325 Meilen in nur 6 Tagen Törnfotos 325 Meilen
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Oefter mal wieder reinschauen

Freitag, 5.9.2003

Am heutigen 5.9., einem schönen Freitagmorgen wollten wir eigentlich um 6.00 Uhr in Oeventrop starten.  Ab Abend zuvor hatten Kalla und ich schon mal die Nahrungsvorräte in den Anhänger geladen, damit es am anderen Morgen zügig losgehen könnte. Zuerst holte ich Torsten ab, der seine restlichen Utensilien schnell nach unten geschafft hatte. Anschließend fuhren wir bei Richard vorbei, der schon mit gesamtem Gepäck auf uns wartete. Nachdem auch seine Brocken verstaut waren ging die Reise weiter nach Kalla, wo uns eine unheilvolle Stille erwartete. Nachdenklich schauten wir uns an; sollen wir oder sollen wir nicht? Natürlich wollten wir ihn mitnehmen und so drückte Torsten kurz entschlossen auf den Klingelknopf. Nach wenigen Sekunden erschien ein verschlafener Kopf  an der Korridortür und in rekordverdächtiger Zeit sprang Kalla unter die Dusche und anschließend in seine Kleider.

Mit dem Frühstück musste er dann bis zur ersten
Rast an der Autobahnraststätte „Allertal“ hinter
Hannover warten. In Großenbrode angekommen wurde wie immer zuerst beim Metzger und Bäcker angehalten, um hier ein paar Brötchen und Frikadellen zu bunkern; anschließend ging’s die
restlichen Meter ab zur Marina Großenbrode, wo unser Charterschiff „Sandra“, eine Dehler 34 auf uns wartete.

Leider entschloss sich das Marina-Team vor unserer Übergabe erst zu einer Mittagspause, sodass wir rund eine Stunde Leerlauf hatten. In dieser Zeit besuchten Richard und ich unseren Ehrenvorsitzenden Mathias Hüser und seine Frau, die unserem Steg gegenüber auf Ihrer „Holliday-Yacht“ die herrlichen Sonnenstrahlen und die Wärme dieses Septembertages genossen. Nachdem wir so einige Details über unseren gemeinsamen Segelclub ausgetauscht hatten verabschiedeten wir uns nach rund dreißig Minuten und warteten weiter auf die Übergabe.

Pünktlich um halb zwei kam Herr Reinders und überreichte uns die Schlüssel. Da wir ihm, und ganz besonders Richard keine Unbekannten mehr sind, dauerte die ganze Abwicklung nur Sekunden; Vertrauen schafft eben Vertrauen.

Nun wurde in Windeseile alles im Boot verstaut, in dem sich erfreulicherweise immer neue Stauräume auftaten, in denen alles verschwand. Ganz besonders ist hier der Stauraum hinter dem WC zu nennen, der Unmengen an Konserven und Dosenbier verschlang.

Nachdem wir uns häuslich eingerichtet hatten ging’s hinaus aufs Meer zur großen Fahrt. Wind und Wetter meinten es gut mit uns und auf Grund der Gegebenheiten bot sich ein erstes Ziel mit Bagenkop in Dänemark an.

Gegen 17.20 fuhren wir unter der Fehmarn-Belt-Brücke durch. Mit drei und vier Windstärken und einer moderaten Welle sausten wir mit 5-6 Knoten gen Norden und erreichten nach 35 Seemeilen den Hafen gegen 22.40 Uhr. Überrascht waren wir von den zahlreichen freien Boxen, was uns die ganze Woche auch in den anderen Häfen auffiel.

Samstag, 6.9.2003

Am nächsten Morgen wurde erst einmal der Hafenmeister aufgesucht um unsere Gebühren zu bezahlen und Duschmarken zu organisieren. Hierbei fiel uns auf, dass die Infrastruktur des Hafens seit unserem letzten Besuch völlig verändert wurde. Toiletten und Duschen präsentierten sich in hervorragende Form. Zum Duschen kann man sich in sogenannte Familienräume einschließen, mit eigener Dusche, Toilette und zwei Waschbecken.

Weiterhin fanden wir einen Spielraum vor, einen Fernsehraum, einen Waschraum, einen Kochraum sowie einen überdachten und einen freien Grillplatz. Man hat hier schwer was für die Segler getan.

Nach dem Frühstück, das wir schon sehr früh einnahmen machten wir uns bereits wieder um 9.15 Uhr auf die nächste Etappe. Der Wind blies schön gleichmäßig mit 4 Windstärken den ganzen Tag über aus SO und so konnten wir die Fahrt „Rund Fünen“ in Angriff nehmen. Nächstes Ziel war Assens im Kleinen Belt. Bei unserem Raumschotskurs hatte sich inzwischen auf hoher See eine doch nicht unerhebliche Welle aufgebaut. Da wir keinen Bullenstander gesetzt hatten passierte das Unvermeidliche, es kam zu einer Patenthalse, bei der uns der Schekel am Traveller abriss. Ersatz war keiner an Bord, so sicherten wir die Großschot mit 8-mm-Leinen. Um 16.30 Uhr standen wir ca. 2 Meilen vor der Einfahrt. Wir nahmen die Segel weg und motorten den Rest bis in den Hafen. Um Punkt 17 Uhr lagen wir nach 48 Seemeilen fest vertäut.

Beim anschließenden Kochen gab die Gasflasche ihren Geist auf, doch Gott sei Dank war Ersatz an Bord.

Kalla servierte uns Schnitzel mit Kartoffelsalat. Den Abend verbrachten wir bei herrlichstem Wetter mit einigen Dosen „Heineken“.

Sonntag, 7.9.2003

Bereits um 9.20 Uhr waren wir fertig zum Auslaufen. Leider hatte der Wind doch nun stark nachgelassen und so quälten wir uns die ersten Meilen gen Middelfahrt. Doch mit zunehmender Sonnenwärme entwickelte sich einen angenehmes Lüftchen das sich zu einer schönen Briese ausbaute. Um 14.10 fuhren wir unter der Eisenbahnbrücke durch; anschließend ging’s dann weiter unter der Autobahnbrücke durch an Middelfahrt vorbei nach Fredericia. Der Kleine Belt lag nun hinter uns und es öffnete sich wieder der weite Seeraum der Ostsee. Die nächste Stunde wurden wir von Tümmlern begleitet. Schätzungsweise 50 dieser verspielten Tierchen tauchten ununterbrochen um uns herum auf. Man brauchte nur einen Blick irgendwohin aufs Wasser werfen und schon hatte man wieder ein Pärchen im Blickfeld. Wir vermuten, dass der starke Strom der im Kleinen Belt herrscht, die Fische nach Norden transportiert und die Tümmler hier nur auf der Lauer liegen, um sich ihr Futter regelrecht ins Maul treiben zu lassen.

Gegen 14 Uhr frischte der Wind an der Nordküste Fünens doch mächtig auf und dunkle Gewitterwolken näherten sich im atemberaubenden Tempo. Vorsichtshalber refften wir die Segel; doch nach einer Stunde war alles vorbei, der große Sturm war Gott sei Dank nicht eingetreten.

An diesem herrlichen Segeltag erreichten wir unser Ziel, den Hafen von Bogensee nach 32 Seemeilen. Hier wurden wir auch erstmalig von neuartiger Elektronik im Yachthafen überrascht. Hafenmeister Fehlanzeige, dafür aber Automaten über Automaten; zum Geldwechseln, zum Hafengebühr bezahlen und einen um einen Chip für das Waschhaus zu ziehen. Leider streikte gerade der Letztere, so dass wir in einem kleineren Waschhaus nur den Kaltwasserkran benutzen konnten.

Den Abend verbrachten wir wieder an Bord in geselliger Runde.

Montag, 8.9.2003

Auch am Montag waren wir schon wieder früh auf den Beinen. Der Ableger erfolgte um Punkt 9.00 Uhr. Nachdem wir 15 Minuten motort hatten, setzten wir die Segel für einen langen Segeltag, der uns um Korshavn nach Kerteminde führen sollte. Es begann alles recht moderat so mit ca. 2 Windstärken, die aber im Laufe des Tages deutlich zunahmen und uns um 1500 Uhr zum Einbinden eines Reffs ins Groß zwangen. Als wir den Großen Belt erreichten und nach Süden abbogen, spürten wir schon recht deutlich den starken Nordstrom, der uns nicht so Recht von der Stelle kommen ließ. Doch schließlich erreichten wir um 19.00 Uhr nach stolzen 62 Seemeilen unser Ziel Kerteminde. Vor der Hafeneinfahrt befand sich ein durch Tonnen gekennzeichnetes Regattafeld, in dem der dänische Nachwuchs im Opti verzweifelt um die Plätze kämpfte. Hier sahen wir schon, wie die Weltmeister von Morgen trainiert werden; mit scheinbar drei Händen hielten sie die Großschot, die Pinnen und Pützten, was das Zeug hielt. Es war eine reine Freude, den Jüngsten bei ihrer verbissenen Arbeit zuzuschauen. Zwei Betreuerboote kümmerten sich um die Cracks, von denen wir nur eine einzige Kenterung erlebten.

Auch im Hafen von Kerteminde hat die Elektronik Einzug gehalten, der vorhin schon erwähnte Chip kam auch hier wiederum zum Einsatz. Der Code für das Waschhaus ist übrigens die Nummer 7301#!

Dienstag, 9.9.2003

Als wir am Dienstagmorgen um 9.40 Uhr starteten, wussten wir noch nicht, dass wir mit 68 Seemeilen einen für uns neuen Rekord aufstellen würden; wir wussten aber auch nicht, dass wir an diesem Tage 14,5 Stunden segeln bzw. motoren würden. Schon die Anfahrt zur Großen-Belt-Brücke erwies sich als äußerst zäh; nur ganz langsam näherten wir uns ihr; von den ständig laufenden 5 Knoten nahm uns der gegenanlaufende Strom gute 2 Knoten wieder ab, was wir auf meinem GPS genau verfolgen konnten. Genervt schmissen wir um 13 Uhr den Diesel an, um wenigstens schon mal durch die Brücke zu kommen, da hier nur eine ganz schmale Durchfahret von 70 Metern das Kreuzen ebenfalls unmöglich machte. Gegenverkehr und Strom waren einfach zu mächtig.

Um 14.40 Uhr setzten wir wieder die Segel und banden gleich ein Reff ins Groß. Inzwischen konnten wir stellenweise bis zu 3 Knoten Strom gegenan feststellen; deshalb schien unser Zielhafen Spodsbjerg auch in weiter Ferne zu liegen. Wir kreuzten und kreuzten, ohne großartig voran zu kommen. Als wir errechneten, dass unsere Ankunft sich auf ca. 6 Uhr morgens verzögern würde packten wir die Segel ein und motorten die restlichen 2 Stunden bis nach Spodsbjerg. Um 23.45 machten wir unsere „SANDRA“ fest und krochen um 1.00 Uhr zufrieden in die Kojen.

Mittwoch, 10.9.2003

Auch in Spodsbjerg braucht man einen Code, um ins Waschhaus zu kommen. Hier die Nummer: 0011. Nach dem Besuch des Waschhauses und dem anschließenden üppigen Frühstück machten wir uns heute wegen der späten Ankunft am Vorabend erst um 10.30 Uhr wieder auf den Weg „über den großen Teich“. Am heutigen Tag hatten wir erstmals keinen Wind und so motorten wir erst einmal eine Stunde Richtung Heiligenhafen. Um 11.30 Uhr stellte sich doch ein laues Lüftlein ein und rasch setzten wir alles was wir hatten. Aber bereits um 14.25 schlief der Wind wieder vollständig ein und so musste der PENTA-Diesel uns wieder aus der Patsche helfen. Gegen 18.40 erreichten wir Heiligenhafen und machten Dort am Steg D 1 fest.

Nachdem wir uns frisch gemacht hatten stiefelten wir zum „Lütten Haus“, um uns den Bauch voll zu schlagen. Doch leider hatte man dort Ruhetag, so suchten wir ein Lokal direkt am Hafen auf, wo wir bestens bewirtet wurden. Nachdem wir unsere Bordbar anschließend noch gründlich geplündert hatten verkrochen wir uns zu späterer Stunde in die Betten.

Donnerstag, 11.9.2003

Heute hatten wir es nicht mehr weit; nur noch von Heiligenhafen um die Ecke bis nach Großenbrode. Da sich aber so herrlicher Wind einstellte beschlossen wir, doch noch bis Dameshöft runter zu segeln um erst danach unseren Heimathafen Großenbrode anzulaufen. Um 1200 Uhr hatte der Wind schon so aufgefrischt, dass wir Reff 2 ins Groß binden mussten und auch die Genua um ca. 2 Reffs einwickelten. Die Wellen erreichten inzwischen Höhen von ca. 2,5 Meter. Der Windmesser zeigte in Böen 33 Knoten Geschwindigkeit an. Außer uns war niemand mehr auf dem Wasser. Das Boot hielt sich prächtig und auch mit dieser kleinen Besegelung ließ sich noch eine anständige Höhe laufen. Da sich die Bedingungen immer mehr verschlechterten verkürzten wir unseren Tagesausflug und steuerten nun den sicheren Zielhafen Großenbrode an, den wir auch unversehrt um 14.30 Uhr erreichten.

Die restlichen Stunden bis zur Schiffsübergabe am anderen Morgen verbrachten wir mit Packen, Kochen, Aufräumen, einem kurzen Besuch in Waltrauds kleinen Hafenkneipe und schlafen.

Insgesamt legten wir in 6 Tagen 325 Seemeilen zurück, davon 14,6 Stunden (ca. 55 Meilen) unter Motor. Das ist die größte Strecke, die wir jemals in einer Woche zurückgelegt haben. Das Boot können wir nur weiterempfehlen, es war schön schnell und handlich, es hat uns richtig Spaß gemacht, mit diesem kleinen Flitzer unser Hobby auszuüben. Auch der Marina Großenbrode können wir nur immer wieder unsere Empfehlung aussprechen. Wir chartern dort schon seit über 10 Jahren und haben noch nie Probleme mit Herrn Nissing und seiner Crew gehabt.

Auch die Mannschaft harmonierte, wie immer, bestens. Es sind schon nette Kumpels, die da unterwegs sind.

So endete ein Törn, von dem man auch wieder sagen kann, er hätte schöner nicht sein können.

 

 

Molli

Richard

Kalla

n

Torsten