schoß nur so dahin. Paul schnappte sich die Videocamera und machte tolle Aufnahmen von unserem Ritt.

Wegen des schönen Windes strichen wir Port Cross als Tagesziel und nahmen Kurs auf Cavalaire. Direkt in der Bucht vor dem Hafen am nahen Sand- und Badestrand ließen wir den Anker fallen. Kallemann baute den Außenborder ans Dingi und wir beiden fuhren die ca. 500 m hinüber zum Hafenmeister und um in der Stadt einige Besorgungen zu erledigen. Da es recht stürmisch war und ein entsprechender Seegang in der Bucht herrschte, kamen wir um einen nassen Hintern nicht herum.

Großer Schreck als wir vom Einkauf zurückkamen: das Dingi war weg!

Boot weg - Brot da!

Dem Hafenmeister war es wohl ein Dorn im Auge! Obwohl wir es abseits an einem leeren Steg festgemacht hatten, verlegte er es in den letzten Winkel des Hafens. Natürlich waren wir froh, dass wir nun wieder komplett waren, nachdem wir es entdeckt hatten.

Bei unserem Bummel durch die Stadt fielen uns die vielen Boul-Plätze auf, auf denen die Franzosen ihrem Volkssport mit Begeisterung nachgehen.

 

Am späten Abend stellten wir in der Dunkelheit weit draußen plötzlich eine große gelbe Tonne fest, die dort am Nachmittag noch nicht gelegen hatte. Unser Adrenalin-Spiegel stieg schlagartig an, als wir drei uns darauf einigten, dass es sich wohl um eine Regatta-Tonne handelt. Also durften wir am nächsten Morgen nicht zu spät aufstehen, da wir uns in das Feld einklinken wollten.

Etwas unruhig schaukelnd verbrachten wir dann eine angenehme Nacht vor Anker in der Badebucht.

Unsere Ankerbucht

 

Samstag, 28.5.2005

Heute stand uns nun der letzte ganze Segeltag bevor; was kann es da für begeisterte Regattasegler noch Schöneres geben, als an einer solchen teilzunehmen, wenn auch außer Konkurrenz.

Wir hatten also am Vorabend richtig beobachtet und vermutet, denn während wir beim reichhaltigen Frühstück saßen bemerkten wir, wie sich plötzlich Boot um Boot um die Felsnase geradewegs auf die ausgemachte Tonne und damit auch direkt auf uns zu schob. Unsere Backen kauten, was das Zeug hergab, denn wir wollten unbedingt mitfahren. Schnell verstauten wir Teller und Tassen in der Spüle und machten Speedy startklar. Langsam und behutsam näherten wir uns dem Regattafeld, hielten uns immer respektvoll in Lee des Feldes auf um kein Boot zu behindern, da wir mit unserem nachgeschleppten Dingi ohnehin keine großen Chancen hatten, machten allen bereitwillig Platz und reihten uns dann in die lange Perlenschnur der rund 60 High-Tech-Renner ein. Da alle Racer "bis an die Zähne bewaffnet waren", (mit unseren weißen Segeln fielen wir sofort auf unter all den gelben und schwarzen Kevelar-Segeln) wurden wir natürlich Boot um Boot durchgereicht, da für unsere Speedy einfach nicht genügend Wind an diesem Tage herrschte. Stunde um Stunde fuhr Paul bei sengender Sonne unser Boot unter Spinnaker Richtung Heimathafen, erfreulicherweise ließen wir die Durchschnittsboote aber alle hinter uns. Da das Feld sich immer mehr in Richtung St. Raphael nach Steuerbord orientierte verließen wir bei der Ansteuerungstonne zur Bucht von St. Tropez das Regattafeld und segelten zur berühmten "Milliönärsbucht", die gleich um die Ecke des berühmten Badeortes liegt und dessen Wohngebiet für die Reichen und Schönen hermetisch abgeriegelt wird.

Wir suchten uns ein ruhiges Plätzchen in der Ankerbucht und ruhten uns aus vom vielen Nichtstun, denn an diesem heutigen Tag hatte uns nicht die Arbeit, sondern allein die Sonnen mürbe gemacht.

Kallemann machte sich gegen Abend das Dingi startklar und paddelte zum Strand und besichtigte dort ein Motor-Rennboot und einen Segel-Oldtimer.

Mit Einbruch der Dunkelheit begannen auf den um uns herum ankernden riesigen Motoryachten (fast alle unter englischer Flagge) die Partys. Wir konnten beobachten, wie junge Mädchen vom Strand mit kleinere Motorbooten von "Lotsen" an Bord gebracht wurden.

Laute Musik bis weit nach Mitternacht dröhnte durch die Bucht; für alle Ruhesuchenden war das schon mehr als ätzend. Trotzdem fanden wir nach ein paar Gläschen Wein den erwünschten Schlaf und genossen die letzte Nacht auf dem Wasser und der uns inzwischen sehr vertrauten Speedy.

 

Sonntag, 29.5.2005

Am heutigen Morgen hieß es so langsam Abschied nehmen. Nach dem Frühstück setzten Paul und Kallemann mich an der Mole im Hafen von St. Tropez ab, da ich dort bei Europcar wieder einen bereits gebuchten Leihwagen abholen wollte. Der Schreck war groß, denn die Eingangstür war verschlossen und an der Tür hing ein Schild, dass sonntags das Büro geschlossen sei. Mein Blick irrte suchend umher, von wo ich wohl Hilfe erwarten könnte, da ich kaum ein Wort französisch spreche. Ich machte mich auf in ein gegenüberliegendes Restaurant, um dort Erkundungen nach dem Personal anzustellen. Gerade als ich meinen Fuß über die Türschwelle setzte kam ein junger Franzose und sprach mich an. Er deutete zum Büro und dann auf sich und bat mich mitzukommen. Als ich ihm dann meine Papiere zeigte ging alles ruckzuck und ich konnte mit dem Leihwagen zur Anlegestelle von Speedy fahren. Heute hatte ich das Rennen gewonnen und mußte doch noch eine ganze Weile auf Paul und Kallemann warten, bis sie endlich in den Kanälen von Port Grimaud auftauchten.

Wir räumten das Boot aus, reinigten es, verstauten das Dingi, spritzen Boot und Segel mit Süßwasser ab, reinigten Anker, Kette und Leine mit Süßwasser und versteckten zum Abschluß die  Speedy unter ihrer Persenning, um sie vor den sengenden Sonnenstrahlen des nun kommenden Sommers zu schützen.

Mit dem Leihwagen fuhren wir zu Pauls Strandwohnung, wo wir den Rest des Tages verbrachten und genossen den Abend in der gemütlichen Wohnung, von der aus man einen herrlichen Blick über die Bucht von St. Tropez hat.

Es war schon fast zwölf Uhr, als wir uns in die bequemen Betten legten.

 

Montag, 30.5.2005

Die Zeit bis 4.30 Uhr verging wie im Flug, da rappelte schon der Wecker und mahnte uns zum Aufstehen, denn um 9.15 Uhr ging unser Flieger ab Nizza wieder Richtung Dortmund, und den wollten wir auf keinen Fall verpassen. Wir erledigten schnell unsere Morgentoilette, verpackten unsere restlichen Gepäckstücke im Wagen und fuhren über die leere Autobahn zum Flughafen. Schnell wurde noch der Leihwagen vollgetankt und abgegeben, dann gingen wir zur Abfertigung und nahmen in der Wartehalle ein kleines französisches Frühstück zu uns.

Bei strahlendem Sonneschein und über 20 Grad stiegen wir in Nizza in die Maschine und bei grausamen 7 Grad stiegen wir in Dortmund aus; wir wären am Liebsten sofort wieder zurückgeflogen!

 

Nachbetrachtung:

Über die Einladung meines Segelkameraden Paul zum Segeltörn auf seinem Schärenkreuzer 30 S hatte ich mich sehr gefreut. Nach vielen Törns in Holland und der Ostsee hatte ich erstmals die Möglichkeit, auf einem nordischen Klassiker im Mittelmeer zu segeln. Meine Erwartungen an dieses Revier waren selbstverständlich hoch, kannte ich das Mittelmeer doch von zahlreichen Urlaubsfahrten. Nach diesem Törn muß ich sagen: "Es war viel Schöner, als ich es mir vorgestellt hatte!"

Zum einen war das Team einmalig, in dem über 12 Tage immer nur die beste Stimmung herrschte - das Wetter tat das Übrige dazu - endlich mal Wärme nach rund 7 Monaten sauerländischer Kälte - auch die Verpflegung war vom Feinsten und dann natürlich noch die rassige "Speedy", die jeden begeisterten Segler in Verzücken geraten läßt!!!

Ich wußte, dass "Speedy" kein Wohnwagen war, auf dem ich da die Tage verbringen würde - aber die Geräumigkeit des Schiffes war, wenn man sein Äußeres betrachtet, doch erstaunlich groß. Die Vorschiffskoje bietet locker 2 erwachsenen Personen richtig viel Platz und im Salon ließ es sich zu Dritt auch ganz komfortabel leben. Das Cockpit war ohnehin groß genug für uns. Als Steuermann hatte man stets eine eigene Zone und auf dem Vor- und Achterschiff bot sich bei 12,50 m Länge jede Menge Platz zum Ausruhen oder Sonnenbad.

"Speedy´s" Segeleigenschaften waren phantastisch!!! Auf Vorwindkursen liefen wir bei 2 Windstärken 5 Knoten, bei 3 Windstärken schon 6-7 Knoten und bei etwas mehr Wind sogar 10-13 Knoten, da jubelt das Seglerherz. Auf Amwindkursen überzeugte der schwedische Schärenkreuzer durch seine unglaubliche Höhe (Wendewinkel von ca. 38 Grad!) und eine Kursstabilität, die einfach unglaublich war. Selbst wenn man die Pinne einfach losließ, lief das Boot ohne Abweichungen seinen eingestellten Kurs, selbst wenn man dabei auf dem Boot herumlief. Gott sei Dank sind wir nie in einem Sturm oder Gewitter geraten, darüber waren wir natürlich froh, aber mit "Speedy" hätte ich auch keine Bedenken gehabt, soviel Vetrauen flößt einem diese rassige Schönheit ein.

Und dann natürlich das Revier! Schon vor der Reise hatte mir ein Mittelmeerkenner gesagt, das dies die schönste Küste des Mittelmeeres sei - und er hat nicht übertrieben! Unzählige Male fühlte ich mich wie auf Hawaii oder Morea, schöner kann es dort einfach nicht sein. Diese unzähligen herrlichen Ankerbuchten, die verträumten Inseln mit ihren vielen Ankerplätzen und den tollen Wandermöglichkeiten, der sich ständig verändernde Küstenverlauf und die phantastischen Küstenstädte, in denen man sofort wohnen möchte. Die tollen Restaurants und öffentlichen Plätze, auf denen die Franzosen ihren Volkssport, das Boulen betreiben, die Alleen mit ihren Palmen, Kakteen und vielen bereits blühenden Pflanzen, kurz gesagt, das gesamte maritime Ambiente stimmte an allen von uns besuchten Orten; man fühlte sich wirklich "wie Gott in Frankreich!" (Ausnahmen sind die sanitären Anlagen in den mehr als teuren Häfen!)

Zum Schluß bleibt mir nur noch ein ganz besonderes Wort des Dankes an meinen lieben Segelkameraden Paul, der mir diesen tollen Törn ermöglichte, und dem ich für die nächsten 100 Fahrten mit "Speedy" alles, alles Gute wünsche!

 

E N D E

 

 

 

Skipper + Eigner Paul

Beiboot-Skipper Kallemann

Genießer Molli

Der Hafenkapitän von Porquerolles

Im Hafen von Porquerolles

Das Castell

Auf der Wanderung in Port Porquerolles

Speedy mit höchsten Speed

Kallemann ist ganz ehrfürchtig

An riesigen Felswänden vorbei

Dieser Skipper war wohl lange nicht mehr da

In der Stadt

Im Hafen von Cassis

2 Denkmäler unter sich

Schönes Ambiente am Hafen von Cassis

Der Hafenmeister weist uns einen Platz zu

Abendstimmung in Cassis

Traumhafte Liegeplätz im Fjord

Wanderung in der Calanque Miou


2 Yachten in der Calanque  Miou

Wir sind müde vom Wandern

Frisch vom Bäcker, hmmm......

Herrlich blühende Pflanzen


Traumhafter Sonnenuntergang

 

Wanderung in der Calanque Miou

 

Wanderung in der Calanque Miou

 

Wanderung in der Calanque Miou

 

Wanderung in der Calanque Miou

 

Wanderung in der Calanque Miou

 

Wanderung in der Calanque Miou